Christliche Themen für jede Altersgruppe

Surfen auf dem Kirchplatz - Kabelloses WLAN für die Kirchen

Basis für jede Digitalisierung ist ein guter Internetzugang. Eine landeskirchliche Projektgruppe möchte Kirchengemeinden dabei unterstützen, ein kabelloses Netwerk – WLAN – aufzubauen. Das nützt der Gemeinde und der Allgemeinheit. So wie in Dettingen an der Erms.

Freies Wlan. Foto: nneem, pixabayFoto: nneem, pixabay

Die Stiftskirche in Dettingen an der Erms ist ein altehrwürdiger Bau. Sie hat eine Glocke aus dem Jahr 1441 und eine Orgel von 1866. Und seit kurzem hat sie auch WLAN.

Ein Internetzugang in der Kirche? Bis vor gut zwei Jahren hätte das mancher noch grotesk gefunden. Doch Corona hat überall deutlich gemacht, wie wichtig eine gute digitale Ausstattung ist. Eine Projektgruppe der Landeskirche berät deshalb Kirchengemeinden, die WLAN in ihren Gebäuden einrichten wollen – ob in Kirchen, Gemeindehäusern, Kindergärten oder Verwaltungsgebäuden.

Patrick Uhl hat das Projekt „WLAN in Kirchengemeinden“ mit auf den Weg gebracht und gibt auch jetzt noch ehrenamtlich Seminare zum Thema. Seiner Meinung nach gibt es Gründe auf zwei Ebenen, warum eine Kirchengemeinde ein WLAN-Netz einrichten sollte.

Zum einen für den internen Gebrauch. „Wenn der Kirchengemeinderat hybrid tagt – also manche Mitglieder vor Ort sind und manche sich von zuhause zuschalten – ist es sinnvoll, WLAN im Gemeindehaus zu haben, damit die Internetverbindung bei der Videokonferenz stabil ist“, sagt er. Auch wenn sich das Kinderkirch-Team oder die Jungscharleiter zur Vorbereitung treffen und etwas im Internet nachschauen wollen. „Jugendlichen fehlt oft das Geld für einen Mobilfunk-Tarif mit viel Datenvolumen. Zusätzlich ist der Empfang in alten Gebäuden meist schlecht“, sagt Uhl.

Ein Angebot auf gleich zwei Ebenen

Über den Eigengebrauch hinaus sieht er noch einen weiteren Grund für Kirchengemeinden, ein WLAN-Netz einzurichten. „Das kann ein Angebot in die Gesellschaft hinaus sein. Wer ein freies Netzwerk anbietet, lädt ein zur Teilhabe.“ Das könne Bildung und Zivilgesellschaft stärken. Ein Beitrag von Kirchengemeinden dazu wäre, wenn sie ihr WLAN auch auf dem Kirchplatz verfügbar machen.

So wie vor der Dettinger Stiftskirche. Dort können Menschen mit ihren Smartphones über das Kirchen-WLAN im Internet surfen. Für Kai Münzing, der in Dettingen für die Kirchenpflege und die kaufmännische Leitung der Kindergärten zuständig ist, ist ein solches freies WLAN ein wichtiger Baustein, um Kirche barrierefrei zu machen. „Für manche Menschen ist der digitale Raum eine Heimat, so wie für die Stiftskirchen-Besucher die Stiftskirche Heimat ist“, sagt er. „Wir möchten, dass auch diese Menschen die Kirche wahrnehmen. Und da sollten sie digital möglichst barrierefrei Zugang finden.“

Vom Dettinger Kirchturm geht das WLAN- Signal per Richtfunk in den Ort hinaus. Fotos: Kirchengemeinde/Claus Arnold Vom Dettinger Kirchturm geht das WLAN- Signal per Richtfunk in den Ort hinaus. Fotos: Kirchengemeinde/Claus Arnold

Münzing sieht große Potenziale in der Digitalisierung und hat selbst schon gute Erfahrungen gemacht. „In Dettingen haben wir in der Pandemie schon früh Kindergottesdienste gestreamt. Da hatten wir teilweise über 5000 Klicks. Aus der ganzen Landeskirche und weit darüber hinaus haben mich Menschen angesprochen, was wir für tolle Kindergottesdienste machen“, erzählt er. Daher wird in Dettingen digital viel gemacht: Die Kirchengemeinderäte sind mit Tablet-Computern ausgestattet, auch zur Vernetzung der vielen Ehrenamtlichen der Gemeinde werden digitale Lösungen genutzt. Basis für all dies: ein guter Internetzugang.

Ein offenes WLAN anzubieten, ist in den vergangenen Jahren immer einfacher geworden. Dennoch gibt es rechtlich und finanziell noch das ein oder andere zu beachten (siehe Artikel rechts auf dieser Seite). Eine grundsätzliche Sorge kann Patrick Uhl den Kirchengemeinden allerdings nehmen. „Manche befürchten: Wenn wir offenes WLAN anbieten, lungern junge Leute vor unserem Gemeindehaus rum“, erzählt Uhl. „Ich grinse dann immer ein bisschen und sage: Aber das ist doch genau das, was wir wollen, dass die Leute zu uns kommen.“ Kai Münzing empfiehlt zögerlichen Gemeinden, einfach mal anzufangen und sich nicht zu viel zu sorgen: „Wir müssen als Kirche neue Dinge ausprobieren. Und alle, die bereit sind, diese Schritte zu gehen, sollten wir ermutigen und sie diese Schritte auch gehen lassen.“

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