Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Gnade des Herrn singen - Impuls zur Predigt

Johannes 21,15-19 (in Auszügen) Spricht Jesus zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!

Von der Gnade des Herrn singen

Impuls für den Sonntag Misericordias Domini: Johannes 21,15-19.

Von Johanna Tückmantel

Johanna Tückmantel ist Pfarrerin in Ausbildung an der Bartholomäuskirche in Markgröningen. Foto: privat

Sie sitzen beieinander. Fünf Menschen im Seelsorgeseminar. Gerade wurde eine erlebte Gesprächssituation nachgestellt. Die Stimmung ist gedrückt. Die Trauer darüber, nicht immer so hilfreich zu sein, wie man es gerne wäre, hängt in der Luft. In diesen Gefühlsnebel hinein spricht eine Stimme: „Ich denke, Sie haben genau das getan, was das Hilfreichste in dieser Situation war!“ Einfühlsam und für alle überraschend erklärt die Leiterin, dass Unzulänglichkeiten und das Spüren eigener Grenzen vielleicht gerade die Komponenten sind, die Menschen hilfreich konfrontieren und im Leben weiterführen. Die gnädigen Worte eröffnen einen Raum für innere Prozesse. Die Fünf können eintreten, um weiterzuwachsen. In diesem Raum rutscht die Gnade vom Kopf ins Herz. Der Schleier lüftet sich, und wo sie gerade noch das Gefühl der Trauer frösteln ließ, zieht eine wärmende Zuversicht in ihre Herzen ein.

Johanna Tückmantel ist Pfarrerin in Ausbildung an der Bartholomäuskirche in Markgröningen. Foto: privatSzenenwechsel. Sie sitzen beieinander. Zwei Menschen, die sich gerade unverhofft wieder begegnen. Sie haben eine enge Beziehung zueinander. Die Stimmung ist gedrückt. Petrus, ein Mann großer Worte und großer Liebe, sitzt seinem geliebten, nun auferstandenen Herrn und Freund Jesus gegenüber. Aus einer besonders großen Liebe, einer spürbaren Euphorie heraus, hatte Petrus ihm vor seinem Tod absolute Treue versprochen: „Wenn alle zu Fall kommen, ich nicht!“ In derselben Nacht noch brach er sein Versprechen und fiel selbst. Dieser Fehler und die Trauer um die eigene Unzulänglichkeit hängen nun in der Luft. In den Gefühlsnebel hinein fragt eine Stimme: „Hast du mich lieb?“ Jesus hält sich nicht fern von Petrus. Bleibt nicht fern seiner Unzulänglichkeit. Er kommt und nimmt sich Raum. Keinen Platz erhalten Vorwürfe und moralische Anschuldigungen. Dreimal stellt Jesus die Frage: „Hast du mich lieb?“ und bekräftigt nach jeder Antwort seines Freundes dessen Auftrag.

Jesus taucht mit Petrus ein in das Vergangene. Die Liebe von Jesus ist genau. Sie schaut tief. Was geschehen ist, wird nicht direkt angesprochen, ist aber für beide, auch durch die dreimalige Frage, greifbar. Jesus nimmt Petrus nicht die Schuld. Von Vergebung ist keine Rede. Und doch geschieht sie. Erkennbar daran, dass Jesus an Petrus festhält und ihm Verantwortung zutraut: „Weide meine Schafe!“

Raum für innere Prozesse

Im Handeln Jesu ist Barmherzigkeit, Güte und Liebe. Seine Haltung der Gnade eröffnet einen Raum für innere Prozesse. Wir Menschen können eintreten, um weiterzuwachsen. In diesem Raum rutscht die Gnade vom Kopf ins Herz. Es ist diese liebende Gnade Jesu, die Zachäus vom Baum holt, die Petrus aufs Wasser treibt, Lazarus von den Toten auferweckt, eine Frau schützt, die mehrere Männer liebt, Maria Magdalena frei macht und Menschen nachfolgen lässt. Es ist die Gnade, die Unaussprechliches aushält und zum verantwortlichen Leben auffordert. Diese Gnade, die uns selbst mit allem Fragmentarischen, mit allem Versagen nicht loslässt, befähigt auch uns, weiterzuleben und Verantwortung zu übernehmen. Als hätte uns jemand behutsam an der Schulter genommen und von der Kälte in das wärmende Licht Gottes gestellt.

Gardine öffnen. Frei. Offen. Foto: congerdesign/pixabay Foto: congerdesign/pixabay

Gebet

Geliebter Herr, gepriesen seist du für deine Güte.

Lüfte den Schleier unserer Verzagtheit und Angst, damit wir im Raum deiner Gnade selbstliebend, verantwortungsvoll und frei leben können.

Amen.