Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unerwartete Hoffnung - Impuls zur Predigt

Lukas 1,74.76.79 Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest […] dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht […] auf dass [das aufgehende Licht aus der Höhe] erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 

Unerwartete Hoffnung

Impuls zum Predigttext für den 3. Advent: Lukas 1,67-79.

Von Thorsten Kisser

Thorsten Kisser ist Pfarrer in Bolheim. Foto: Privat

Seit einigen Tagen geht mir der Mann nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe ihn im Fernsehen gesehen. Ein Reporter hat ihn auf der Straße angesprochen. Der Mann trägt Schnauzer, Glatze und hat Nacken- sowie Oberarmmuskulatur wie aus Stahl. Irgendwie sieht er aus wie „Meister Propper“, nur ganz schön gealtert. Ich schätze ihn auf Mitte 60. Er spricht ganz ruhig und gelassen – ein Muskelpaket mit Seelenruhe.

Von außen wirkt er auf mich angsteinflößend – von innen spricht da eine wohltuende Wärme. Er war mehrere Jahrzehnte Berufssoldat, hat seinen Sold auf die Hohe Kante gelegt, sich dann zur Ruhe gesetzt. Das war sein Ziel. Dann kam der Krebs – im Enddarm. Mit dem Tod hat er gekämpft und irgendwie überlebt. Er wird still, dann erzählt er weiter. Überraschend ging sein Geld an der Börse verloren. Bei „Null“ hat er wieder angefangen, hier im Kiez. Wie er das alles geschafft hat? Seine Augen werden rot und Tränen kullern: „Mein Partner war immer für mich da. Der hat mich nie fallen lassen.“

Dieser Mann hat vollkommen unerwartete Wendungen erlebt. Zum Schlechten, aber auch zum Guten. Deshalb nenne ich diesen Mann „Zacharias“. Seine Füße, die gehen für mich auf dem „Weg des Friedens“. Der Mann erzählt, wie das ist, aus „der Hand unserer Feinde“ erlöst zu werden. In seinem Fall war es der Krebs, die Einsamkeit, die Abhängigkeit von scheinbarer Sicherheit und der Versuch, dem Leben ein eigenes Ziel zu setzen. Ganz unten, da hat ihn himmlisches Vertrauen gerettet – mitten im Kiez.

Zu Beginn des Lukas-Evangeliums, da singt der biblische Zacharias in den hellsten Tönen Loblieder auf Gott. Tief im Herzen jubeln Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Bei den Armen und Schwachen vibriert Gottes Stimme. Gottes Licht, das geht zwar aus „der Höhe“ auf, leuchtet ganz tief ins Leben. Mich bewegt dieser „heruntergekommene Gott“. Er hält sich nicht an innerweltliche Gleichungen und Sätze menschlicher Logik. Dort wo für uns eigentlich alles klar und damit oft auch „verloren“ scheint, da kommt sein Heiliger Geist erst richtig in Fahrt. Als Gott dem biblischen Zacharias begegnet, da wird dieser erst mal sprachlos. Seine Stimme stammelt noch skeptisch: „Ich bin alt und meine Frau ist betagt.“ Wie soll das gehen, dass meine Frau schwanger ist? Danach kommt das Schweigen. Und später, als dem betagten Paar ein Sohn geboren wird, da kommt Zacharias ins Loben. Er besingt Gott, der dem Leben des Zacharias eine neue Wendung gegeben hat.

Hoffnung und Himmlisches Vertrauen

In manchen Bereichen komme ich mir auch wie ein „Zacharias“ vor: Als Kind habe ich nie groß zu Singen gelernt. Bis ins Vikariat war mir das unangenehm und peinlich. Mit Mut und guten Begleitern habe ich mich immer mehr herangewagt. Auf dem Friedhof schaffe ich inzwischen auch „Meine Hoffnung und meine Freude“. Solo. Manchmal macht mir das Singen inzwischen sogar richtig Freude. Und in der Lockdown-Stille fehlt es mir. Und während des November-Lockdowns waren bei mir auf einmal die hellen und tiefen Töne da. Also habe ich gesungen. Abends, beim Abschließen der Kirche, kommen mir jetzt manchmal Lieder in den Sinn. Ein bisschen, als ob mir Gott abends eine Stimme für meinen Tag, vielleicht auch mein Leben, gibt. Dann singe ich. Ganz für mich und gleichzeitig auch ganz mit meinem Gott. Das fühlt sich unglaublich geborgen an. Da schwingt dann Hoffnung und tiefes Vertrauen mit.

Kerze. Herz. Foto: Rike/pixelioFoto: Rike/pixelio

Gebet

Christus, unablässig suchst du jeden, der nach dir sucht und sich fern von dir glaubt.

Mach uns bereit, jederzeit unser Leben in deine Hände zu legen.

Während wir dich noch suchen, hast du uns schon gefunden.

Amen.

 

Thorsten Kisser ist Pfarrer in Bolheim.