Christliche Themen für jede Altersgruppe

Überreiche Ernte - Impuls zur Predigt

Lukas 8,8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.

 

Überreiche Ernte

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä: Lukas 8,4-8(9-15).

Von Kerstin Hackius

Pfarrerin Kerstin Hackius, Eislingen. Foto: Julian MeinhardtHundertfach Frucht. Diese Pointe in Jesu Gleichnis vom viererlei Ackerboden muss der großen Menge an Zuhörern, die sich um Jesus scharten, märchenhaft vorgekommen sein. Viele von ihnen, die aus den umliegenden Orten herbeigeströmt waren, hatten eigene Erfahrungen in der Landwirtschaft. Getreide wie Weizen und Gerste war ihre Versorgungsgrundlage. Das Gleichnis sprach sie an. Sie verstanden sofort, was er da erzählte, ja, sie sahen es regelrecht vor sich: Ihre meist schmalen Parzellen, die von allerhand Gestrüpp und Wegen eingegrenzt waren. Steinige und karge Böden, die kaum einen Tropfen Wasser hielten. Sie warfen bei weitem nicht so viel ab. Bestenfalls konnte man das Vieroder Achtfache erzielen. Denn schließlich fiel beim Säen einiges auf den Weg und wurde gleich von den Vögeln aufgepickt. Anderes fiel auf den steinigen Boden und vertrocknete mangels Feuchtigkeit. Ein weiterer Teil fiel unter die schnell wachsenden Disteln und diese erstickten die junge Saat. Ja, das kannten sie alles. Doch was blieb einem auch anderes übrig, als zu versuchen, alles aus dem knappen Land, das einem zur Verfügung stand, herauszuholen?

Aber ein hundertfacher Ertrag – nein, das klang zu fantastisch. Das erinnerte eher an Erzählungen von sagenhaften Ernten in Mesopotamien oder an die segensreiche Ernte eines Isaaks in Gerar (1. Mose 26,12). Gewiss, Getreidesamen sind genügsam und gedeihen auf guten Böden prächtig. Kaum 14 Tage braucht es da, bis die Saat aufgeht. Aber die Grundbedingungen kann man nicht außer Acht lassen. Wenn die Ackerfläche nur gering ist, muss jeder Zentimeter, auch der Platz nahe am Weg oder unter den Dornen, ausgenutzt werden. Da kann man von solchen Ernten nur träumen.

Hundertfache Frucht – das ließ auch andere aufhorchen. Einige beruhigten sich schnell mit dem Satz: „Ein bisschen Schwund ist immer. Da kann man halt nichts machen!“ Andere dachten an das, was in ihrem Leben nicht aufgegangen war, beruflich wie privat. An die Pläne, die nicht realisiert werden konnten. Oder an die eine oder andere vielversprechende Beziehung, die nicht in die Tiefe gegangen war und sich deshalb verlief. In manchen wird auch ein Hauch von Neid aufgestiegen sein: „Hundertfacher Ertrag, so etwas passiert nur anderen, aber nicht mir.“

Leben in Hülle und Fülle

Weitere Zuhörende, vielleicht welche unter den Jüngerinnen und Jüngern, sahen dagegen sofort eine Parallele zum Auftreten Jesu: „Säte“ er als weiser Lehrer nicht auch in vielen seiner Zuhörer Hoffnung, wenn er vom nahen Reich Gottes redete? Wie viele hatten ihn gehört? Aber waren sie ihm auch gefolgt? Haben sie angenommen und umgesetzt, was sie in seinen Reden und Gleichnissen hörten?

Es ist weit verbreitet, dass man mehr auf das schaut, was nicht aufgeht im Leben. Gerne verweilt man dabei und tröstet sich damit, dass selbst bei einem charismatischen Wanderprediger wie Jesus eben nicht alles bei den Menschen ankommt und aufgeht.

Blieben wir aber dabei stehen, würden wir uns der schönen Pointe dieser Erzählung berauben. Wir hörten und realisierten nicht, wie Gott uns Leben in Hülle und Fülle schenkt. Mannigfach hat Gott bereits ausgestreut und den Boden für Zuversicht und Vertrauen bereitet. Hundertfach hat er hoffnungsweckende Worte und Trost in uns hineinfallen lassen. Eigentlich wohl weitaus mehr als hundertfach, wenn wir einmal nachzählten.

Junge Pflanzen. Setzlinge. Foto: Markus Spiske/UnsplashFoto: Markus Spiske/Unsplash

 

Gebet

Danke, Gott, für die Fülle, die du meinem Leben gibst.

Lass mich nicht nur auf das sehen, was bislang nicht aufgegangen ist.

Lass mich vielmehr wahrnehmen, was du bereits in mein Leben ausgestreut hast an Hoffnung, Trost und Liebe.

 

Kerstin Hackius ist Pfarrerin an der Lutherkirche Eislingen.

Foto: Julian Meinhardt