Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Himmel auf Erden - Der Himmel ist eine Beziehung

40 Tage verbrachte Jesus nach der Auferstehung mit seinen Jüngern, bevor er in den Himmel aufstieg. Deshalb feiern Christen 40 Tage nach Ostern Christi Himmelfahrt. Doch was ist das eigentlich, der Himmel? Wo fängt er an? Und wo finden wir ihn?

Sonnenuntergänge lenken den Blick auf das, was zwischen Erde und All ist. Und sie wecken Sehnsucht. Foto: pixelio/johnnybSonnenuntergänge lenken den Blick auf das, was zwischen Erde und All ist. Und sie wecken Sehnsucht. Foto: pixelio/johnnyb

„Wo fängt der Himmel an?“, fragen Kinder gern. Doch wer kann schon sicher sagen, wie der Himmel aussieht und wie man dort hinkommt? Wie groß er ist? Ist er wirklich über den Wolken? Reinhard Mey hat in seinem Lied die Sehnsucht beschrieben, wenn man einem startenden Flugzeug hinterher blickt: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen.“

Der Himmel hat immer schon als Bild gedient für das Unbeschreibliche, für all das, was wir hinter unseren eigenen Grenzen und Beschränkungen erhoffen. Aber gibt es den Himmel, „die Fülle des Lebens“, überhaupt, von der in alten liturgischen Texten die Rede ist? Ist er mehr als ein frommes Märchen – zu schön, um wahr zu sein? Und kann man ohne den Himmel überhaupt leben? Muss es nicht das wahre Glück geben – auch später einmal, ein Zuhause, in dem wir immer bleiben dürfen? Oder ist das nur eine große Illusion?

Unter den Menschen gibt es keine einheitliche Vorstellung. Sie sagen „Himmel“ oder „Paradies“, „Jenseits“ oder „die ewigen Jagdgründe“ und meinen doch alle etwas ähnliches. Früher hat man den Himmel gern als Wohnung der Götter oder der großen Helden beschrieben. Inzwischen ist er für viele „nicht mehr Zeichen für die Frage, wohin wir gehören, sondern Chiffre für eine heruntergekommene Romantik, die uns nichts mehr kostet“, meint der niederländische Theologe Hermann Häring. Oft stellt man sich den Himmel als eine langweilige Sonderwelt vor. Ludwig Thoma greift diese Vorstellung auf und lässt seinen „Münchner im Himmel“ verdrossen auf die Erde und auf die gute Zeit im Hofbräuhaus blicken.

Die heiligen Schriften der Juden und Christen reden nicht von so einem blutleeren, faden Paradies. Die Bibel schildert den Himmel gern als großes Fest, vorzugsweise als Hochzeitsfeier. Da wird auch fröhlich gegessen und getrunken. Wir müssen auf dieses Fest nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten. Denn die Feier hat schon längst begonnen! Jesus verknüpft das mit seiner Person: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Sein Himmel beginnt überall dort, wo Menschen ganz Menschen sind, sich aneinander freuen, richtige Freunde werden, miteinander teilen und sich als Partner fühlen, nicht als Rivalen.

Der Himmel ist eine Beziehung - Paradies als großes Fest

Schon der Glaube Israels bricht die enge Vorstellung eines über den Wolken lokalisierbaren Himmels auf: Der Himmel ist kein Ort auf der Landkarte, sondern eine Beziehung. Er ist die Erfahrung der glücklich machenden – aber auch herausfordernden – Nähe Gottes. Ist der Himmel ein Paradiesgarten für die Frommen, eine Ruhmeshalle für die toten Helden oder ein Forschungsobjekt für Astrophysiker? Oder ist er eine Art zu leben, miteinander umzugehen?

Ein musikalischer Ohrwurm aus Jugendgottesdiensten schildert es so: „Wenn ein Sommer Rosen blühen lässt und die Liebe Menschen glühen lässt, wenn es Frieden gibt auf Erden und die Waffen verschrottet werden: Dann gehen wir dem Himmel entgegen und alle, alle gehen mit.“ Das Fest des Himmels hat schon begonnen. Zwar hat es noch nicht seinen Höhepunkt erreicht, aber wir sind aufgefordert, uns zum Reigen des Lebens einander bei den Armen und Händen zu fassen. Wie das aussehen kann, zeigt dieses Gebet: „Herr, gib mir ein Herz, das die Freude sucht und sie doch nicht festhalten will, das verzichten und teilen kann und das sein Glück in der Freude der anderen findet.“

Wenn wir so zu leben versuchen, leuchten schon jetzt viele kleine Stückchen Himmel wie Mosaiksteine auf, oft noch unverbunden nebeneinander liegend. Die Bibel ist überzeugt: Gott wird am Ende der Tage diese vielen Mosaiksteinchen Himmel zu einem vollendeten Bild zusammenfügen und zu „seiner neuen Erde und seinem neuen Himmel machen“, wie es am Schluss der Heiligen Schrift heißt. Vielleicht lohnt es sich ja, bei dem Fest schon jetzt dabei zu sein.

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