Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vertrauen auf Gott - Impuls zur Predigt

Markus 12,41-44 Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Vertrauen auf Gott

Impuls für den 8. Sonntag nach Trinitatis: Markus 12,41-44.

Von Frank Dettinger

Der promovierte Theologe Frank Dettinger ist Pfarrer in Markgröningen, Dekanat Vaihingen- Ditzingen. Foto: Privat

Jesus beobachtet, ein bisschen frech, würden wir heute sagen, wer wie viel spendet. Aber: Scharf beobachten kann helfen, die Dinge in ihrer Tiefe zu erkennen. Und was Jesus erkennt, ist bemerkenswert.

Seine Jünger erhalten eine kleine Lehrstunde. Was bringt Jesus ihnen hier bei? Dass sie viel spenden sollen, ist die erste Antwort. Gemessen an dem, was die Witwe gibt, müssten alle anderen viel mehr geben. Witwen waren rechtlich schlecht gestellt. Sie konnten mit dem Tod ihres Mannes alle materielle Sicherheit verloren haben. Ein Heller ist dieser Witwe ganze Habe, alles, was sie zum Leben hatte. Alles spenden, was ich zum Leben habe, wäre in der Tat viel, sehr viel. Den ganzen Lebensunterhalt zu spenden, wäre ein enormer Schritt.

Diese Antwort, sehr viel zu spenden, ist aber nur eine äußere Folge. Was Jesus den Jüngern hier beibringt, ist im Kern etwas anderes. Es geht viel tiefer. Worin diese Witwe in einem tiefen Sinn Vorbild ist, ist das Vertrauen auf Gott. Diese Witwe ist Vorbild darin, die eigenen Möglichkeiten loslassen zu können. Jesus ging es immer wieder darum, dass Menschen ein die Existenz tragendes Vertrauen in Gott gewinnen. Wer sich selbst so loslässt, dass er seinen gesamten Lebensunterhalt spenden könnte, der erst ist schließlich bereit, sich von Gott verändern zu lassen. Diese Offenheit gegenüber Gott ist es, was Jesus bei der Witwe beobachtet. Hier dürfen die Jünger und Jüngerinnen damals und wir Jüngerinnen und Jünger heute uns herausfordern lassen: Wie weit, wie tief geht mein Vertrauen in Gott – mein Vertrauen, dass er mein Leben wirklich trägt, vollkommen, in guten wie in schwierigen Zeiten?

Jesus meinte: Vertrau auf den Vater, lass dich darauf ein, mit Gott zu rechnen. Nicht naiv, nicht kopflos, aber von ganzem Herzen, aufrichtig, mit leeren Händen. Sei gespannt, was Gott dir schenkt. Sei wirklich offen, etwas von ihm zu erwarten, statt auf deine Kraft und deine Möglichkeiten zu vertrauen.

Mit offenen Händen

Dies kann mein Leben ehrlicher machen. Denn was habe ich schon, was letztlich nicht doch von Gott herkommt? Was setze ich auf meine irdischen Schätze, die mir doch schließlich auch anvertraut wurden, die ich durch Glück oder Fügung bekommen habe und die ich nicht ewig behalten kann. Zum reichen Kornbauern, der größere Scheunen baute, um seine Schätze zu lagern, spricht Gott: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?“ (Lukas 12,20). „Hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“ (Lukas 12,15), stellt Jesus ernüchternd fest und lässt mich mein Leben realistisch sehen.

Mit offenen Händen vor Gott zu stehen, sich ihm innerlich mit allen Gedanken anzuvertrauen, kann der größte Gewinn sein. Vertraue ich ihm von ganzem Herzen, kann er mir ein ruhiges Herz schenken, ein Herz, das weiß, dass es bei ihm zu Hause ist.

Sehnsucht nach Gott. Foto: unsplash/Jeremy PerkinsSehnsucht nach Gott. Foto: unsplash/Jeremy Perkins

Gebet

Guter Vater, schenke mir Vertrauen in deine Wahrheit.


Schenke mir die Freiheit von Täuschungen.


Schenke mir den Mut, das loszulassen, was mich festhält.


Schenke mir den Weg an deiner Seite.


Amen.