Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unabhängig und in kritischer Loyalität - Evangelische Publizistik

Evangelische Publizistik soll auch ein Korrektiv für die Kirche und ihr Handeln sein. Diesem Auftrag sind das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg und die anderen Redaktionen des Evangelischen Medienhauses verpflichtet.

Tobias Glawion ist seit 2018 Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg sowie der Hörfunk-, Online- und Multimedia-Redaktionen des Evangelischen Medienhauses. Foto: RedaktionTobias Glawion ist seit 2018 Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg sowie der Hörfunk-, Online- und Multimedia-Redaktionen des Evangelischen Medienhauses. Foto: Redaktion

Eine freie und unabhängige Presse hat in jeder Demokratie eine zentrale und unersetzliche Aufgabe. Aus gutem Grund sind die Freiheit der Presse und die unzensierte Berichterstattung ein wichtiger Ankerpunkt in unserem Grundgesetz, Artikel 5: „Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Als Kontrollinstanz übernehmen die Medien in Staat und Gesellschaft auf diese Weise eine wichtige Rolle und tragen gleichzeitig zur allgemeinen Meinungsbildung bei. Der Grad der Pressefreiheit steht deshalb für viele zu Recht als Indikator für den demokratischen Gesundheitsstatus einer Gesellschaft.

Gleiches gilt für den Gesundheitsstatus der Kirche als Teil unserer demokratischen Ordnung. Die evangelische Publizistik der Nachkriegszeit ist entstanden aus der historischen Erkenntnis, dass ein freier, kritischer Journalismus – ganz im Sinne Luthers und der Reformation – ein wichtiges Korrektiv auch für die Kirche und ihr Handeln ist. Die evangelische Publizistik ist damit Teil protestantischer Freiheit und versteht sich selbst – frei nach Robert Geisendörfer, dem Wegbereiter evangelischer Publizistik – als „wichtige Lebensäußerung der Kirche“. Sie begleitet die Kirche wohlwollend und ihre Institutionen gewollt auch kritisch, indem sie zum Diskurs anregt und somit zum unverzichtbaren Begleiter kirchlicher Arbeit wird.

Das Evangelische Gemeindeblatt  -  Kritisch zum Diskurs anregen

Das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg ist mit seinen rund 120 000 Leserinnen und Lesern nicht nur die erfolgreichste evangelische Kirchenzeitung bundesweit, sondern steht von Anbeginn in dieser Tradition eines unabhängigen und freien Journalismus. Daran hat auch die 2019 vollzogene Einbindung in die Evangelische Medienhaus GmbH, deren einzige Gesellschafterin die Landeskirche ist, nichts geändert.

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Ganz im Gegenteil, denn auch die bereits dort vorhandenen Hörfunk-, Online- und Multimedia-Redaktionen standen und stehen weiter für eine freie und unabhängige Berichterstattung. Ebenso wenig wie Angela Merkel morgens bei der „Bild“-Zeitung oder der „Tagesschau“ anrufen kann, um festzulegen, worüber, wann, wie berichtet werden soll, gibt es ein direktes Einwirken der Kirchenleitung auf die journalistischen Redaktionen im Medienhaus.

Genau hier liegt der kleine, aber feine Unterschied zur klassischen Öffentlichkeitsarbeit, wie sie zum Beispiel die Pressestelle der Landeskirche verfolgt: Öffentlichkeitsarbeit und Publizistik nutzen zwar beide das gleiche kommunikative Handwerkszeug. Trotz ihres professionellen Umgangs mit Sprache und Kommunikation handelt es sich bei der Öffentlichkeitsarbeit, anders als beim Journalismus, aber nicht um unabhängige Berichterstattung. Pressesprecher werden damit beauftragt, das Anliegen ihres Auftraggebers besonders gut darzustellen.

Foto: Markus Winkler, pixabayFoto: Markus Winkler, pixabay

Journalismus, wie ihn das Evangelische Gemeindeblatt aus Überzeugung betreibt, will hingegen objektiv, im Zweifel auch kritisch berichten und alle Seiten beleuchten, so dass Sie sich als Leserinnen und Leser ein eigenes Bild machen und eine eigene Meinung bilden können. Als unabhängigen Journalisten ist es unser Anliegen, die Kirche und ihre Themen ins öffentliche Gespräch zu bringen und damit dem öffentlichen Diskurs zu dienen. Gerade deshalb verstehen wir uns nicht als Sprachrohr offizieller kirchlicher Interessen.

Dafür stehen wir alle in den Redaktionen des Medienhauses mit unseren Namen. Wir sorgen immer wieder dafür, dass dank freiem und unabhängigem Journalismus auch der demokratische Gesundheitsstatus der Landeskirche unbelastet bleibt. □