Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Stadt zum Kloster

Seit wenigen Wochen verbindet in Lorch der sogenannte „Gedankengang“ Stadt und Kloster: Ein sieben Stationen langer Weg von Kirche zu Kirche. Besucher des Gemeindeblatt-Glaubenswegs können ihn als eine der ersten bei einer geführten Tour erleben. 

Stationenweg zum Kloster. (Foto: Andreas Steidel)

Es war schon immer eine Herausforderung, die Besucher des Klosters Lorch in die Stadt zu locken. Hunderte von Busgruppen oder Einzelbesucher machen oben, am Kloster Halt, doch die wenigsten lernen bei ihrem Besuch auch die Stadt kennen.Der kürzlich eröffnete Gedankengang soll sie dazu einladen. Knapp zwei Kilometer ist der neue Stationenweg lang, in welche Richtung man ihn geht, ist letztlich egal. Er erzählt keine durchgängige Geschichte, sondern kann überall begonnen werden: oben, unten oder in der Mitte.

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Dass er eine ökumenische Initiative der Kirchen ist, wird schon daran deutlich, dass er mehrere Kirchen miteinander verbindet: die Stadtkirche liegt am einen, die Klosterkirche am anderen Ende und dazwischen die katholische Kirche St. Konrad. Alle drei sind offen für Besucher, mit der Besonderheit freilich, dass man für die Klosteranlage Eintritt bezahlen muss.

Jede Station beginnt mit einem Bibelzitat. Dazu gibt es Lebensfragen, die gestellt werden und die jeder für sich beantworten muss. So etwa an der Station Bahnhof, wo auf der Stele geschrieben steht: Bin ich angekommen, in mir? Was wird der Weg bringen, der vor mir liegt? Passend dazu der Vers aus Psalm 121,8: „Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst von nun an bis in Ewigkeit.“

Wer auf dem Gedankengang unterwegs ist, bekommt auch etwas von der bürgerlichen Geschichte Lorchs mit. Etwa am ehemaligen Gasthof Harmonie, der heute dem Süddeutschen Gemeinschaftsverband gehört. Er erzählt von jenen Zeiten, als Lorch ein beliebter Luftkurort war. Kaum war der Bahnhof fertig, strömten die Stutt­garter in Scharen in diesen Teil des Remstals.

Den Weg hinauf zum Kloster markiert ein Benedictus-Stein. Beschattet von alten Bäumen geht es nun zur ehemaligen Abtei. Sie war das Hauskloster der Staufer, ihre Grablege. Ein großes Panoramarundbild erzählt dort heute in bunten Farben ihre Geschichte. Von ihr zeugt auch die steinerne Tumba in der Klosterkirche, die dort 1475 aufgestellt wurde. Da waren die Staufer schon fast 200 Jahre lang Vergangenheit, aber die Mönche beteten für ihre Stifter in treuer Ergebenheit weiter.

Als die Reformation kam, ging auch die Geschichte der Mönche in Lorch zu Ende. Sie schafften es nicht mehr, die nach dem Bauernkrieg zerstörten Gebäude vollständig wiederaufzubauen. So blieb der Kreuzgang in jenem halbfertigen Zustand, in dem man ihn heute noch antrifft.

Das Kloster beherbergt seit langem ein Pflegeheim und ist ebenfalls schon lange eine Attraktion für Besucher. Die können nun nicht nur gedanklich jener Verbindung folgen, die bestens beschildert von oben nach unten führt. Ein Glaubensweg der besonderen Art, für Lorcher und ihre Gäste.

 

 

So kommt man nach Lorch

Mit dem Zug:

Abfahrt Stuttgart: Hauptbahnhof 9.20 Uhr, Ankunft Lorch 9.56 Uhr. Rückfahrt ab Lorch um 17 Uhr oder um 18 Uhr.

Abfahrt Ulm: Hauptbahnhof 7.54 Uhr, Ankunft Lorch 9.50 Uhr, Rückfahrt ab Lorch 17 Uhr oder 17.56 Uhr.

Fußweg: Vom Bahnhof zur Stadtkirche/Gemeindehaus sind es etwa zehn Minuten (rund 600 Meter).

Mit dem Auto:

Ab Stuttgart: Über die B14 und die B29 nach Lorch (Strecke: ca. 50 Kilometer, Fahrzeit: ca. 45 Minuten).

Ab Ulm: Über die B10 und die B297, (65 Kilometer, etwa 1,25 Stunden).

Parken: Viele kostenlose Parkplätze am Bahnhof. Am 28. Juli darf aber auch in den anderen Bereichen der Stadt ganztägig geparkt werden (Parkscheibenregelung gilt nicht).


Das Programm des Glaubenswegs

Vor dem Gottesdienst bietet die Gemeinde Kaffee und Wasser am Gemeindehaus an. Es liegt direkt gegenüber der Stadtkirche. Hier gibt es auch Toiletten.

10.30 Uhr: Gottesdienst in der Stadtkirche mit Vikarin Almut Klose, Kirchenmusikdirektorin Verena Rothaupt und Pfarrer Jürgen Kaiser.

11.30 Uhr: Vorstellung der Gemeinde und des Tagesprogramms des Glaubenswegs in Lorch (Stadtkirche).

12–14 Uhr: Mittagessen im Gemeindehaus mit Maultaschen, Schnitzel, Bier und alkoholfreien Getränken.

Ab 12 Uhr: Stadt- und Kirchenführungen (mit Orgelführung). Durch die Kirche führt auch der frühere Gemeindeblatt-Redakteur Ernst Wahl. Außerdem gibt es Führungen mit Pfarrer Messserschmidt auf dem „Gedankengang“ zum Kloster. Wer mitgeht, kann (gegen Gebühr) auch die Klosteranlage besichtigen.

15 Uhr: Unterhaltsamer Vortrag mit Pfarrer Jürgen Kaiser. Im Anschluss offenes Singen (Stadtkirche).

16.15 Uhr: Abschlussandacht, Ende des Glaubenswegs gegen 16.45 Uhr.

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