Christliche Themen für jede Altersgruppe

Tu etwas Tapferes! - Nur Mut, Gottes Geist befähigt uns

An Pfingsten wird das Wirken des Heiligen Geistes gefeiert. Dieser Geist macht Mut, sich für die Rettung von Menschen und den Schutz der Schöpfung starkzumachen. Ein Einsatz, der in diesen Zeiten nötiger denn je ist, davon ist unser Autor überzeugt.

Unter dem Slogan „#Leave-NoOneBehind“ (Lasse niemanden zurück) demonstrieren engagierte Menschen, hier die Schauspielerin Katja Riemann, für mehr Klimaschutz und Seenotrettung. Foto: picture-allianceUnter dem Slogan „#Leave-NoOneBehind“ (Lasse niemanden zurück) demonstrieren engagierte Menschen, hier die Schauspielerin Katja Riemann, für mehr Klimaschutz und Seenotrettung. Foto: picture-alliance

Klaus von Dohnanyi, ehem. Bürgermeister von Hamburg. Foto: epd-bild„Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ – so heißt es im 2. Brief an Timotheus (1,7). Wenn das stimmt, dann müssten Christen eigentlich sehr mutige Menschen sein. Doch leider sind wir alle oft viel zu ängstlich, manchmal sogar feige. Dabei wäre in diesen Tagen unser heiliger Mut ganz besonders gefragt. Das brachte am 8. Mai Klaus von Dohnanyi, der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg, auf den Punkt. An diesem Tag gedachte Deutschland des Kriegsendes vor 75 Jahren. Im „heute journal“ fragt ihn Moderator Claus Kleber nach dem Verhältnis unserer heutigen Herausforderungen zu denen nach dem Weltkrieg. Klaus von Dohnanyi bezieht sich in der Antwort auf den Klimawandel und sagt: „Das Wichtigste ist eigentlich der Mut. Mut und ein Gefühl für das, was man tun kann, wenn man die Freiheit dafür hat, es zu tun.“

Nur Mut - wir haben die Freiheit zu handeln

In kaum einem Land ist die Freiheit größer, das zu tun, was im Blick auf die lebensbedrohlichen Krisen unserer Tage nötig ist, als in Deutschland. Wir haben gute rechtliche und ökonomische Vorausetzungen, mutige Schritte zu unternehmen, um das Klima und Menschenleben zu retten. Doch die meisten Politiker haben im Blick auf den Klimawandel die Warnungen der Wissenschaftler überhört, denn das hätte ja vermeintlich bedeutet, dass man wirtschaftliches Wohlergehen und damit Wählerstimmen riskiert.

Und nun die Corona-Krise. Endlich hören Politiker fast aller Parteien auf die Wissenschaftler. Das ist richtig und klug, aber mutig muss man es nicht finden. Mutig wäre es, wenn wir unsere Situation dazu nützen würden, denen zu helfen, deren Leben jetzt besonders bedroht ist: zum Beispiel den Flüchtenden auf dem Weg nach Europa.

Für sie setzt sich die Internetkampagne „#LeaveNoOneBehind“ ein, auf Deutsch: Lasse niemanden zurück.  Sie fordert die Evakuierung aller Menschen aus den überfüllten Lagern an der EU-Außengrenze und ihre Unterbringung in aufnahmebereiten Ländern. Holger Stahlknecht, der CDU-Innenminister von Sachsen-Anhalt, sagte mit Blick auf den Vorschlag der SPD, wegen der Corona-Gefahr noch mehr Menschen aus den Lagern Griechenlands in Deutschland aufzunehmen: „Diese Forderung ist derzeit absolut unangemessen. Sie ist weder politisch, noch gesundheitlich tragbar.“ Und das sagt er, während gleichzeitig 80 000 Saisonarbeiter unter fragwürdigen hygienischen Umständen mit Sonderflügen nach Deutschland gebracht werden.

