Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Segen des Neuanfangs - Impuls zur Predigt

Apostelgeschichte 9,1-20 (in Auszügen) Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn. Als er aber in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; der kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich.

Vom Segen des Neuanfangs

Impuls für den 12. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 9,1-20.

Von Markus Frasch

Pfarrer Markus Frasch ist Dekan in Böblingen.

Was für eine Hoffnungsgeschichte für alle, die spüren, dass es in ihrem Leben nicht so weitergehen kann wie bisher. Auch Saulus (der später Paulus heißt) spürte, dass er auf dem falschen Weg war. Doch er wollte es nicht wahrhaben und hielt nur umso verbissener an seinem Verfolgungskurs fest. Und so kam der Zusammenbruch schlagartig und umfassend.

Pfarrer Markus Frasch ist Dekan in Böblingen. Foto: privat

Pfarrer Markus Frasch ist Dekan in Böblingen. Foto: privatViele lassen es nicht so weit kommen; spüren die Krise heranrücken und ändern den Kurs, ohne dass es zu einem so vollständigen Zusammenbruch kommt. Dennoch passiert es, dass ein Mensch die Zeichen und Ahnungen verdrängt und dann ganz plötzlich den Boden unter den Füßen verliert. Doch so oder so – plötzlich oder allmählich –, eine solche Umkehr bringt immer zuerst den Verlust der alten Gewissheiten mit sich. Zuerst wird man blind und orientierungslos.

Unbewusst ahnen wir, dass es eine Umkehr nicht ohne diesen Verlust der bisherigen Überzeugungen gibt. Darum haben viele Angst und schieben den Neuanfang vor sich her. Doch ein solcher Zustand, jahrelang am falschen Platz zu verharren, lähmt und nimmt die Freude weg. Darum tut es gut, sich von der Erfahrung des Saulus ermutigen zu lassen.

Dass Saulus diese schwere Krise aber nach nur drei Tagen überstanden hatte, muss man als symbolische Zeitangabe ansehen. „Drei Tage“ heißt, es war ein umfassender Zeitraum. In seinen Briefen berichtet Paulus, dass es Jahre dauerte, bis er seine neue Identität gefunden und seine alte Kraft zurückgewonnen hatte. Und so kennen es viele auch heute: Es braucht Zeit, bis das neue Leben stabil und tragfähig geworden ist. Und man muss sich eingestehen, dass man dazu Hilfe braucht. Ohne Hananias wäre Saulus blind geblieben. Vielleicht hat er es als demütigend empfunden, dass ihm nun der half, den er zuvor verfolgt hatte – aber der Mut zur Demut ist auch ein Aspekt des Wachsens und Reifens in einer solchen Sinnkrise.

Weg aus der Krise

Weil der Weg aus der Krise in eine neue Identität so mühsam ist, macht es Angst, wenn man spürt, dass eine Umkehr notwendig wird. Doch da will unsere Geschichte Mut machen. Als die Zeit reif war, wurde Saulus zu Paulus und dann zu dem vielleicht wichtigsten Zeugen des christlichen Glaubens überhaupt. Durch ihn wurde das Evangelium in alle Welt getragen. Kaum jemand konnte je so überzeugend von der Liebe Gottes predigen wie er. Und so legt Gott seinen Segen in jeden Neuanfang, den wir Menschen in seinem Namen wagen. □

Hinweisschild, Orientierung. Foto: unsplash/Javier Allegue-BarrosFoto: unsplash/Javier Allegue-Barros

Gebet

Gott, gib mir den Mut, einen neuen Weg einzuschlagen.

Du kennst meine Angst vor der Unsicherheit.

Hilf mir, dass ich ihr nicht erliege, sondern neu aufbreche und den Weg gehe, den du mir zeigst.

Amen.