Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verantwortung übernehmen - Trotz Unterdrücker und Tyrannen

Welche Kraft hat das Gewissen? Was macht die Todesstrafe mit denen, die sie vollstrecken? Davon erzählt der iranische Film „Es gibt kein Böses“. Bei den Berliner Filmfestspielen hat er den Preis der Ökumenischen Jury und den Goldenen Bären als bester Film gewonnen. Auch der deutsche Film „Undine“ erzählt von dem Bemühen, menschlich zu handeln.

Baran Rasoulof empfängt den goldenen Bären für ihren Vater Mahammad Rasoulof,

Mohammad Rasoulof (auf dem kleinen ­Bildschirm) durfte nicht nach Berlin kommen. Seine Tochter Baran nahm den Goldenen Bären für ihn entgegen.(Foto: Piero Chiussi/Berlinale 2020)

Heshmat fährt von der Arbeit nach Hause. Die Kamera begleitet den 40-Jährigen, der die Katze einer Nachbarin rettet, seine Frau und seine Tochter abholt, mit ihnen einkaufen geht und sich um seine Mutter kümmert. Ein stiller Mann. Nachts steht er auf und kehrt zurück zur Arbeit. Er wäscht sich die Hände, kocht Tee, blickt durch eine Luke und drückt einen Knopf. Heshmat ist ein Henker.

Dies ist eine von vier Episoden des Films „Sheytan vojud nadarad“, auf Deutsch „Es gibt kein Böses“, den der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof gedreht hat. Der Film lief im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele und gewann den Goldenen Bären als bester Film.

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Auch die Ökumenische Jury zeichnete ihn aus. Die sechs Jurorinnen und Juroren begründen ihre Entscheidung mit den Worten: „Herausragend erzählt, von großer filmischer Qualität und mit überzeugenden darstellerischen Leistungen zeigt der Film eine grundsätzliche Kritik der Todesstrafe im Allgemeinen und des repressiven iranischen Systems im Besonderen.“

Berlinale 2020 - Gewinner Mohammad Rasoulof

Regisseur Mohammad Rasoulof konnte den Goldenen Bären nicht selbst entgegennehmen: Der Iran hat ihm die Ausreise verboten und ihn überdies zu einer Haftstrafe verurteilt.

Rasoulof sagte im Interview mit der Deutschen Welle: „Im Film geht es gar nicht in erster Linie um die Todesstrafe. Es geht darum, wie wir vor dem Hintergrund von Willkürherrschaft und Tyrannei Verantwortung für unser Handeln übernehmen können. Wie wir es vermeiden können, unmoralische Befehle zu befolgen, obwohl wir alle in einer Machtstruktur aus Unterdrückern und Unterdrückten gefangen sind.“

Wann der preisgekrönte Film „Es gibt kein Böses“ in die deutschen Kinos kommt, ist noch offen. Das Gemeindeblatt wird über den Start informieren.

Berlinale 2020 - Undine - Märchen in heutiger Zeit

Ein anderer Film im Wettbewerb war „Undine“ von Regisseur Christian Petzold. Paula Beer, die in der Titelrolle zu sehen ist, hat dafür den Silbernen Bären als beste Darstellerin gewonnen. Petzold übersetzt das Märchen der Undine in die Gegenwart. Undine ist eine Wasserfrau, die durch die Liebe eines Menschen eine Seele bekommen kann. Verrät der Mann sie, muss er sterben – und sie muss zurückkehren ins Wasser. Im Film arbeitet sie als Stadthistorikerin in Berlin. Ihr Freund Johannes verlässt sie, doch die Liebe zu dem Industrietaucher Christoph hilft ihr, sich ihrer Bestimmung zu entziehen. Wenigstens für einen Augenblick.

Petzold findet beeindruckende Bilder. Sein ruhiger Film führt in eine dunkle Unterwasserwelt, ins Märkische Museum – einen der wenigen alten Orte in Berlin –, in ein nüchernes Hochhaus-Appartement und in die Nähe von Wuppertal. Auch in „Undine“ geht es darum, sich aus dem zu befreien, was vorgegeben ist, und seinem Herzen zu folgen.

Der Kinostart des Films „Undine“ in Deutschland war ursprünglich für den 26. März geplant, verschiebt sich aber nun auf den 11. Juni.

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