Christliche Themen für jede Altersgruppe

Überwinde das Böse - Impuls zur Predigt

Römer 12,21  Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Überwinde das Böse


Impuls zum Predigttext für den 4. Sonntag nach Trinitatis: Römer 12,17-21.  Von Petra Frey.

Von Petra Frey

 


Pfarrerin Petra Frey ist Geschäftsführerin des evangelischen Diakonie­verbands Ulm/ Alb-Donau.(Foto: privat)

 

Wer so etwas wie den obigen Bibelvers sagt, heimst sich gern den Vorwurf ein, naiv zu sein und erntet mitleidige Blicke von oben herab. Doch Paulus ist weder naiv noch weltfremd. Er weiß um die Macht des Bösen. Er als Realist verharmlost nichts. Deshalb sagt er auch: Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden (Römer 12,18).

Denn seine Erfahrung ist nicht anders als die unsere im Juli 2020. Es kommt vor, dass jemand Böses tut, weil er neidisch ist. Dass jemand uns in Schwierigkeiten bringt, weil wir Gefühle bei ihm auslösen, die seine Wut explodieren lassen. Und dass Menschen einander ­Gewalt antun, ist bittere Realität. Das Böse ist da, sagt Paulus. Überwinde es. Aber indem man es mit Bösem heimzahlt und dabei noch eine Schippe drauflegt, gewinnt es immer mehr die Oberhand. Unzählige Nachbarschaftsprozesse, Erbstreitigkeiten und Schlammschlachten in sämtlichen Medien zeugen davon. Ganz zu schweigen von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Nicht nur dass die Konflikte eskalieren: Das Böse bekommt man so nicht in den Griff.

Stattdessen sollen wir untereinander das Böse mit guten Strategien bewältigen, rät Paulus. Aktivität statt passiver Opferrolle. Optionen sehen und ergreifen statt sich in die Ecke drängen zu lassen. Wir sollen das Böse unermüdlich bekämpfen. Dass das eine leichte Aufgabe sei, wird nicht behauptet. Und es geht nicht ohne Übung und Phantasie.

Haltet die andere Wange hin, sagt Jesus in der Bergpredigt. Er zeigt, dass es anders geht. Es gibt noch andere Möglichkeiten, außer zurückzuschlagen oder sich kleinmachen zu lassen. Wir können Unerwartetes tun, ins Gespräch kommen und aktiv sein. Das bewahrt davor, sich dem Bösen auszuliefern. Wer die Chancen, die es gibt, ausloten will, geht nicht den einfachen Weg. Er ist spannend und fordert uns. Doch es ist angemessen, dass wir uns nicht zu Richterinnen und Rächern unseres Gegenübers machen, wie wir in Vers 19 lesen: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“‘

Will man Böses überwinden, müssen Menschen bisweilen sich selbst und ihren Drang bezwingen. In der Psychologischen Beratungsstelle in Ulm berät die Diakonie Menschen, die in ihren Beziehungen übergriffig und gewaltbereit waren. Sie wollen und müssen ihr Verhalten ändern. Einfach ist das nicht und Rückschläge gehören dazu. In der Gruppe und allein, unterstützt von einer Psychologin und einem Sozialpädagogen üben sie neues Verhalten ein. Ein mühsamer Weg, aber lohnend für alle, also für Täter und Opfer. Deshalb heißt das Projekt auch „Opferschutz durch Täterarbeit“. Wir sind dankbar, dass wir gerade als kirchliche Einrichtung einen kleinen Beitrag leisten können, Gewalt zu überwinden, und Menschen neue Chancen zu geben. Ganz im Sinne Jesu.

Diesen Weg zu gehen, den Paulus uns vorzeichnet, ist herausfordernd. Aber es ist der Weg unseres Herrn Jesus Christus, nach dem wir uns Christinnen und Christen nennen.

Um auf diesem Weg vorwärts zu kommen, brauchen wir Gottes Beistand. Er schenke uns, was wir für das Überwinden brauchen: Mut, neue Wege zu gehen. Und ­Menschen, die mitmachen. Seinen Geist, der unsere Phantasie beflügelt und Geistesgegenwart, damit wir nicht ­immer wieder in die Streit- und Rachefalle tappen.



Gebet
Herr, hilf mir, dass ich vorwärts schaue und nicht über Vergangenes klage.
Hilf mir, dass ich das Gute sehe,
das ich tun kann,
die Hilfe, die ich anbieten kann,
die Liebe, die ich zu schenken vermag.
Herr, hilf mir, dass ich gebe und mich verschenke,
dass ich aufbreche in ein erneuertes Leben.



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