Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verschiedenheit tut gut - Impuls zur Predigt

Markus 7,32-34 Und sie brachten zu Jesus einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

 

Verschiedenheit tut gut

Impuls für den 12. Sonntag nach Trinitatis: Markus 7,31-37.

Von Daniela Milz-Ramming

Daniela Milz-Ramming ist Landespfarrerin für evangelische Gehörlosenseelsorge in Württemberg.

Foto: Gerhard Reider

Sie sind uns vertraut, die Heilungsgeschichten aus der Bibel. Ein Blinder, ein Gelähmter, ein Tauber. Einige Leute haben das Glück, Jesus persönlich zu begegnen und von einem Tag auf den anderen völlig gesund zu werden. Das versetzt die Zuschauer in Staunen. Oft bittet Jesus um Geheimhaltung, aber die Menschen können ihre Begeisterung nicht zurückhalten. Sie erzählen jedem von dem Wunder, das sie miterlebt haben.

Gesundheit ist das Wichtigste, sagt man ja. Aber das kann nicht wahr sein. Warum hätte Jesus sonst nicht alle Krankheit auf einmal vom Erdboden verschwinden lassen? Nie sagt er, dass wir alle Krankheit heilen sollen. Aber immer wieder ermahnt Jesus uns, unseren Mitmenschen zu helfen, sie zu unterstützen und zu lieben.

Daniela Milz-Ramming ist Landespfarrerin für evangelische Gehörlosenseelsorge in Württemberg.  Foto: Gerhard ReiderIn Deutschland gibt es etwa 80 000 Menschen, die so wenig hören, dass sie mit gesprochener Sprache nicht zurechtkommen. Technische Mittel helfen da oft nicht mehr. Sie sind taub. Sie brauchen die Gebärdensprache. Gehörlose fühlen sich nicht krank. Warum auch? Sie können ja leben und lachen und lieben. So geht es auch unzähligen anderen Menschen, die nicht „funktionieren“. Menschen, denen irgendwelche Sinne oder Gliedmaßen abhandengekommen sind, oder die gleich ohne diese geboren wurden.

In unserer Welt setzt man offiziell gesellschaftlich auf Vielfalt. Inoffiziell ist es für die schwierig, die irgendwo nicht mithalten können. Sie landen oft doch am Rande von irgendetwas: am Rande der Schulklasse, der Mitarbeitenden in einem Betrieb oder des Familiengefüges. Der Rollstuhlfahrer kommt an eine Treppe. Die Frau aus einem anderen Land scheitert an der deutschen Bürokratie. Der Gehörlose kommt einfach nicht hinein in die Gemeinschaft am Arbeitsplatz.

Erinnern Sie sich an die Worte und Taten Jesu? Zu gerne pickt er die Menschen aus der Menge heraus, die am Rande gelandet sind. Er redet mit ihnen, er isst mit ihnen, er berührt sie. Ich kann gut verstehen, dass es Jesus gefallen hat, immer wieder einmal ein Ende zu machen mit den ganzen Schwierigkeiten. Manchmal stehen mir die Schwierigkeiten in dieser Welt auch bis ganz oben, ich habe genug davon.

Gehörlose fühlen sich nicht krank

Auf der anderen Seite: Wie schön ist es doch, jemandem zu helfen! Nützlich zu sein für andere Menschen! Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man zusammen etwas anpackt, was eine oder einer alleine nicht schaffen kann. Es ist eine schöne Hoffnung, dass Gott eines Tages alles Leid beenden wird. Es wäre phantastisch, wenn der Herr der Welt lieber heute als morgen jeden Mangel dieser Erde wegnehmen würde.

Aber dennoch scheint es mir, als ob er wirklich die Vielfalt liebt. Anscheinend hat er uns absichtlich zu Wesen mit Fehlern und Schwächen gemacht. Weil jeder Mensch immer wieder Unterstützung von einem anderen Menschen braucht, bringt Gott uns dazu, zusammenzuarbeiten, aufeinander zu achten und rücksichtsvoll zu sein.

Vor dem Hintergrund dieses Gedankens kann ich mich – einstweilen – damit zufrieden geben, dass Jesus damals nicht mit einem Fingerschnipsen einfach alle und alles geheilt hat. Ich kann sogar zufrieden sein. Damit nämlich, dass Gott auch mir kleinem Menschen eine Aufgabe gegeben hat und dass es völlig in Ordnung ist, wenn auch ich unvollkommen bin!

Foto: unsplash/Tamara BellisFoto: unsplash/Tamara Bellis

Gebet

Gott, oft fühle ich mich so unvollkommen.

Schon wieder habe ich etwas nicht fertiggebracht.

Schon wieder etwas nicht geschafft.

Es tut so unendlich gut zu spüren: Ich bin dir recht.

Du magst mich so, wie ich bin.

Danke!

Amen.