Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ungenießbar!? - Impuls zur Predigt

Offenbarung 3,14-22 (in Auszügen) Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe mehr als genug und brauche nichts!, und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.

Ungenießbar!?

Impuls für Sonntag, den 1. Advent: Offenbarung 3,14-22.

Von Martin Burger

Martin Burger ist Pfarrer in Freiberg am Neckar, Dekanat Ludwigsburg. Foto: Privat

Ich bin in einem Restaurant. Das Essen ist bestellt, es dauert ewig, bis es endlich an den Tisch gebracht wird. Ich nehme den ersten Bissen und verziehe das Gesicht – es ist lauwarm. Für mich so nicht genießbar. Was soll ich machen? Es einfach aufessen? Nein, damit tue ich mir keinen Gefallen. Also rufe ich den Kellner an den Tisch, sage ihm, dass das Essen lauwarm ist. Er schaut mich an und meint, dass sie wegen Personalmangels Stress hätten und das schon mal passieren könne. Er nimmt meinen Teller mit und wenig später bekomme ich ein neues Essen – nicht aufgewärmt, sondern richtig schön heiß zum Genießen. Und – der Kellner bedankt sich, weil ich gleich etwas gesagt habe. Denn oft sagen die Gäste nichts, sind aber verärgert, zahlen und kommen nie wieder. Für beide Seiten ist es also hilfreich, etwas zu sagen, selbst wenn es in dem Moment vielleicht unangenehm ist.

Martin Burger ist Pfarrer in Freiberg am Neckar, Dekanat Ludwigsburg. Foto: PrivatDie Worte, die wir in Offenbarung 3 lesen, sind so richtig unangenehm. Und zwar für die christliche Gemeinde in Laodicea. Da legt jemand den Finger in die Wunde, sagt das, was im Argen liegt. Es ist nicht irgendjemand – es ist Christus selbst. Der, der „Amen“ heißt, der für die Wahrheit steht, die Zuverlässigkeit höchstpersönlich. Der treue und wahrhaftige Zeuge. Und dieser Zeuge konfrontiert die Gemeinde in Laodicea mit ihren Missständen. Er will der Gemeinde die Augen öffnen, sie zur Umkehr aufrufen. Denn die Menschen dort haben sich blenden lassen angesichts des hervorragenden Rufes von Laodicea. In römischer Zeit war die Stadt ein blühendes Handelszentrum und der wirtschaftliche Mittelpunkt Phrygiens, das für sein Bankwesen, die Wollindustrie, eine Ärzteschule und die Herstellung medizinischer Produkte bekannt war. Die Stadt war so reich, dass sie nach einem verheerenden Erdbeben im Jahr 60/61 nach Christus ohne Hilfe von außen wiederaufgebaut werden konnte.

Weder heiß noch kalt

Die christliche Gemeinde scheint sich im Wohlstand eingerichtet zu haben. Doch sie merkt nicht, worauf es wirklich ankommt, Merkt nicht, dass sie im Laufe der Zeit „lauwarm“ geworden ist – weder kalt noch warm, ungenießbar. Es sind eindringliche Bilder, die die Menschen vor Augen geführt bekommen. Da ist einer, der ruft und ermahnt, der um die Gemeinde ringt. Nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern mit der Einladung, sich wieder dem mit brennendem Herzen zuzuwenden, um den es geht. Einer, der es nicht ertragen kann, dass die Liebe nicht auf Gegenseitigkeit beruht.

Einer, auf den wir auch im Advent warten, der auch uns meint und uns so kennt, wie wir wirklich sind. Mit allem, was im Argen liegt. Was weder heiß noch kalt ist. So kann der Advent zu der Zeit werden, die sie ist: eine Zeit der Umkehr. Eine Zeit, sich mit dem Herzen dem Kind zuzuwenden, das da kommt. Von dem auch in dem Lied „Macht hoch die Tür“ gesungen wird: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit, den Weg zur ewgen Seligkeit“.

Advent. Kerze. Foto: pixabay/CongerdesignFoto: pixabay/Congerdesign

Gebet

Guter Gott, du schenkst uns den Advent.

Du schenkst den Anfang, du wirst alles vollenden.

Nimm von uns alle Trägheit des Herzens, dass wir mit wachem Herzen und Freude Jesus Christus erwarten.

Hilf uns zu Taten der Liebe, der Gerechtigkeit und Versöhnung, um seine Ankunft vorzubereiten.

Amen.