Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vollkommene Freude - Impuls zur Predigt

1. Johannes 1,1-4 (in Auszügen) Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt. Und dies schreiben wir, auf dass unsere Freude vollkommen sei.

 

Impuls für den 1. Sonntag nach dem Christfest: 1. Johannes 1,1-4.

Von Erich Hartmann

Erich Hartmann ist Dekan in Calw-Nagold. Foto: privat

Als der niederländische Maler Rembrandt von Rijn mit 63 Jahren starb, war er einsam und verarmt. Am Tag nach seinem Tod fand man unter vielen Gemälden sein wohl letztes. Es zeigt den greisen Simeon im Tempel in Jerusalem mit dem Jesuskind auf den Armen (siehe Foto links). Auf sein Gesicht fällt ein helles Licht, das von dem Kind auszugehen scheint, und seine alt und müde gewordenen Augen leuchten voller Ehrfurcht und Staunen. Vollkommene Freude liegt auf diesem Angesicht. Freude und Dankbarkeit. Der Schreiber des 1. Johannesbriefes sieht darin das höchste Ziel und die tiefste Wahrheit von Weihnachten: Damit unsere Freude vollkommen sei. Haben wir die Weihnachtsfreude schon wieder eingepackt – jetzt, wenige Tage nach dem lichtvollen, fröhlichen Fest? Hat uns der Alltag schon wieder mit seinen Anforderungen, seinen Fragen? Schauen wir unsicher und ängstlich auf das vor uns liegende neue Jahr, von dem wir nicht wissen, was es uns bringen wird? Der 1. Johannesbrief erinnert uns an das große Geschenk von Weihnachten: Gott selbst wird einer von uns. In dem Kind im Stall von Bethlehem begegnet uns der große Gott, der die Welt geschaffen hat und in Händen hält. Die Hirten von den Feldern vor Bethlehem kamen als erste angelaufen und haben das Kind bestaunt. Man konnte es sehen, riechen, fühlen – und wer weiß, vielleicht hat sich sogar einer getraut, das Neugeborene auf den Arm zu nehmen. So nah kommt uns Gott! In den wenigen Versen aus dem 1. Johannesbrief kommt zwölf Mal das Wort „wir“ oder „unser“ vor. Wir, das sind die Jüngerinnen und Jünger Jesu, Menschen, die dabei waren, als Jesus predigte und heilte, als er sich den Armen und Verachteten zuwandte. Das sind aber auch wir Heutigen, wenn wir im Gottesdienst und im Abendmahl erleben, wie nah, wie wohltuend nah Gott uns kommt. Was an Weihnachten geschehen ist, ist für uns geschehen – auch wenn wir es selbst nicht sehen, riechen, schmecken, fühlen können. Vollkommene Freude: Kinder machen es uns an Weihnachten immer noch vor. Welche Freude das Geheimnis der Heiligen Nacht in ihnen auslöst, sieht man an ihren leuchtenden Augen und den roten Wangen. Gerade wie bei dem greisen Simeon auf dem Bild von Rembrandt von Rijn. Das alte Weihnachtslied bringt es präzise auf den Punkt: Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich, o Christenheit! Vollkommene Freude: Dazu ist Christus erschienen, dass diese Freude sich ausbreitet über die ganze Welt. Dass sein Friede Gestalt gewinnt mitten unter uns, indem wir das weitersagen, „damit auch ihr“ – damit auch die anderen mit uns Gemeinschaft haben. Das Ziel der christlichen Hoffnung ist die Freude. Der greise Simeon im Tempel in Jerusalem hat diese Freude gefunden. „Was die Augen sehen, das entscheiden nicht die Augen, sondern das Herz“, sagt Martin Buber. Auf dem Bild von Rembrandt wirkt es fast so, als wollte Simeon uns das Kind weiterreichen. Das Kind, das sein Herz erreicht und seine müden Augen hell gemacht hat. Seine Sehnsucht ist an ihr Ziel gekommen und er gibt gleichsam das Christuskind weiter, „damit unsere Freude vollkommen sei!“ Gebet Ewiger Gott, große Freude wurde den Hirten in der Heiligen Nacht verheißen. Bis auf diesen Tag lässt du uns diese Freude schmecken und sehen. Dafür danken wir dir. Geh mit uns in das neue Jahr und mache du selbst die ungewissen Wege hell!