Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trotz allem hoffen - Impuls zur Predigt

Hiob 19,19-20.25-27 (Basisbibel) Meine engsten Freunde verabscheuen mich. Sogar diejenigen, die mir am liebsten sind, stehen mir feindselig gegenüber. Meine Haut klebt nur noch an den Knochen. Nur das nackte Leben ist mir noch geblieben. Ich weiß ja doch, dass mein Erlöser lebt. Als mein Anwalt wird er auf der Erde auftreten und zum Schluss meine Unschuld beweisen. Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen. Ich werde ihn mit meinen Augen sehen, und er wird für mich kein Fremder sein. So wird es sein, auch wenn ich schon halb tot bin.

 

Trotz allem hoffen

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Judika: Hiob 19,19-27.

Von Martin Burger

Martin Burger ist Pfarrer in Bönnigheim-Hofen.

 

Hiob denkt nicht gerne an frühere Jahre zurück. Jahre, in denen es ihm gut ging. Es fehlte an nichts. Frau, Kinder, Besitz, Wohlstand, Gesundheit, Freunde. Doch jetzt ist nichts mehr davon übriggeblieben. Das Letzte, was ihm noch geblieben ist, die eigene körperliche Unversehrtheit, ist ihm auch noch genommen worden. Aus einem angesehenen und ansehnlichen Mann wurde einer, den niemand mehr sehen wollte. Einer, der alles hatte, hat auf einmal nichts mehr. Er fühlt sich verlassen, ausgesetzt und verraten. Selbst die, die immer zu ihm gestanden sind, schauen ihn nur noch mit Widerwillen an. Selbst das, was einen Menschen normalerweise schützt, wenn er nichts mehr hat, bietet keinen Schutz. Der eigene Leib ist angegriffen, verwundet. Er ist mehr als dünnhäutig geworden. Da ist einer bis ins Mark getroffen. Dieses Leid geht unter die Haut. Lässt einen nicht kalt. Doch was tun? Wie mit solch einem Menschen umgehen? Seine Freunde wussten das auch nicht so richtig. Sie kommen. Und schweigen lange. Und reden. Doch sie wissen selbst um ihre Begrenzung. Wissen, dass Worte nicht weiterhelfen. Deshalb sind sie da. Halten aus. Doch sie können es fast nicht mit ansehen. Können es nicht fassen. Was kommt denn noch alles? Hat das denn kein Ende? Sie müssen erkennen, dass es keine verordneten und gutgemeinten Lösungen der Fragen nach seinem Leiden gibt. Diese kann nur er selbst in der Begegnung mit seinem Schöpfer finden.

Und Hiob gibt nicht auf. Er gibt sich nicht auf. Trotz allem. Er ist verzweifelt, doch er wehrt sich gegen die totale Verzweiflung. Er schreit seine Wut, seinen Schmerz, seine Gottverlassenheit hinaus. Immer wieder blitzt es auf. Da ist einer, der kämpft. Mit sich. Mit seinen Freunden. Mit Gott. Nein, er ist nicht gewillt, das alles einfach klaglos hinzunehmen. Er will nicht einfach wie ein Opfer zur Schlachtbank geführt werden. Wenn ihm nichts mehr bleibt, dann bleibt ihm immer noch Gott. Auch wenn er weit weg scheint. Deshalb ruft er den an, den er für all das verantwortlich macht. Denn er erkennt in Gott auch denjenigen, der für ihn eintreten wird. Ein Richter, der gleichzeitig Anwalt ist. Der für ihn eintritt und der ihn freisprechen soll. Der da ist, wenn einen alle verlassen haben.

Am Ende wird es sich zeigen. Ja, so wird es sein. Dessen ist sich Hiob sicher. Am Ende wird seine Sehnsucht einen Ort gefunden haben. Bei allem Schmerz, bei aller Last, die er zu tragen hat, gibt ihm das jetzt schon die Kraft, das alles zu ertragen, ohne daran zu zerbrechen. Unverfügbares Geheimnis des Glaubens. Da ist einer, der meine Klagen hört und erträgt, weil er selbst gelitten hat. Da ist einer, der zu mir steht, weil er selbst am Boden gelegen ist. Da ist einer, der für mich da ist, weil er selbst diese Verlassenheit gespürt hat. Da ist einer, der mir neues Leben schenkt, weil er den Tod überwunden hat.

Foto: International Cancer Institute, unsplashFoto: International Cancer Institute, unsplash

Gebet

Barmherziger Gott.

Dir vertraue ich. Wende dich mir zu.

Schau mich an in meiner Not und reich mir die Hand.

Erbarme dich und sei bei mir, wenn ich einsam bin.

Verlasse mich nicht, wenn mir alle Kräfte schwinden.