Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stärkende Stimmen - Telefonandacht-Projekt

RAVENSBURG – Die gesamte Passionszeit über geben Pfarrer und engagierte Laien per Telefon Impulse für den Tag. Das Projekt der Gesamtkirchengemeinde soll ein niederschwelliges Angebot sein, bei dem jeder dann zuhören kann, wann es ihm gerade zeitlich hineinpasst. Noch bis Ostersonntag gibt es jeden Tag eine kurze Andacht.

Ravensburg. Stärkende Stimmen. Gruppenbild mit einem Teil der Aktiven des Telefonandacht-Projekts. Foto: Martina KruskaGruppenbild mit einem Teil der Aktiven des Telefonandacht-Projekts. Foto: Martina Kruska

An jedem Tag der Passionszeit zwischen 2. März und Ostersonntag ist es Interessierten möglich, rund um die Uhr und überall kurze Andachten per Telefon zu hören. „Wählen Sie einfach die Ravensburger Rufnummer 0751-185-285-95 und hören Sie einen stärkenden Impuls für den Tag“, so heißt es auf der lila Postkarte, die den Mitgliedern der Gesamtkirchengemeinde Ravensburg mit dem letzten Gemeindebrief zugestellt wurde.

Mehr als ein Dutzend Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitglieder des Kirchengemeinderats und andere Menschen aus der Gesamtkirchengemeinde machen sich im Wechsel Gedanken zur Tageslosung, zu einem Bibelvers oder einem Psalm. Unter anderem standen bereits der Weltgebetstag, die Frage „Hilft beten?“ oder Psalm 91,15 „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören“, im Fokus. Letzteres passe gut zu einer Telefonandacht, wie Pfarrer Martin Henzler-Hermann von der Stadtkirche schmunzelnd erwähnt.

Koordiniert wird aus New York

Pfarrerin Sonja Bredel, die Initiatorin des Projekts, lebt seit kurzem mit ihrem Mann und den Kindern in New York. Zuvor war sie als Pfarrerin im Kirchenbezirk Ravensburg tätig, anfangs an der Schlosskirche in Friedrichshafen. Dort hatte sie das Telefonandacht-Projekt schon zur Zeit des ersten Lockdowns mit Erfolg ausprobiert. Eine Frau aus der Gemeinde hatte damals von ihrem Sohn, einem Pfarrer, erzählt, der bereits ähnliche Telefonandachten erfolgreich angefangen hatte.

In Ravensburg entwickelte Sonja Bredel nun den Wunsch, in kontaktarmer Corona-Zeit niederschwellige Angebote zu machen. Vor allem in der Passionszeit wollte sie den Menschen mit Andachten, die zuhause abhörbar sind, entgegenkommen. Auch der bevorstehende Umzug über den großen Teich ließ sie nicht von ihrem Ziel abbringen. Sie fand genügend Mitstreiter, erstellte eine Einsatzliste und nimmt, nun in New York, die Andachten der Sprecher per Whatsapp oder E-Mail entgegen. Sie koordiniert, steht für Fragen zur Verfügung und stellt den Text ähnlich einem Anrufbeantworter dem Hörer in Deutschland zur Verfügung.

„In der Fastenzeit gibt es somit ein Angebot für jeden Tag, sich zu besinnen“, sagt Stefan Schwietert, Kirchengemeinderat der Stadtkirche in Ravensburg. Drei Andachten hat der IT-Spezialist übernommen. Er habe nur kurz überlegt und dann zugesagt, erzählt er. „Das müssen ja nicht nur die Pfarrer machen, das können Laien auch, wenn auch die Vorbereitung bei den Pfarrern schneller geht“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Eine Stunde brauche er mindestens, von der Entscheidung, ob Tageslosung oder Bibelvers, über den Entwurf des Konzepts bis zur endgültigen Ordnung der Gedanken. Länger als vier Minuten darf die Andacht nicht sein. „Und das ist das Besondere dieses Formats“, sagt Pfarrerin Sybille Silber. „Es ist nicht leicht, seine Gedanken auf einen Mini-Text von zwei bis vier Minuten zurechtzustutzen.“

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Das Sprechen des Textes bereite keine Probleme, meint Schwietert, wobei es für Laien nicht unbedingt zur Routine gehört, in einem öffentlichen Medium zu sprechen. Hört man in die unterschiedlichen Andachten hinein, so merkt man keinen Unterschied zwischen Laien und Profis. Jeder ist um klare und verständliche Aussprache bemüht, fast alle stellen sich am Anfang oder Ende des Vortrags mit Namen vor.

Ravensburg. Stärkende Stimmen. Gruppenbild mit einem Teil der Aktiven des Telefonandacht-Projekts. Foto: Martina Kruska.

Ravensburg. Kirchengemeinderätin Regine Gitzen beim Aufsprechen des Textes für eine Andacht. Foto: Martina Kruska

70 Anrufer wurden im Schnitt bislang pro Tag registriert. Schon in Friedrichshafen ist das Echo auf die Telefonandachten viel höher gewesen als bei Online-Gottesdiensten oder Online-Andachten. Sicher ruft nicht jeder jeden Tag an. „Man kann auch gleich wieder auflegen, wenn man merkt, es ist nichts oder es spricht mich diesmal nicht an“, erklärt Sybille Silber. „Umgekehrt kann man auch mehrfach hinhören.“

Und vielleicht rufen gerade jetzt, wo der Krieg in der Ukraine die Menschen bei uns ängstigt und verunsichert, auch Leute an, die es vorher nicht getan hätten. Menschen, die Trost suchen, Halt im Glauben und im Gebet. Die nach Einschränkung und Angst durch die Pandemie nun angesichts eines Krieges in Europa um Antworten ringen.

So fragt auch Stefan Schwietert bei der Vorbereitung seiner Andachten, für die jedem Sprecher freie Hand gelassen wird: „Nehm’ ich das Thema Ukraine mit hinein, oder nicht?“ Ja, es wird immer wieder thematisiert, aber nicht jedes Mal. Die Passionszeit bietet den Hörern mit ihren vielen bildhaften Geschichten auch in einem nur vierminütigen Format die Gelegenheit, sich zu besinnen und neu zu verorten. In diesem Sinne können und werden die Telefonandachten Kraftquelle auch über den Tag hinaus sein. □

◼ Telefon 0751-185285-95