Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trost spenden, Trost finden - Impuls zur Predigt

2. Korinther 1,3-7 (in Auszügen) Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

 

Trost spenden, Trost finden

Impuls für den Sonntag Lätare: 2. Korinther 1,3-7.

Von Klaus Anthes

Klaus Anthes ist Pfarrer der Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina sowie stellvertretender Dekan in Schwäbisch Hall. Foto: Privat

In seinem „Hohenlied des Trostes“ beschreibt Paulus die christliche Gemeinde als umfassende Trostgemeinschaft, in der Menschen, die in „allerlei Bedrängnis“ sind, einander Trost spenden.

Jede und jeder bringt seine eigene Trostgeschichte mit, Erfahrungen mit dem Trösten und dem Getröstet-Werden, die wir seit frühester Kindheit sammeln. Ein Kind, das sich weh getan hat, verlangt nach Trost und fühlt sich getröstet, wenn sein Schmerz ernst genommen und irgendwie behandelt wird. Diesen Trost hält es für so bedeutsam, dass es einen alleinstehenden Menschen besorgt fragen kann: „Und wer tröstet dich?“ In dieser Frage schwingt mit, dass wir uns Trost häufig nicht selbst spenden können, sondern auf andere angewiesen sind, die uns trösten.

Klaus Anthes. Pfarrer in Schwäbisch Hall, stellv. Dekan. Foto: PrivatAuch als Erwachsene sind wir trostbedürftig. Immer wieder brauchen wir Trost, weil uns irgendein Ereignis den Boden unter den Füßen wegzieht und den eigenen Lebensentwurf ins Wanken bringt. Wir brauchen Trost, wenn wir verlieren, was uns zuvor Sicherheit und Stabilität gegeben hat. Und wir sind dabei in der Regel auf Hilfe von außen angewiesen, auf andere, die uns Halt geben und die helfen, die Not zu tragen.

Paulus hat das selbst erlebt. Bevor er sein überschwängliches Lob auf den „Gott allen Trostes“ anstimmt, schildert er, wie er selbst in große „Bedrängnis“ geraten ist. Auf dem Weg durch die Provinz Asien macht er eine bittere Leidenszeit durch. Er schreibt, dass er „über die Maßen beschwert“ gewesen sei, am Ende der Kraft und „am Leben verzagt“. Es bleibt unklar, was genau Paulus das Leben so schwer gemacht hat. Vielleicht wurde er wegen seiner Verkündigung angefeindet, vielleicht war es aber auch eine lebensbedrohliche Krankheit. Er ist jedenfalls mit seiner Kraft am Ende und er rechnet mit dem sicheren Tod.

Aber dann erfährt Paulus Hilfe. Der Gott, „der die Toten auferweckt“, wendet sich Paulus zu und rettet ihn aus dem Tod. Paulus muss nicht sterben, Paulus geht nicht unter. Gott wendet sein Leid und lässt ihn weiter den Weg als Verkündiger des Evangeliums gehen. Diese Rettung schildert Paulus in Worten, die sich sonst auf das Osterereignis beziehen. Er erfährt in lebensbedrohlicher Lage Gottes auferweckende Kraft.

Neues Leben ist da

Der Tod ist überwunden, neues Leben ist da. Weil Gott sich gerade in dieser äußersten Bedrohung des Lebens als Rettung erweist, ist er für Paulus der „Gott allen Trostes“. Von Gott kommt aller Trost, der in der Welt ist. Auch unser gegenseitiges Trösten und Getröstet-Werden hat letztlich Teil an der lebensspendenden und tröstlichen Kraft Gottes, die sich in der Auferweckung Jesu gezeigt hat.

Den Trost, den Paulus erfahren hat, gibt er weiter. Gott tröstet, „damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind“. Kirche ist für Paulus eine umfassende Trostgemeinschaft. Trost ist dabei ein gegenseitiges Geben und Empfangen. Man tröstet und wird getröstet. Indem andere da sind, die einem Halt geben, wenn man Schweres zu tragen hat. Indem man erfährt, dass man angenommen und bejaht ist, auch wenn man hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt. Indem man hilft, die Not zu überwinden und Wege zurück ins Leben zu finden. □

Trost, brennende Kerze. Foto: Daniel Wanke, pixabay
Foto: Daniel Wanke, pixabay

 

Gebet

Danke, Gott, für die Menschen, mit denen ich Glaube und Leben teilen kann, für alle, die mir helfen zu tragen, was mich beschwert, für die Gewissheit, dass du mich annimmst, wie ich bin.

Du bist mein Trost, mein Licht, mein Leben.

Amen.


Klaus Anthes ist Pfarrer der Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina sowie stellvertretender Dekan in Schwäbisch Hall.