Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trost und Orientierung - Interview mit Lucie Panzer, Rundfunkpfarrerin

Millionen Menschen haben ihr zugehört, wenn sie im Radioprogramm des SWR „Anstöße“ gab und „Morgengedanken“ sprach. Ende März geht die evangelische Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer in den Ruhestand. Im Interview erzählt sie, wie sich das Radio verändert hat, worauf sie sich freut und wo ihr Publikum künftig von ihr lesen wird. 

 Lucie Panzer am Arbeitsplatz beim SWR. Foto: Pressebild/SWRLucie Panzer am Arbeitsplatz beim SWR. Foto: Pressebild/SWR

Frau Panzer, was unterscheidet die Kanzel im Radio von der Kanzel in der Kirche?

Lucie Panzer: Im Radio spreche ich zu Leuten, die zu einem großen Teil nicht auf die Idee kämen, sich eine Predigt anzuhören. In der Mehrheit sind das Menschen, die einfach Radio hören wollen wegen der Musik, der Nachrichten, des Wetterberichts, der Verkehrslage – wegen Dingen, die ihnen im Alltag nützen. In diese Erwartung hinein kommen die Morgenandachten. Auch sie müssen die Fragen beantworten: Was bringt mir das? Was hat das mit meinem Alltag zu tun? Deshalb fangen wir in der Regel bei einem Alltagsproblem an und zeigen, welche Antworten der christliche Glaube gibt.

Sie arbeiten seit 1995 im SWF und im SWR. Wie hat sich das Radio in diesen Jahren verändert?

Lucie Panzer: Hier im Südwesten haben wir jetzt überall das sogenannte Formatradio. Das heißt, bis auf SWR2 liegen in allen anderen Programmen Musikteppiche in einer bestimmten Musikfarbe, da sind nur noch kleine Beiträge eingestreut. Früher hat man noch eine ganze Stunde am Stück gehört, den Schulfunk oder abends das Wunschkonzert. Das gibt es alles nicht mehr. Es gibt nur noch diese einheitlichen Musikteppiche mit den eingestreuten Beiträgen. Bis auf die Nachrichten weiß man nie, wann was kommt. Das ist übrigens auch der Grund, warum unsere Beiträge nur noch drei Minuten lang sind, während sie früher einmal fünf Minuten lang waren. Danach werde ich oft gefragt. Es ist überhaupt kein Beitrag mehr länger als drei Minuten.

Hat der SWR denn auch einmal versucht, darauf einzuwirken, was sie sagen und wie sie es sagen?

Lucie Panzer: Inhaltlich überhaupt nicht. Da hat nie jemand etwas gewollt. Der Sender hat uns nur gebeten, dass wir die Teams möglichst klein halten, damit die Hörerinnen und Hörer diejenigen wiedererkennen, die da sprechen. Das war ein mühseliger Prozess, denn wir mussten die ziemlich großen Teams stark verkleinern. Wir haben jetzt in jedem Format nur noch drei oder vier Kolleginnen und Kollegen.

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Welchen Stellenwert haben kirchliche Themen im Radio?

Lucie Panzer: Unser Stand beim SWR ist deutlich gefestigter. Als ich das übernommen habe, hatte ich immer den Eindruck, dass man sagt: Ach du liebe Zeit, die Kirche, die können’s eigentlich ja gar nicht. Inzwischen sind wir ein fester Bestandteil des Programms, anerkannt auch mit der besonderen Rolle, die wir spielen. Da gibt es diejenigen, die informieren und oft auch die schlimmen Nachrichten haben. Und dann gibt es uns. Wir bieten die Orientierung, den Trost und die Hilfe, wie die Hörer mit diesen Nachrichten umgehen können.

Hat sich Ihr Publikum verändert?

Lucie Panzer: Als ich angefangen habe, kamen noch sehr viel Manuskriptanfragen. Die Manuskripte stehen nun auf der Internetseite des SWR. Wir bekommen nur noch ganz wenige Briefe, dafür mehr E-Mails, positive wie negative. Der Ton ist rauer geworden.

Theologen Lucie Panzer und Andreas Koch. Kolumnisten beim Ev. Gemeindeblatt. PressebildNeue Aufgabe: Lucie Panzer schreibt im Wechsel mit Andreas Koch Kolumnen fürs Gemeindeblatt.

Gibt es ein Thema, zu dem Sie gerne gesprochen hätten, dies aber nicht gemacht haben?

Lucie Panzer: Eigentlich nicht. Ich habe zu allem, was mir am Herzen lag, etwas gesagt. Ich habe allerdings nie über außenpolitische Themen gesprochen, auch nie über Donald Trump, weil ich gedacht habe: Was soll ich darüber im Radio sprechen, der hört mir ja sowieso nicht zu.

Werden Sie auch als Ruheständlerin im Radio zu hören sein?

Lucie Panzer: Ich habe eine große Familie, acht Enkelkinder, und werde es genießen, nicht erst in den Kalender schauen zu müssen, wenn sie etwas von mir wollen. Ich möchte ohnehin viel weniger termingebundene Dinge tun, deshalb mache ich in Zukunft keine Radioandachten mehr. Abwechselnd mit dem früheren Medienpfarrer Andreas Koch schreibe ich eine Kolumne im Gemeindeblatt. Außerdem bin ich in der Redaktion für die Calwer Predigten online – da gibt es für jeden Sonntag eine Predigt für alle, die keine eigene vorbereiten können. Und dann ist mein möglicherweise letztes Buch mit Radioandachten erschienen, „Geländergeschichten: Für Halt und Haltung im Leben“. □

Geländergeschichten. Lucie Panzer. BuchcoverBuch-Tipp

Lucie Panzer: Geländergeschichten.

Evangelischer Verlag
208 Seiten

18,95 Euro

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