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Tausend Kisten auf dem Weg - Umzugsunternehmen fährt Hilfsgüter

TÜBINGEN – Zwei Fahrer, 2400 Kilometer und 17 Stunden Fahrt in eine Richtung: Unterwegs an die ungarisch-ukrainische Grenze mit einem Hilfstransport, den die Eberhardsgemeinde, die Familienbildung und das Diakonische Werk in Tübingen gestemmt haben.

Spenden für die Ukraine. Viele Helfer packen beim Entladen des LKWs an. Foto: Carolin Albers Spenden für die Ukraine. Viele Helfer packen beim Entladen des LKWs an. Foto: Carolin Albers

Spätestens am Mittwoch muss Markus Gmoser wieder in Tübingen sein. Er muss seinen Sohn an der weiterführenden Schule anmelden, am liebsten wären ihm ein paar Stunden Schlaf davor – aber Markus hat eine weite Reise vor sich, als er an diesem Montagmorgen um fünf Uhr seinen Rucksack ins Auto wirft und von Tübingen nach Reutlingen fährt. Dort beginnt die eigentliche Reise am 7. März, ein 2400 Kilometer langer Trip gen Osten und zurück – in zwei Tagen. Das Ziel: Ebes, eine Gemeinde mit knapp 5000 Einwohnern in Ungarn, 130 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Markus hat sich mit seinem Kollegen Bernd Höflinger von dem Reutlinger Umzugsunternehmen Alan Umzüge bereit erklärt, einen LKW plus Anhänger nach Ebes zu fahren. Knapp 1000 Kisten, gefüllt mit Kleidern, Lebensmitteln, Hygieneartikeln. Spenden, die durch einen Aufruf vom Diakonischen Werk Tübingen, der Familienbildungsstätte und der Eberhardsgemeinde Tübingen zusammenkamen.

Nach 17 Stunden Fahrt kommen Bernd und Markus in Ebes an. Nach ein paar Stunden Schlaf im LKW geht es früh morgens zu einem Depot der Reformierten Kirche in Ungarn. Dort stehen etwa 30 ungarische Helfer, die innerhalb einer Stunde die 1000 Kisten in das Depot verladen, das schon gut gefüllt ist mit allem Möglichen.

Ehrenamtliche Helfer mit Spenden auf dem Weg zur ungarisch-ukrainischen Grenze. Foto: Carolin AlbersEhrenamtliche Helfer mit Spenden auf dem Weg zur ungarisch-ukrainischen Grenze. Foto: Carolin AlbersEhrenamtliche Helfer mit Spenden auf dem Weg zur ungarisch-ukrainischen Grenze. Foto: Carolin Albers

Ein paar Stunden später brechen sechs Männer auf, um 2,5 der insgesamt zwölf Tonnen der Tübinger Spenden noch über die Grenze zu bringen, nach Welyka Dobron, Munkatsch, Bergsaß oder Wylok, Dörfer und Städte in der Region Transkarpatien, im Westen der Ukraine. Dorthin sind viele aus dem Osten der Ukraine geflohen und dort werden gespendete Sachen benötigt.

Die Reformierte Kirche in Ungarn hat mehrere Lagerhäuser, das in Ebes ist das größte. Momentan treffen dort jeden Tag mehrere Hilfstransporte ein. Eine der Koordinatoren der Hilfstransporte ist Anna Derencsényi. Die 40-Jährige ist in Debrecen aufgewachsen, der zweitgrößten Stadt Ungarns, nicht weit von Ebes entfernt.

Anna Derencsé-nyi koordiniert die Spenden für die Urkaine. Foto: Carolin AlbersAnna Derencsé-nyi koordiniert die Spenden für die Urkaine. Foto: Carolin AlbersAnna Derencsé-nyi koordiniert die Spenden, die in der Halle in Ebes zwischengelagert werden. Foto: Carolin Albers

Dort zeigt Anna später ein Gelände der Reformierten Kirche in Ungarn, wo es unter anderem Gästezimmer gibt, die momentan von ukrainischen Geflüchteten belegt sind. Eine von ihnen ist eine junge Frau, die dort mit ihrer Mutter und ihren Kindern untergekommen ist. Sie kommt aus der Region Transkarpatien, dort, wohin die Hilfslieferungen aus dem Depot in Ebes gehen. Sie hat vor in den nächsten Tagen dorthin zurückzukehren, der Arbeit wegen hat sie keine andere Wahl.

Und es gibt einen weiteren Grund für sie, zurückzukehren: „Um ehrlich zu sein, möchte ich einfach zurück nach Hause. Ich fühle mich hier wohl, wir haben hier alles, die Bedingungen sind gut. Aber hier ist nicht mein Zuhause.“ Auch wenn sie Angst hat, wieder in die Ukraine zu gehen. „Ich hoffe, der Krieg geht so schnell wie möglich vorbei. Meine Kinder sollen wieder in ihren Betten schlafen können.“

Markus und Bernd. Zwei ehrenamtliche Fahrer auf dem Heimweg. Foto: Carolin AlbersMarkus und Bernd, zwei ehrenamtliche Fahrer wieder auf dem Heimweg. Foto: Carolin Albers

Am Ende der Fahrt werden Markus und Bernd sagen, sie hätten das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Auch wenn bei Bernd ein komisches Gefühl zurückbleibt: „Das beschäftigt mich, dass wir jetzt wieder nach Hause in die warme Stube zurückkehren. Ich habe schon ein Schamgefühl.“

Knapp 35 Stunden Gesamt-Fahrtzeit liegen hinter Bernd und Markus, als sie am Mittwochmorgen um halb fünf wieder in Reutlingen ankommen, fast exakt zwei Tage später. Markus kann sogar noch ein paar Stunden schlafen, bevor er zur Schulanmeldung muss.

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