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Diesem Geist der wohlkalkulierten Mutlosigkeit, die nur das für „angemessen“ erklärt, was auch Wählerstimmen bringt und das eigene Wohlergehen sichert, sollten wir im Namen des Heiligen Geistes mit aller Kraft entgegentreten. Wer diesen Geist und sein Wirken nicht verspotten möchte, der muss mit seinem Wirken rechnen und damit, dass wir mit seiner Kraft überwältigend positive Wirkungen erzeugen können. Sicher nicht für jeden Zweck, aber immer dann, wenn wir nicht nur um unser eigenes Wohlergehen kreisen, sondern fremdes Leben und die Schöpfung retten wollen.

Michael Welker, Nachtschicht, systematischer Theologe. Foto: epd-bildKaum jemand hat diesen „roten Faden“ des geistlichen Handelns besser beschrieben und biblisch nachverfolgt als der systematische Theologe Michael Welker. In einem Nachtschicht-Gottesdienst in Stuttgart sagte er: „Wir leben auf Kosten von anderem Leben. Aber die Kräfte des Heiligen Geistes setzen auf eine wunderbare Gegenbewegung. Wir nehmen uns in der Liebe und in der Vergebung schöpferisch zugunsten der Mitmenschen zurück. Wir setzen uns nicht durch, sondern wir bereiten anderen Freude, stellen ihre Füße auf weiten Raum, hoffen, dass sie sich positiv entwickeln. Diese freie, schöpferische Selbstzurücknahme, damit andere sich entfalten können – das ist eine ganz große göttliche Gabe und Kraft.“


Diese Gabe und Kraft feiern wir an Pfingsten. Sie hilft uns auf mitreißende Weise, die eigenen Interessen zugunsten anderer zurückzunehmen. Dafür brauchen wir all unseren Mut im Angesicht der globalen Bedrohungen: Wir können und müssen den persönlichen Konsum einschränken, um den Anstieg der Temperaturen in erträglichen Grenzen zu halten. Wir können und müssen auf persönliche Begegnungsmöglichkeiten verzichten, wenn wir Leben retten wollen.

Nur Mut - Öl der Freude statt Trauerkleid

Dabei können wir seit Pfingsten mit der gleichen, fröhlichen Zuversicht auf die Unterstützung des Heiligen Geistes vertrauen, wie es Jesus in seiner „Antrittspredigt“ tat (Lukas 4). Er bezog dabei die Worte des Propheten Jesaja (Kapitel 61) auf sich persönlich: „Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Gedemütigten eine frohe Botschaft zu verkünden, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, auszurufen den Gefangenen die Freilassung und den Gebundenen die Öffnung. Auszurufen ein Jahr des Wohlgefallens des Herrn und ein Tag der Vergeltung unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden. Ihnen Schmuck statt Schmutz zu geben, Öl der Freude statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes, dass sie genannt werden Bäume der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des Herrn zur Verherrlichung. (…) Ich freue mich von Herzen im Herrn und meine Seele jubelt in meinem Gott!“

Da steht der Prophet im zerstörten Jerusalem, feiert mit seiner Gemeinde einen „Gottesdienst auf Trümmern“, bei dem vielen eher zum Heulen zu Mute ist, wie so manchen bei den nun stattfindenden „Distanz-Gottesdiensten“. Doch Gott legt seinen Geist auf ihn, um diesen Gedemütigten eine frohe Botschaft zu verkünden: „Gott will sein Volk trösten, es von allen Fesseln befreien. Gott selbst sorgt nun für sie. Er schmückt die Betrübten.“ So können auch wir heute trotz aller erschütternden Zahlen und Messwerten eine neue Zeit ansagen. Wir können mit Gottes Geist Gerechtigkeit und Feierstimmung ausbreiten, ohne dabei andere zurückzulassen oder zu vergessen. Oder wie Zwingli sagen würde: „Du bist Gottes Werkzeug. Er verlangt Deinen Dienst, nicht Deine Ruhe. Tu um Gottes Willen etwas Tapferes!“

Wenn wir Christenmenschen solche Botschaften senden würden – in den Kirchen und vor den Mikrofonen, in den Kollegien und Freundeskreisen – wären wir der Lösung der Krisen schon ein großes Stück näher. So, wie wir es in Jesaja 61 gelesen haben: Nachdem der Prophet seine Vision geschildert hat, geschieht das Wunder: Gottes Geist wirkt, was er verheißt. Wir werden Ohrenzeugen eines ungeheuren Ereignisses: Auf den Trümmern ihrer Stadt und ihrer Hoffnungen nehmen die Menschen jubelnd vorweg, was ihnen verheißen wurde: „Ich freue mich von Herzen im Herrn und meine Seele jubelt in meinem Gott!“ So antwortet die Gemeinde auf die Worte des Propheten.

