Christliche Themen für jede Altersgruppe

The Käff. The Fläck. The Dörf. - Vom Gag zur guten Tat

ZAININGEN – Vom Gag zur guten Tat: Der Zaininger Hauskreis hat die Image-Kampagne des Landes veräppelt und dabei ein ungewöhnliches Fundraising für den maroden Turm der heimischen Kirche in Gang gesetzt. Zu Besuch in „The Dörf“.

Zainingen. The Dörf. Foto: Wolfgang AlbersFoto: Wolfgang Albers

Ein Bibelabend führt zu einem Bericht in der Bild-Zeitung – so könnte man die Geschichte der Zaininger Kirchturm-Renovierung auch erzählen. Eigentlich lebt das Dorf auf der Münsinger-Uracher Alb eher abseits der allgemeinen Aufmerksamkeit. Die Bundesstraße 28 schlägt einen Bogen um den hübschen Ort, wo eine große „Hüle“, ein Gewässer, das Zentrum ist und kein moderner Shopping-Komplex. Und auch die Lokalpresse taucht eher gelegentlich auf, wie kürzlich zu einer Bürgermeister-Wahl (die dann eine Bürgermeisterin an die Spitze brachte).

Was dabei auffiel, waren ungewöhnliche Plakate: hellblau mit einem Schuss Gelb, wie im Zaininger Wappen – und dem selbstbewussten Slogan „The Dörf – oifach schee!“ Als die Plakate in Zainingen hingen, waren gerade die Älteren schon irritiert: Was soll das? Die Jüngeren und die Medien, die vom SWR bis zur Bild-Zeitung sofort in Scharen kamen, hatten kapiert: Hier wird äußerst originell „The Länd“ auf die Schippe genommen – die Image-Kampagne des Landes.

Der Hauskreis war der Auslöser der Zaininger Reaktion. Daniel Blochinger, Kirchengemeinderat, und Christian Egeler, Vize-Vorsitzender des CVJM, waren auch da. Wie immer hockte man nach der Bibel-Betrachtung noch gemütlich zusammen: „Da wird rauf und runter diskutiert, was so anliegt.“ Diesmal war es die „Länd“-Kampagne des Landes, vor allem ihre Kosten: „Die 21 Millionen sind uns nicht reingegangen: Dass so was Simples so viel Geld kosten soll.“

Daniel Mangel mit Sohn. Zainingen. The Dörf. Foto: Wolfgang AlbersThe Dörf. Zainingen.  Daniel Blochinger und Christian Egele. Foto: Wolfgang AlbersDie Köpfe hinter der Idee „The Dörf“: Daniel Mangel mit Sohn, Daniel Blochinger und Christian Egeler. Fotos: Wolfgang Albers

Die Runde war sich einig: „Da sott ma“ mal einen Kontrapunkt setzen. Mit The Käff, The Fläck. Oder: The Dörf. Und damit wäre die Geschichte schon erzählt, denn eigentlich bleibt es meist beim: da sott ma. Aber als der nächste Hauskreis bei Blochingers zusammenkam, hatte sich Daniel Blochinger vorher an den Computer gesetzt, die Image-Kampagne des Landes studiert, The-Dörf-Plakate kreiert, ausgedruckt und in eine Ecke gestellt: „Ich wollte mal gucken, was die anderen dazu sagen.“

Der Herrgott wird’s verzeihen: Die Bibelstunde war diesmal nicht so intensiv. „Wir sind gleich rumgefahren und haben die Plakate aufgehängt.“ Ein Gag fürs Dorf, und außer den Zainingern hat es die ersten Tage auch niemand registriert. Aber dann griffen die Medien die Geschichte auf: „Das ist wie eine Lawine auf uns losgegangen.“ Einer sagte im Scherz: Da könne man auch T-Shirts mit dem Slogan drucken lassen. Warum nicht, dachten Daniel Blochinger und Christian Egeler: „Aber dann soll auch was Gutes dabei rumkommen.“ Spenden und Fundraising also.

Wofür, das können sie jeden Tag sehen. Wenn sie auf die Martinskirche schauen. Ein Schmuckstück, das sicher mit dazu beigetragen hat, dass das Reisemagazin „Geo Saison“ Zainingen unter die 15 schönsten Dörfer Deutschlands gelistet hat. Eine gewaltige Wehrmauer aus dem Jahr 1559 umschließt den Kirchhof, hier fanden die Kaufleute auf der Handelsstraße Paris/Prag Schutz. Neben dem gotischen Kirchenschiff ragt der Turm mit seinem Fachwerk-Obergeschoss auf: ein Blickfang. Wer vor ihm steht, sieht im Gras weiße Teile vom Putz. Das Wetter auf der Alb ist ja nicht nur lieblich, und der Regen, der vom Westen her heranpeitscht, hat den Turm ziemlich malträtiert. Nicht nur den Putz, sondern auch das Fachwerk, das wegfault und sogar schon Löcher hat. Eine Sanierung ist unumgänglich. Die wird teuer – schon allein deshalb, weil die Mauer nach wie vor gut abwehrt: kein Transporter, kein Kran kommt an den Turm heran. 600 000 Euro mindestens wird die Sanierung kosten.

Zainingen: Der Putz bröckelt, die Kirchturmsanierung wird teuer. Foto: Wolfgang AlbersZainingen: Der Putz bröckelt, die Kirchturmsanierung wird teuer. Foto: Wolfgang Albers

The Dörf hat jetzt einen Beitrag dazu geleistet. Mit Hilfe eines Zaininger Werbedruckers haben sie T-Shirts, Pullover, Taschen, Holzwürfel und anderes bedrucken lassen und verkauft: etwa vor einem Wahlokal bei Schneetreiben und Kälte. Also: War auch stressig – aber die 250 Artikel, die jeweils fünf Euro Sanierungs-Aufschlag hatten, sind fast alle verkauft.

„Toll, super, klasse“, lobt Pfarrer Daniel Mangel die Aktion. Und ihre Macher sind froh, dass es geschafft ist: „War schon ein großer Aufwand. Jetzt ist’s gut.“ Aber ein Hintertürchen bleibt doch offen, gerade, weil die Sanierung des Turms eine große finanzielle Last bleibt: „Man kann es bei einem bestimmten Anlass ja wieder aufleben lassen.“ □

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