Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unsere begrenzte Sicht - Impuls zur Predigt

Matthäus 11,25.28-29  Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des ­Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 

Unsere begrenzte Sicht

Impuls für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 11,25-30.

Von Friedrich Langsam

 

Friedrich Langsam ist Dekan im Kirchenbezirk Ravensburg.

 

Wie können wir unsere Erfahrungen verstehen und wie sollten wir auf sie reagieren? Jesu Aufforderung „Lernt von mir“ zeigt einen Weg, der uns zum Erkennen und zu angemessener Antwort helfen kann. Eine schmerzliche Erfahrung geht unserem Abschnitt voraus: Jesu Weheruf über galiläische Städte. Seine Worte finden kein Gehör. Sein Ruf nach Umkehr verhallt. Vor diesem Hintergrund berichtet Matthäus. Wir werden Zeuge, wie Jesus mit dieser vom Misserfolg geprägten Situation umgeht und darauf antwortet.

Was läge jetzt näher als Frust und Resignation? Doch Jesus beginnt, Gott zu loben. Damit verdrängt er das Scheitern nicht. Er überspielt nicht den Schmerz, verkannt und abgelehnt zu werden. Wie lässt sich das verstehen? Hier zeigt sich ein geistliches Geheimnis. Es wird möglich, weil Jesus dieses Scheitern nicht isoliert betrachtet und nicht an seinem Wirken festmacht. Er erkennt darin Gottes Handeln. Er sieht darin seinen Vater am Werk.

Damit nimmt sich Jesus mit seiner Person, mit seinem Willen und Urteil ganz zurück. Er stellt sich hinein in den großen Heilsplan Gottes. Was ihm widerfährt, lässt er sich gefallen und nimmt auch die enttäuschenden Erfahrungen aus des Vaters Hand. Wenn Gott der Herr allen Geschehens ist, dann ist es er selbst, der den Klugen und Weisen die Einsicht verstellt und sie den Unmündigen eröffnet. So hat es ihm wohlgefallen.

Aber regt sich da nicht Widerspruch? Sollte Gott Bildung und Gelehrsamkeit ablehnen? Und ist Gottes Handeln nicht willkürlich, ja ungerecht, wenn er den einen verwehrt, was er den andern gewährt?

Sollte das, was passiert, wirklich göttliche Willkür sein? Stehen wir uns nicht vielmehr selbst im Wege, wo wir auf uns und unsere begrenzte Einsicht vertrauen und sie zum Maßstab nehmen? Laufen wir nicht selbst Gefahr, uns zu übernehmen, wenn wir meinen, wir könnten Gott mit unserer Klugheit fassen, als hätten wir Einsicht in den Lauf der Dinge, als könnten wir aus uns Ereignisse und Erfahrungen definitiv deuten? Nein. Denn den Unmündigen wird es geschenkt, denen, die am Munde Gottes hängen.

Eine solche Haltung erkennen wir an Jesus. Er sieht alles von Gottes Herrschaft her. Er lässt sich gefallen, was ihm vom Vater widerfährt. Darin erweist sich seine Demut. Und seine Sanftmut zeigt sich in der Antwort auf die ablehnende Erfahrung. Es ist eine Einladung. Sie schließt keinen aus. Ja, sie gilt besonders all denen, die unter dem Zwang stehen, selbst für das Gelingen ihres Lebens sorgen zu müssen. Denen, die unter Druck und in Spannung leben, alles im Blick und alles im Griff haben zu müssen. Solchen, die mit Anstrengung und Mühe ihr Glück erzwingen wollen und dabei sind, sich mit alldem zu übernehmen. Gehören wir nicht zuweilen auch zu ihnen?

Mit seiner Antwort weist Jesus auf den, der alles schenken kann – und will. Im Vertrauen auf ihn werden uns die Lasten abgenommen. Es hängt nicht länger alles an uns. So finden wir Ruhe für Leib und Seele und können auch da, wo alles anders kommt, Gott loben.


 

Gebet

Herr, bewahre uns vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glattgehen. Schenke uns die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Ängste eine oft selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, wodurch wir wachsen und reifen. Halte uns fest, wenn wir versucht sind, verbittert zu werden. Sei bei uns und stehe uns bei, wenn wir nicht mehr weiterwissen.
Communität Casteller Ring







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