Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unter dem Schirm der Ökumene

ÖHRINGEN – Inmitten farbenprächtiger Sinneserfahrungen lädt das Gelände der Kirchen auf der Landesgartenschau dazu ein, Kraft zu schöpfen und eine kurze Auszeit von den vielen Eindrücken zu nehmen. Auch die ehrenamtlichen Helfer der Kirchengemeinde haben große Freude an den Angeboten, die in ökumenischer Zusammenarbeit entstanden sind. 

Vor allem während der Ferienzeit war der Ansturm auf die Landesgartenschau groß. 
Foto: Andreas Veigel

Meterlang sind die Menschenschlangen, die sich an diesem sonnigen Vormittag an den Kassenhäuschen gebildet haben. Es ist Ferienzeit, viele Besucher pilgern durch den Hofgarten, ausgestattet mit Rucksack und Lageplan und bestaunen die blütenreichen Parkanlagen. Auf dem Kinderspielplatz im Schlosspark herrscht Hochbetrieb, auch in die Blumenausstellung im Schloss drängen die Besucher. Kunstvoll gestaltete Arrangements mit Gräsern und Blumen sorgen dort, in dem feucht-warmen Gemäuer, für bewundernde Kommentare.

Einige hundert Meter weiter tummelt sich eine wachsende Anzahl von Kindern auf den Steinen in der Ohrn. Der Fluss, der sich durch den Cappelrain zieht, wurde für die Landesgartenschau renaturiert. Auch rund um den Kletterturm geht es lebhaft zu, zahlreiche Kinder und Jugendliche haben die Leitern und Hängebrücken in Beschlag genommen.

Noch weiter hinten, auf der Cappelaue mit der Limeshecke, liegt das Gelände der Kirchen. In der sengenden Mittagssonne haben sich einige Besucher unter dem weißen Sonnenschirmen im Schatten versammelt. Die meisten von ihnen warten darauf, dass die 15-Uhr-Andacht beginnt. So wie Monika Tutzschke, die aus Brandenburg kommt und zu Besuch bei Freunden in Öhringen ist. „Da konnte ich mir die Landesgartenschau nicht entgehen lassen“, sagt sie. Das Gelände der Kirchen hat die Frau eines Pfarrers im Ruhestand ganz bewusst angesteuert.

Ähnlich ergeht es Ingeborg Osborn, die aus dem Kirchenbezirk Crailsheim kommt. „Ich freue mich, dass es für Christen wie mich hier eine feste Anlaufstelle gibt“, sagt sie. „Für mich ist die Station hier wie eine kleine Oase.“ Auch sie freut sich auf die ökumenische Kurzandacht, die an diesem Nachmittag von Günther Mannhardt gehalten wird. Der Pastor im Ruhestand der Heilbronner Liebenzeller Mission hat einen großen weiß-grünen Schirm aufgespannt und begrüßt die rund 40 Besucher, die inzwischen auf den Holzbänken Platz genommen haben. Nach einer kurzen Einführung singen alle gemeinsam Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz und suche Freud“, und Mannhardt predigt über die Zuflucht unter „den Schirm Gottes“.

20 Minuten dauert der Kurzgottesdienst, der seit April auf dem Gelände der Kirchen täglich stattfindet und noch kein einziges Mal ausgefallen ist, wie Hans-Peter Hilligardt stolz bestätigt. „Auch bei schlechtem Wetter waren hier immer bis zu 80 Leute zu Besuch.“ Der Öhringer Diakon ist an diesem Tag gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern aus dem „Kreuz + mehr“-Team zwischen den Holzstelen als Ansprechpartner für die Besucher unterwegs. „Die Landesgartenschau hat unsere Ökumene um zehn Jahre voran gebracht“, sagt er überzeugt. Fast 400 ehrenamtliche Mitarbeiter aus den verschiedenen Kirchengemeinden hätten sich an den Vorbereitungen zur Landesgartenschau beteiligt, viele davon Interesse an weiterem Engagement in der Gemeinde bekundet. „Wir haben von- und miteinander gelernt, immer das gemeinsame Ziel vor Augen.“

Ähnlich äußert sich Anita Bareis, die, wie alle Helfer, mit einem leuchtend grünen Poloshirt bekleidet auf dem Kirchengelände unterwegs ist. „Wir haben gestaunt, was für Gaben wir haben und was für Kräfte freigesetzt wurden“, sagt sie. Zusammen mit Kollegen aus der ökumenischen Steuerungsgruppe lädt sie große und kleine Besucher dazu ein, biblische Geschichten „hautnah zu erleben“. An diesem Nachmittag steht der barmherzige Samariter im Mittelpunkt. „Einer liest die Geschichte vor, danach sucht jeder sich eine Rolle aus, die er spielen möchte“, erklärt Bareis. Verkleidungen und einen Esel als Steckenpferd haben die Mitarbeiter dafür bereit gestellt.

Einige Meter weiter lädt ein Besinnungsweg dazu ein, an sieben Stationen der Heilungsgeschichte Jesu nachzuspüren. Einzelne Menschen bewegen sich vorsichtig zwischen Holzstelen vorwärts, gehen an der dritten Station einige Schritte durch den verdunkelten Gang. An einigen Stämmen hängen bunte Brillen, die dazu einladen, „die Welt neu, mit einem liebenden Blick zu betrachten“. Auf anderen sind Tafeln mit den Zehn Geboten angebracht. Dazu können die Besucher mit Stiften ihre Gedanken notieren. „Neid ist die Wurzel allen Übels“ steht etwa unter dem Zehnten Gebot. Oder „Weil es eine Straftat und nichts Gutes ist“ unter dem Siebten Gebot. Auch einen Gebetsstamm gibt es, an dem kleine Karten mit persönlichen Wünschen und Dankesworten stecken. Am Kerzenstamm können Teelichter zum persönlichen Gebet entzündet werden.

Dass der Freiraum des Geländes, der von den Holzstämmen umringt ist, die Form eines Kreuzes hat, entdecken viele der Besucher erst beim Blick auf die Flyer-Skizzen. Die meisten konzentrieren sich auf die einzelnen Stationen und ihre Details, wie etwa den auffällig bunten Webteppich, der einen Teil der Stelen schmückt, oder auf das zwischen den Stämmen geflochtene „stabile Netz“.
Einige hunderte Menschen sind es, so schätzt Anita Bareis, die täglich auf dem Gelände der Kirchen vorbei schauen. Für sie ist es ein schönes Bild, das die Kirche mit dieser Oase der Ruhe vermittelt: „Für viele Besucher ist unser Gelände ein Ort, an dem sie ankommen und Kraft schöpfen können“, sagt sie. „Auch bei Regenwetter.“ ¦


Information

Die Landesgartenschau Öhringen ist noch bis 9. Oktober zu sehen. Mehr dazu im Internet unter www.laga2016.de und www.kreuzundmehr.de