Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unverzichtbarer Alleskönner - Das Handy - "Klimafasten" (Teil 4)

Acht junge Frauen wagten ein Experiment: Eine Woche lang haben sie bewusst eingekauft, sind zu Fuß, mit dem Rad und der Bahn unterwegs gewesen. Sie haben auf Plastikmüll weitestgehend verzichtet ? und auf ihre Handys. Darüber haben sie auch einen Film gedreht. 

Liebenzeller Mission WG

Debora (links), Felicitas (liegend) und Lisa (Mitte) haben mit ihrer WG eine Woche nachhaltig gelebt.
(Foto: Liebenzeller Mission)

Die Idee kam aus der Verwaltung der Liebenzeller Mission: Studentinnen und Studenten der Internationalen Hochschule Liebenzell oder der Interkulturellen Theologischen Akademie konnten sich bewerben für eine „Nachhaltigkeits-Challenge“, eine Herausforderung also in Sachen umweltbewusstes Leben. Die einzelnen Aufgaben dazu durften sie sich selbst stellen; es sollte eben nachhaltig sein. Eine Woche lang sollten sie den Testlauf in ihrer Wohngemeinschaft machen und darüber auch einen kleinen Film drehen. „Als ich davon hörte, war ich total begeistert“, berichtet Lisa Strobel-Vogt. Sie überzeugte ihre sieben Mitbewohnerinnen davon, mitzumachen.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Felicitas Neudegger fand den Verzicht auf das Handy besonders schlimm, obwohl die 22-Jährige das mobile Telefon vor allem zum Telefonieren benutzt – anders als Gleichaltrige. „Ich verspäte mich sehr oft. Und dann ist es einfach gut, kurz Bescheid geben zu können“, sagt sie und lacht verschmitzt.

„Oft wird ja gesagt, dass die Jugend aufgeschmissen ist ohne Handy. Naja. Ich habe halt alle meine Termine im Handy. Dafür ist das Gerät einfach sehr wichtig“, beschreibt es Lisa Strobel-Vogt.

Ihre Mitbewohnerin Debora Laffin hatte sich für die Testwoche in besonderer Weise vorbereitet. Normalerweise werden Treffen mit den Mitarbeiterteams von Jungschar oder Teenkreis über den Nachrichtendienst Whatsapp koordiniert. Debora Laffin hatte im Vorfeld der Versuchswoche kurzerhand alle Termine in die darauffolgende Woche verschoben. „So war ich ganz entspannt.“

Handy: Wecker - Bibel - Wörterbuch - ...

Aufgefallen ist ihnen, wie häufig sie im Alltag auf das Mobiltelefon schauen. Ob es nun Nachrichten sind von Freunden und Bekannten, ein kleiner Blick auf die Uhr, das Wetter, oder auch die Landkarte: Das Mobiltelefon ist für sie weit mehr als nur ein Telefon. Es ist auch Wecker, Wörterbuch, Bibel. Es hilft bei kurzen Absprachen darüber, wo man sich gleich trifft oder eben, dass man sich kurz verspäten wird.

Aufs Handy dauerhaft zu verzichten, das können sie sich alle drei nicht vorstellen. Dazu ist dieses kleine Gerät schon viel zu sehr mit dem normalen Alltag verknüpft. Aber sie haben sich vorgenommen, nicht mehr ständig auf das Display zu schauen. „Man hat so viel mehr Zeit ‚übrig‘“, meint etwa ­Felicitas Neudegger. „Da stehe ich ­einfach hier und warte.“ Sich einfach mal zu langweilen, ganz bewusst die Gedanken schweifen lassen. Das ist eine Erfahrung, die sie nicht missen will. Die 20-jährige Lisa Strobel-Vogt hat festgestellt, dass sie weniger abgelenkt war in der Woche. Sie konnte sich besser auf ihr Gegenüber fokussieren, oder auch aufs Studium.

