Christliche Themen für jede Altersgruppe

Traumland mit Problemen

Weiße Sandstrände, blaues Meer, Palmen, Korallenriffe, Reggae und Calypso – das sind Bilder und Klänge von den Bahamas, der Heimat von Annie Thompson. Von dort stammt die Liturgie des Weltgebetstags am 6. März. Doch auch im vermeintlichen Paradies gibt es Schatten. 


Teenagerschwangerschaften sidn auf den Bahamas häufig. . (Foto: Weltgebetstag)

In dem Land, das nicht nur durch seine Traumstrände und den Tourismus bekannt ist, sondern auch für illegale Finanztransaktionen und Drogen, gibt es viele illegale Einwanderer, vor allem aus Haiti. Da es keine Regelungen für die Aufnahme von Flüchtlingen oder Asylverfahren gibt, ist ihr Schicksal oft vorgezeichnet – sie werden in der Regel inhaftiert und später abgeschoben. Bekommen illegale Flüchtlinge auf den Bahamas Kinder, erhalten diese keine Geburtsurkunde, was im Falle der Haitianer bedeutet, dass ihre Kinder staatenlos sind.

Außerdem sehe die bahamaische Gesellschaft die Flüchtlinge sehr zwiegespalten, sagt Annie Thompson. Einerseits würde es heißen: „Die Haitianer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“ Und zum anderen gebe es Arbeiten, von denen jeder sage, das sei ein haitianischer Job. Der Orden von Sister Annie versucht, den Flüchtlingen zu helfen. Beispielsweise unterstützt er dabei, dass Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis bekommen. Essen und Trinken für diejenigen, die es brauchen. Oder Kleidung. Denn „sie haben nichts“, sagt Annie Thompson, die in der bahamaischen Hauptstadt Nassau elf Nonnen vorsteht. Wenn die Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis haben, lauere schon das nächste Problem: Sie fänden keine Wohnung. Deshalb bauen die Flüchtlinge so genannte Shanty Towns, Baracken-Städte. Diese wiederum würden immer mal wieder auch abgerissen, die Bewohner in Abschiebehaft genommen.

Im Grunde genommen, findet Schwester Annie, sind die illegalen Einwanderer aber nicht das große Problem für die Bahamas. Schließlich seien die Inseln reich, es gebe genug Arbeitsplätze. „Das größere Problem sind die Drogen-Leute“, erzählt Thompson. Viele junge Leute glaubten, dass der Handel mit Drogen ein leichter Weg sei, um Geld zu verdienen. Aber natürlich sei das eher ein einfacher Weg zu sterben. Obwohl das Drogenproblem stark gewachsen ist, wie Thompson sagt, bricht sich auch hier ihr Optimismus wieder Bahn: „Die Polizei hat das ganz gut im Griff.“

Drogen passen natürlich nicht so recht in das Bild eines Paradieses, wie es von Reiseprospekten häufig versprochen wird. Und auch das Leben der Frauen hat meist wenig mit den Bildern zu tun, die in Deutschland über die Karibik im Umlauf sind, meint die internationale Verbindungsfrau aus dem Bahamaischen Weltgebetstagskomitee. So gebe es eine große Anzahl von Fällen häuslicher Gewalt, auch Vergewaltigung in der Ehe. Im Kabinett sei kürzlich ein Gesetzesentwurf beraten worden, der häusliche Gewalt verbieten sollte. Aber „die Männer sehen es nicht als Gewalt an, wenn ein Ehemann seine Frau zum Geschlechtsverkehr zwingt“, sagt Thompson. Sie ist dennoch voller Hoffnung, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert. Aber es sei noch ein weiter Weg: Zwar sind laut Verfassung die Frauen den Männern gleichgestellt. Aber es sind die Details, die es in sich haben. Heiratet eine Bahamaerin beispielsweise einen Ausländer, so haben ihre Kinder nicht die bamahische Staatsangehörigkeit. Heiratet ein bahamaischer Mann dagegen eine Ausländerin, so sind die Kinder automatisch Bahamaer. Und sind Bahamaer und Bahamaerin nicht verheiratet, so hat die Frau kein Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, folglich auch kein Mitspracherecht.Frauen können laut Gesetz an und für sich selbst entscheiden, welchen Beruf sie wählen, doch die Tradition erlaubt das meist nicht: Die Männer haben in der Familie das Sagen.

Hier sei Aufklärung gefragt, sagt Annie Thompson. Erstens müssten die Frauen wissen, welche Rechte sie haben, und zudem müssten sie auch wissen, wo es Ungleichheiten gibt, um diese auszuräumen. „Beten Sie dafür, dass die Frauen auf den Bahamas das Recht haben, Frauen zu sein, die frei entscheiden können, wie sie leben wollen“, sagt Annie Thompson.

Die Bahamas sind ein Land mit einem jungen Altersdurchschnitt: Rund 41 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre, nur 7 Prozent der Menschen sind älter als 65 Jahre. Das klingt gut, doch es gibt auch einen negativen Aspekt: Jede vierte Mutter ist jünger als 18 Jahre, und häufig brechen sie die Schulausbildung vorzeitig ab: Viele von ihnen trauten sich einfach nicht mehr zur Schule, wenn sie schwanger sind, sagt Annie Thompson. Nicht etwa, weil Schwangere nicht zur Schule gehen dürfen, sondern aus Angst davor, dass sie gehänselt werden. Für junge Mütter, die weiterhin zur Schule gehen oder ihren Schulabschluss nachholen wollen, gibt es deshalb ein Programm der Organisation PACE (Providing Access to Continued Education – Schaffung von Zugang zu weiterführender Bildung). Während die jungen Mütter den Unterricht besuchen, werden in dem Programm ihre Kinder betreut.

Und dann ist da noch das Thema Brustkrebs. Auf den Bahamas gibt es den Statistiken zufolge viel mehr Fälle als sonstwo auf der Welt. „Wir wissen nicht, warum das so ist“, sagt Sister Annie. „Aber wir helfen Betroffenen dabei, mit ihrem Schicksal zurecht zu kommen.“ Zum Glück, meint die Ordensfrau, gebe es wenigstens staatliche Hilfen und Medikamente umsonst.

Bei all den Problemen, die sie schildert, ist Schwester Annie zuversichtlich, denn es ist ihre feste Überzeugung, dass Gebet verändert und Probleme sich zum Guten wandeln. Deshalb freut sie sich auch darüber, dass ihr geliebtes Land beim Weltgebetstag im Mittelpunkt steht.