Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der wahren Macht - Impuls zur Predigt

Markus 10,35-45 (in Auszügen) Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Von der wahren Macht

Impuls für den Sonntag Judika: Markus 10,35-45.

Von Matthias Vosseler

Matthias Vosseler ist Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche.


Jakobus und Johannes, zwei aus dem engsten Kreis um Jesus, tragen einen Wunsch an Jesus heran: Im Himmel möchten sie gerne einmal die besten Plätze haben, nämlich direkt neben dem Messias. Jesus hat es seinen Jüngern kurz zuvor gesagt: „Ihr werdet mit mir sitzen auf den zwölf Stühlen, den Thronen, und richten, am Tag des Gerichts.“ Eine ganz besondere Auszeichnung für diejenigen, die mit ihm Tag für Tag unterwegs waren. Der Wunsch der beiden ist verständlich, der Unwille der anderen Jünger ebenso. Letzten Endes kann man nur sagen: „Jungs, Thema verfehlt.“ „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet“, lautet die deutliche Antwort Jesu. Was Macht wirklich bedeutet, zeigt er mit seinem Leben: Dienst in Demut ist Macht, sagt uns Jesus hier, nichts anderes. Dadurch unterscheidet sich ein Machtverständnis im Sinne Jesu grundsätzlich von politischen Machtsystemen damals wie heute.

 Matthias Vosseler ist Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche. Foto: PrivatMacht im Sinne Jesu hat nur eine Kirche, die leidensfähig und leidensbereit ist, alles andere ist letzten Endes eine „Schein-Macht“. Wie sehr Kirche in späterer Zeit dann selbst die Formen und Elemente von weltlicher Macht übernommen und ausgeübt hat, erzählen uns viele Jahrhunderte der Kirchengeschichte. Wir sehen dies aktuell in den zutage tretenden Machtstrukturen der katholischen Kirche, gegen die sich Menschen in unseren Tagen auflehnen, weil sie in den Worten Jesu andere Machtworte und Herrschaftsstrukturen erkennen.

Aber auch eine evangelische Kirche im 21. Jahrhundert muss sich fragen lassen, inwieweit die an staatlichen Machtstrukturen angelehnten Machtprinzipien noch haltbar und tragbar sind. Macht ist im digitalen Zeitalter des 21. Jahrhunderts ein komplexes Geschehen geworden. Ganz ohne Macht funktioniert menschliches Zusammenleben nicht, aber machtsensibel muss es sein. Wer Machtstrukturen in Staat und Kirche kritisch hinterfragt, muss diese kritischen Fragen immer auch an sich selbst stellen: So frage ich mich selbst als Pfarrer, als Prediger auf der Kanzel, als Leiter von Gemeinde, als Mitgestalter des öffentlichen Lebens.

Dienst in Demut

Die Jünger haben damals die Frage diskutiert: Wo ist mein Platz im Himmel? Die Antwort dürfen wir getrost Gott überlassen. In seinem Haus, in dem es viele Wohnungen gibt, hat er auch einen Platz für uns. Es muss ja nicht gleich einer der himmlischen Throne sein, mir persönlich wäre ein Schaukelstuhl ohnehin lieber.

Die wichtigere Frage lautet: Wo ist mein Platz auf dieser Erde? Mein Platz ist hoffentlich nahe beim Gekreuzigten, nahe bei seiner Herrschaft und seinem Machtverständnis, nahe bei dem, der sein Leben für uns gegeben hat, etwas ganz Einzigartiges in der Weltgeschichte: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“

Es ist unsere Aufgabe, dies den Menschen zu sagen: Da war einer, der aus Liebe zu uns Menschen sein Leben gegeben hat, auch für dich und für mich. Das ist die wahre Macht, die Macht der Liebe.

Foto: Ina Hochreuther

Gebet

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart.

geb mich hin dem freien Triebe, wodurch auch ich geliebet ward.

Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Gerhard Tersteegen (EG 641)