Da stehen wir nun im Angesicht der aktuellen Krisen. Viele bewundern die Tapferkeit des medizinischen Personals. Nur wenige fordern mehr Mut im Blick auf die Rettung von Menschenleben an unseren Grenzen und in ärmeren Ländern. Doch Gottes Geist wirkt auch heute noch Wunder. Wo wir uns seinem Wirken öffnen, da entsteht ein überraschendes und überragendes Kraftfeld. In diesem Kraftfeld kann das alles entscheidende Wunder geschehen: Wir verändern uns. Wir bekommen die Kraft und den Mut, nicht nur unsere eigenen Interessen durchsetzen zu müssen, sondern sie auch zurückzustellen, wenn dadurch „die Gebundenen“ freier werden.

Aber Gottes Geist wirkt nicht automatisch und in „unbestimmter Weise überall“, wie Michael Welker in seinem Buch über „Gottes Geist“ schreibt. Nein, Gott kann seinen Geist auch „zurücknehmen und das Angesicht abwenden“. Zum Beispiel, wenn eine bestimmte Bevölkerungsgruppe oder Nation sich selbst und ihre Überzeugungen und Interessen verabsolutiert. „Leben schaffend und Gerechtigkeit wirkend ist der Geist gegenwärtig. Aber durch Falschheit und Ungerechtigkeit können Menschen den Geist Gottes betrüben und verscheuchen“, schreibt Welker. Wir haben also einen überraschend großen Einfluss auf die Wirkung des Heiligen Geistes.

Nur Mut - Gottes Geist wirkt Wunder

Wo nur das eigene Wohl gesehen wird, da ist Pfingsten schnell am Ende. Wo wir sagen: „Wir lassen niemand zurück!“, wo wir gemeinsam handeln, damit Menschen oder Tiere nicht unter unwürdigen Umständen leben müssen, da geben wir Gottes Geist den nötigen und heilsamen Spielraum. Gottes Geist weht da, wo wir etwas Tapferes tun, weil wir wissen, dass Gott nur unsere Hände und Herzen hat. Das ist etwas ganz anderes als naive Blindheit nach dem Motto: „Wird schon nichts passieren! Hauptsache, die Wirtschaft läuft wieder.“

Norbert Blüm, CDU Politiker. Foto: epd-bildWie selbstverständlich diese Tapferkeit klingen kann, hat uns der im April verstorbene Politiker Norbert Blüm (CDU) als Vermächtnis hinterlassen. Mit Blick auf die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer sagte er: „Es geht darum, dass Menschen am Absaufen sind. Und wer am Absaufen ist, muss gerettet werden. Da gibt’s gar nicht viel zu diskutieren. Lebensrettung ist unsere Pflicht.“ Und im Blick auf die Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland: „Europa, schäm dich!“ Was würde Blüm wohl seinem Parteikollegen aus Sachsen-Anhalt erwidern, wenn er Stahlknechts Rede hören würde?

 

 

Ich wünsche uns, dass wir Christen diese Selbstverständlichkeit mit pfingstlicher Freude und Gewissheit in alle Diskussionen einbringen. #LeaveNoOneBehind, das gilt für die Klimakrise und die Coronakrise. #LeaveNoOneBehind, das ist die pfingstliche Antwort auf alle Mutlosigkeit, die meint, nun müssen wir aber zuallererst nach uns selbst schauen, bevor wir anderen helfen können. Das Wichtigste ist unser Mut. Dank Gottes Geist können wir uns um andere kümmern. Dann werden wir spüren, wie er für uns einsteht mit all seiner grenzenlosen Kraft, Liebe und Besonnenheit. □

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