Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unrecht bereuen - Impuls zur Predigt

2. Samuel 12,1-15 (in Auszügen) Und der Herr sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, sondern er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der Herr lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat. Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann!

Unrecht bereuen

Zum 11. Sonntag nach Trinitatis: 2. Samuel 12,1-15.

Von Elke Dangelmaier-Vinçon

Elke Dangelmaier-Vinçon ist Dekanin in Stuttgart- Zuffenhausen.

Egoisten, Machtmenschen, Tyrannen, Diktatoren. In den Medien blicken sie uns aus allen möglichen Weltgegenden entgegen und leider sieht es gerade wirklich nicht so aus, als entwickle sich die Welt zum Besseren. Mit Gewalt und Lügen setzen diese Machthaber eigene Interessen durch oder die angeblichen Interessen des Volkes. Nebenbei füllen sie sich und ihren Cliquen die Taschen. Wer kann ihnen Einhalt gebieten? Wer weist sie in die Schranken?

Direkt zu widersprechen ist gefährlich. Wer es wagt, riskiert Strafen oder sogar sein Leben. Das bekommen die mutigen Menschen, die zu Protesten auf die Straßen gehen, zu spüren. Sie werden niedergeknüppelt, eingesperrt oder erschossen, wie in Hongkong. Kritische Personen aus dem inneren Machtzirkel fallen in Ungnade, werden verbannt oder gar umgebracht, wie in Nordkorea. Sollte man also besser den Machtmenschen das Feld überlassen? Den Kopf einziehen und sich unsichtbar machen?

Die Bibel macht Mut

Die Bibel macht Mut, denn sie kennt einen anderen Weg. Das zweite Samuelbuch erzählt davon, dass König David unbedingt Bathseba, die Frau seines Untergebenen Uria, haben wollte. Er schreckte nicht davor zurück, Uria töten zu lassen. Als König, so war er überzeugt, könne er über alle und alles verfügen. Doch David hat die Rechnung ohne Gott gemacht. Gott schaut nicht weg, wenn Mächtige ihre Macht missbrauchen und über Leichen gehen, um zu bekommen, was sie wollen.

Gott schickt Nathan zu David. Nathan ist ein erfahrener Prophet, der um den Jähzorn der Mächtigen weiß. So verpackt er seine Botschaft in eine Geschichte. Für David, der als König auch Recht zu sprechen hat, ist der Fall klar: Todesstrafe für den Reichen und Schadensersatz für den Armen, basta. So darf man nicht miteinander umgehen! Da hält Nathan mit einem einzigen Satz David den Spiegel vor: „Du bist der Mann!“ David hat sich soeben selbst das Urteil gesprochen.

Wie leicht ist es, über andere zu urteilen? Genau zu sehen, was sie falsch machen, und zu erkennen, was daraus folgen muss. Wie viel schwerer ist es, gesagt zu bekommen: „Du bist es“? David erkennt sein Unrecht und bereut es. Ohne Ausreden, ohne Verschleierung, gesteht er sein falsches Handeln. Gott lässt sich umstimmen. David bekommt noch einmal eine Chance. Er darf weiterleben, obwohl er das Urteil über sich selbst schon gefällt hatte.

Ich hoffe, dass uns allen, Tyrannen und Normalen, immer wieder ein Nathan (oder eine Prophetin) geschickt wird, der (die) uns die Augen öffnet und uns wieder zu Gott zurückbringt. Und ich hoffe, dass wir alle, Tyrannen und Normale, die Größe Davids haben, Fehler einzugestehen.

Gebet

Unser Gott, wie leicht fällt es uns, über andere zu urteilen. Wir wissen, was recht und was unrecht ist ‒ bei den anderen. Öffne uns die Augen für die Urteile, die wir damit über uns selbst sprechen, und lass uns umkehren.
Amen.