Das Handy bleibt in der Tasche

Wenn sie sich mit Freunden treffen, bleiben ihre Handys normalerweise in der Tasche. Oft sogar sind sie auf lautlos gestellt. Maximal um ein Foto zu machen, wird es herausgeholt. „Das ist doch nicht schön, wenn ich mich mit jemandem treffe, und jeder guckt nur aufs Handy“, sagt zum Beispiel Lisa Strobel-Vogt. Das Mobiltelefon habe sehr viele praktische Funktionen. Aber wenn persönliche Begegnungen darunter leiden, dann sei das eben gar nicht gut.

Nachrichtendienste auf dem Handy können stressen

Sie haben sich unterschiedliche Strategien zurechtgelegt, wie sie mit der Flut an Nachrichten umgehen. Felicitas Neudegger hat zum Beispiel den Nachrichtendienst Whatsapp nicht installiert. Da sorgen sich eher die anderen aus der WG darum, ob sie auch alle Absprachen mitbekommt – wie „heute ist WG-Abend“. Aber für Felicitas Neudegger ist das überhaupt kein Problem. „Ich vertraue einfach darauf, dass ich das, was für mich wichtig ist, auch mitbekomme“, sagt sie. Und sie ergänzt, dass es ihr auch manche Entscheidung abnimmt, nicht über alles informiert zu sein: „Wenn es dann heißt, dort ist ein Filmabend, da gibt es Pizza, hier ist nochmal etwas anderes“ – da müsste sie ja bestimmen, wohin sie geht. Wie viel einfacher sei es da, erst im Nachhinein zu erfahren, was sie vermeintlich verpasst hat. Und es werde in den sozialen Medien auch viel Unnötiges diskutiert, meint sie.

Das empfindet Debora Laffin als Stärke. „Man hat Whatsapp doch meistens, weil man Angst davor hat, irgendetwas zu verpassen“, sagt die 26-Jährige. „Ja, aber mich hat das mehr gestresst, als gut war“, antwortet Felicitas Neudegger.

Debora Laffin macht öfter mal den bewussten Schnitt. Sie lässt das Handy zu Hause, im Urlaub nutzt sie es nur zum Fotografieren. Lisa Strobel-Vogt hat festgestellt, dass sie manchmal nur schnell etwas schauen will – „und plötzlich sind zwei Stunden um“. Da helfe es, sich immer mal wieder dessen bewusst zu werden, was man da gerade tut. „Und sich vorzunehmen, nur dreimal am Tag drauf zu schauen: morgens, mittags und abends“, wirft Felicitas Neudegger in die Runde.

Einen Fernseher haben sie in ihrer Wohngemeinschaft übrigens nicht. Zwar gebe es Wohngemeinschaften mit einem Bildschirm, über den man gezielt Filme schauen könne, aber ansonsten kommen sie auch gut ohne Fernsehen klar.

Laptop - unverzichtbar

Auf den Laptop allerdings können sie nicht verzichten. In ihrer Versuchswoche haben sie den immer genutzt. „Das ginge gar nicht anders, wir brauchen den ja fürs Studium“, sagen sie unisono. Sei es zum Mitschreiben im Unterricht, sei es, weil sie irgendetwas im Internet nachschauen müssen. Zwar gibt es auch eine Bibliothek, aber das Internet ist manchmal einfach schneller. Und natürlich kämen auch viele Informationen zum Studium per E-Mail an die Studierenden. Ganz ohne wird es also auch in Zukunft nicht gehen. Aber was bleibt von der Woche im Herbst?

Bewusstere Handynutzung

Die Handy-Nutzung ist nicht unbedingt weniger geworden, meinen sie. Aber sie nutzen es jetzt bewusster. Und schauen nicht mehr ständig nach, ob sie eine neue Nachricht erhalten haben. Aus ihrem Alltag wegdenken können sie das Mobiltelefon jedenfalls nicht. Dazu kann es einfach viel zu viele praktische Dinge. Da ist es nur eine kleine Ironie am Rande, dass sie in der Versuchswoche durch Pforzheim liefen und nach dem Weg zum Unverpackt-Laden fragten: Die Passantin zeigte ihnen den Weg, indem sie ihr Handy zückte. „Das war irgendwie lustig“, finden die drei.

Der Film im Internet: www.liebenzell.tv/nachhaltigkeit

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen