Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trauer kennt keine Zeit - Frühstücksrunde für Trauernde

SCHWAIGERN (Dekanat Brackenheim) – Der Verlust eines Menschen ist nicht einfach zu verkraften. Beim „Frühstück für Trauernde“ können Betroffene offen über ihre Gefühle sprechen oder einfach nur zuhören. Dieses Angebot des Hospizdienstes Leintal gibt es seit zehn Jahren.

Kaffee. Foto: PexelsFoto: Pexels

Bei manchen Teilnehmern ist der Verlust eines nahestehenden Menschen noch frisch, bei anderen liegt er Monate oder Jahre zurück. Eine Zeitspanne, für die viele Nichtbetroffene kein Verständnis haben. Man müsse doch mal mit der Trauer abschließen und zum Alltag zurückfinden, so die Ansicht mancher. Letzteres machen die Trauernden dann auch – gezwungenermaßen, denn niemand will seine Umgebung mit seinen Empfindungen nerven.

Doch wer legt fest, wie lange und in welcher Art getrauert werden darf? „Wir werden oft gefragt, ob die eigene Art des Trauerns normal sei. Bei uns erfahren die Gäste, dass alles normal ist und jede Trauer individuell verläuft. Es gibt keine Regeln, wie man zu trauern hat“, erklärt Petra Flake. Als Koordinatorin des ökumenischen Hospizdienstes Leintal, der zur örtlichen Diakoniestation gehört, kennt sie die Bedürfnisse der Hinterbliebenen. Vor zehn Jahren gründete sie mit vier Mitarbeiterinnen das „Frühstück für Trauernde“.

Hospizdienst Schwaigern Frühstücksrunde für Trauernde. Foto: PrivatFür das leibliche Wohl ist gesorgt – trotz Trauer soll das Treffen in einer einladenden Atmosphäre stattfinden. Foto: Privat

Dieses überkonfessionelle, kostenlose Angebot im geschützten Rahmen findet an jedem dritten Samstag eines Monats von 9 bis 11 Uhr statt. Niemand muss sich anmelden, jeder ist willkommen. In angenehmer Atmosphäre gibt es ein reichhaltiges Frühstück an jahreszeitlich dekorierten Tischen im katholischen Gemeindehaus. Die Seele findet in der Gemeinschaft einen Ausgleich.

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Die Trauer verbindet, Erklärungen sind nicht nötig. „Viele Mitmenschen verstehen nicht, dass Trauer auch noch nach Jahren präsent sein kann. Bei uns können alle Betroffenen offen miteinander reden oder auch nur zuhören“, berichtet Gaby Herrenbauer. Sie absolvierte, wie ihre Kolleginnen Beate Bauer, Friedegard Zörner und Judit Strobel, neben der Hospizhelfer-Ausbildung eine Schulung zur Trauerbegleiterin, um mitfühlend auf die Besucher eingehen zu können.

Das Angebot hat sich in den vergangenen zehn Jahren etabliert. Zehn bis zwölf Teilnehmer sind im Schnitt dabei, mittlerweile auch Stammgäste. Sogar zwei bis drei Männer trauen sich in den von Frauen dominierten Kreis, in dem jeder so sein darf, wie ihm zumute ist.

Petra Flake wird stets von drei der vier Ehrenamtlichen unterstützt, die jeden Gast persönlich begrüßen. Neue Besucher werden diskret nach ihrem Trauerfall gefragt und bekommen Ablauf und Regeln erklärt, bevor sie sich einen Platz aussuchen dürfen. Um 9.30 Uhr wird die Tür geschlossen und der offizielle Teil beginnt mit einem Textimpuls. In einer Befindlichkeitsrunde kann jeder über seinen Trauerfall berichten, muss es aber nicht. Anschließend dürfen die Plätze für einen offenen Austausch gewechselt werden.

„Die Betroffenen erleben, dass sie nicht alleine sind und es anderen ähnlich ergeht“, sagt Petra Flake. Der Einzugsbereich erstreckt sich auf die gesamte Region Heilbronn und den angrenzenden Landkreis Ludwigsburg. „Viele kommen von außerhalb, weil sie auf dem Weg keine Bekannten treffen möchten. Schon der erste Schritt aus der Trauerisolation ist schwer, da will man sich nicht gleich wieder erklären müssen“, meint Petra Flake. Die meisten Trauernden sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Hin und wieder nehmen auch Jüngere teil, die sich mit dem Tod eines nahestehenden Menschen auseinandersetzen müssen.

Um 11 Uhr beendet ein Abschlusstext die Veranstaltung offiziell, bevor zum nächsten Termin eingeladen wird. Bis dahin treffen sich einige Besucher auch privat, gehen spazieren oder ins Konzert. So öffnet das Angebot neue Türen aus Trauer und Einsamkeit. □

Aus aktuellem Anlass müssen das Frühstück und die Jubiläumsfeier ausfallen. Die Mitarbeiter des Hospizdienstes sind aber erreichbar unter Telefon 07138-973012 von Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr, sowie Donnerstag und Freitag von 15 bis 17 Uhr oder per E-Mail unter info(at)hospizdienst-leintal.com

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