Christliche Themen für jede Altersgruppe

Tröstet die Kleinmütigen - Impuls zur Predigt

1. Thessalonicher 5,14 und 23 Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leibe unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus.

Tröstet die Kleinmütigen

Impuls für den 14. Sonntag nach Trinitatis: 1. Thessalonicher 5,14-24.

Von Esther Kuhn-Luz

Esther Kuhn-Luz ist Pfarrerin in Rottweil. Foto: Privat


In diesem wohl ältesten Brief des Apostels Paulus will er die junge Gemeinde im heutigen Saloniki stärken und ihr eine ethische Orientierung geben. Beides haben wir heute als Christen und Christinnen knapp 2000 Jahre später auch sehr nötig.

Paulus nennt Christen und Christinnen „Kinder des Lichts“. Erfüllt zu sein mit dem Licht Christi ermöglicht eine innere Haltung, die von diesem Licht weitergeben will und auch kann. Ohne Anstrengung, ständig gut sein zu müssen. Eher mit der inneren Freude, dieses Licht in sich spüren zu können. Und dieses innere Licht gibt ethische Orientierung. Paulus zählt das in seinem Brief sehr konkret auf mit vielen Beispielen. Eins möchte ich hervorheben: Tröstet die Kleinmütigen.

Esther Kuhn-Luz, Pfarrerin in Rottweil. Foto: PrivatWir kennen das Wort „kleinmütig“ nicht mehr. Eigentlich ist es ein wunderbares Wort. Wenn der Mut zum Leben klein geworden ist, weil es zu oft Erfahrungen gab, nicht anerkannt, nicht geliebt zu werden. Wenn ich zu oft gescheitert bin in meinem Leben. Wenn ich merke, dass meine Kraft zu klein geworden ist für alle meine Anstrengungen. Wenn ich nicht weiß, wie es beruflich oder privat weitergehen soll, da kann der Mut zum Leben sehr klein werden. Da brauche ich Hilfe von anderen.

Um zu trösten, muss ich zunächst erst mal wahrnehmen, wer warum nur noch wenig Mut hat – und was der oder die andere braucht, um getröstet zu werden. Das kann unterschiedlich aussehen. Ich habe als Gefängnisseelsorgerin vor Kurzem zum wöchentlichen Gespräch mit den Männern im Gefängnis in Rottweil ein Bild des Labyrinths aus der Kathedrale in Chartres mitgebracht. Insgesamt 260 Meter lang ist der Weg, der auf sehr verschlungenen Pfaden in die Mitte führt. Mal ist man schon fast in der Mitte, dann führt einen der Weg wieder ganz nach außen – scheinbar weit weg vom Ziel. Man muss Vertrauen haben, dass der Weg ein Ziel hat. Auch wenn ich das jetzt im Moment nicht sehe.

Hilfe von anderen

Die Männer, die alle in Untersuchungshaft sitzen, waren bereit, sich auf dieses Symbol für den eigenen Lebensweg einzulassen. Jeder hatte ein Labyrinth vor sich und zeichnete in der Stille mit einem Stift den Weg für sich nach. Es war eine beeindruckende Atmosphäre. Sonst geht es oft recht ruppig zu. Aber da war plötzlich jeder mit seinem eigenen Weg beschäftigt und hat das dann auch kommentiert. „Da gibt es ja nur einen Weg.“ „Meine Güte, sind die Wege aber verschlungen – das ist ja wie bei mir in meinem Leben.“ „Wenn ich mir überlege, welche Umwege ich in meinem Leben schon alles gelaufen bin – das war nicht nur gut.“ Und ein Satz hat mich besonders berührt. Ein junger Mann, körperlich sehr stark, einer, der sich laut durchsetzen kann, hatte plötzlich eine andere Stimme – sehr zart, leise, wirklich von innen her fragend. „Was mache ich, wenn ich alleine nicht mehr herausfinde?“ Wir haben das dann im Gespräch miteinander überlegt. Ja, es gibt Situationen, da komme ich nicht mehr allein weiter, da brauche ich andere Menschen, eine andere Kraft als meine eigene, die mir hilft, wieder den Weg nach außen zu finden. Wenn mein eigener Mut so klein geworden ist, dass ich selber keine Orientierung habe und mich nicht mehr auf meine eigene Kraft verlassen kann, dann braucht es Menschen, die wieder diesen Lebensmut vermitteln können. Die zeigen, dass Christus die Mitte ist, das Licht des Lebens und die Orientierung im Leben. □

Trost. Foto:congerdesign, pixabayTrost. Foto:congerdesign, pixabay

Gebet

Du, unser Gott.

Wir kommen immer wieder in Situationen, in denen unser Lebensmut klein geworden ist.

Wir danken dir für Menschen, die dann ein Stück des Weges mit uns gehen und uns trösten.

Wir bitten dich, lass uns aus der Kraft der Dankbarkeit leben: Amen.