Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verlierer sein - Impuls zur Predigt

Lukas 15,8-9 Welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.

 

Verlierer sein

Impuls für den 3. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 15,1-10.

Von Annedore Hohensteiner

Annedore Hohensteiner ist Pfarrerin in Donnstetten-Westerheim. Foto: Privat

Stunden meines Lebens verbringe ich als Mutter von vier Kindern damit, irgendetwas zu suchen. Die Klassiker: Lieblingskuscheltiere und einzelne Handschuhe. Neulich musste ich fast den Augenarzttermin absagen, weil die Brille meiner Tochter kurz vor Abfahrt unauffindbar war.

„Du bist ein Verlierer, Baby“ – so titelte die Zeitschrift „Mom“ in ihrer letzten Ausgabe. Im dazugehörigen Artikel berichten Mütter humorvoll von den verlorenen gegangenen Klarinetten, Krücken, Schulranzen und Handys ihrer Kinder. Allerdings muss ich an der Stelle zugeben, dass im Falle unserer Kinderbrille ich die Verliererin war.

Annedore Hohensteiner, Pfarrerin in Donnstetten-Westerheim.Foto: PrivatDeshalb verstehe ich so gut diese Frau, von der Jesus erzählt. Einer ihrer zehn Silbergroschen ist weg. Vorhin hatte sie ihn doch noch. Weit kann er also nicht sein. Ein Groschen nur von zehn. Aber gerade der ist doch wichtig fürs Ganze. Und so macht sie Licht, kehrt und sucht, bis sie ihn findet.

Wir Menschen sind Verlierer. Wir verlieren Sachen und manchmal auch die Liebe, die Hoffnung, die Freude. Wir verlieren den Glauben, das Vertrauen und manchmal auch uns selbst. Und leider taucht nicht immer alles so einfach wieder auf wie der Turnbeutel, den der Busfahrer unter einem der Sitze gefunden hat. Wir müssen damit leben, dass sich manches im Leben nicht vervollständigen lässt und schon gar nicht, dass wir das selbst machen können.

Wir Menschen sind Verlierer. Auch, weil wir genau an diesem Anspruch so oft scheitern: Alles selbst gut machen zu können.

Wie oft schimpfe ich mit den Kindern, wenn in Stresssituationen etwas fehlt und muss letztlich doch einsehen, dass das überhaupt nicht gerechtfertigt war. Und wie oft schon habe ich mir vorgenommen, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Bis eben wieder mal kurz vor knapp irgendwas nicht an seinem Platz ist. Das sind genau die Momente, an denen mir sehr deutlich wird, dass auch ich leider von der Perfektion weit entfernt bin.

Jesus ist auf der Suche nach den Verlierern

Doch Jesus erzählt dieses Gleichnis, um zu zeigen: Ihm sind gerade die wichtig, die nicht perfekt sind. Er ist nicht auf der Suche nach denen, bei denen immer alles an seinem Platz ist, sondern Jesus ist auf der Suche nach den Verlierern. Und er sucht besonders nach den Zweiflern und Hoffnungslosen, nach denen, die nicht finden und in deren Leben etwas fehlt. Und nach denen, die meinen, dass das Suchen sich nicht mehr lohnt, sowieso. Wie die Frau jede Ecke ausleuchtet und den Silbergroschen findet, so überlässt Gott uns nicht der Dunkelheit unseres Lebens. Wie die Frau das Geldstück aufhebt, so hebt Gott uns auf, wenn wir am Boden liegen.

Was für eine frohe Botschaft: Auch wenn ich eine Verliererin bin – ich gehe nicht verloren. Das Gleichnis lässt mich wissen oder wenigstens ahnen, dass Gott nicht aufhört, mich zu suchen. Ich darf mich vertrauensvoll von ihm finden lassen. Meine Geschichte mit allen Verlusten geht gut aus, weil Gott selbst der Finder ist.

Die Brille meiner Tochter ist übrigens gerade noch rechtzeitig aufgetaucht, in der Kinderwagentasche. Zum Jubeln war ich zu erschöpft, aber wir sind noch pünktlich und wieder fröhlich beim Augenarzt angekommen. □

Foto: unsplash/Thomas Vogel/BerlinFoto: unsplash/Thomas Vogel/Berlin

 

Gebet

Gott, lass mich erfahren:

Nichts und niemand geht dir verloren.

Auch ich nicht – obwohl ich so oft ein/e Verlierer/in bin.

Du hörst nicht auf, mich zu suchen.

Ich will mich von dir finden lassen.

 

Annedore Hohensteiner ist Pfarrerin in Donnstetten-Westerheim.