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Von Gebeten und Diagnosen - Wunder im Klinikalltag

Wunder begegnen Jens Winter-Emden immer wieder: Der Leitende Oberarzt der Onkologisch-hämatologischen Station im Diakonie-Klinikum Stuttgart ist fasziniert, zu was der menschliche Körper alles fähig ist. Auch Spontanheilungen hat der 42-Jährige schon erlebt.

Oberarzt Jens Winter-Emden, Stuttgart

Jens Winter- Emden: „Mit dem Begriff Wunder kann jeder, der in der Medizin arbeitet, etwas anfangen.“
Foto: Julian Rettig

Auf dem langen weißen Gang mit dem gelbgesprenkelten Boden hinter der Milchglastür geht es umtriebig zu. „Onkologisch-hämatologische Station“ steht auf dem Schild der Eingangstür. Es riecht nach Desinfektionsmittel. Neonlampen tauchen den Flur in ein grelles Licht.

Jens Winter-Emden, Leitender Oberarzt der Station, sitzt in einem Untersuchungsraum am Ultraschallgerät. „Wenn sich hier jemand untersuchen lässt, rechnet man oft mit etwas Schlimmem“, sagt er. Darm- oder Brustkrebs, Leukämie, Lungenentzündungen, eine schwere Grippeerkrankung oder Diabetes: Es sind harte Diagnosen, die den Alltag des Mediziners prägen. Trotzdem hat sich der 42-Jährige seinen Optimismus und die Ehrfurcht vor dem Wunder des Körpers bewahrt. „Mit dem Begriff Wunder kann jeder, der in der Medizin arbeitet, etwas anfangen“, sagt er.

Als Beispiel nennt Winter-Emden eine neue Immuntherapie, mit deren Hilfe viele Krankheiten besser in Schach gehalten werden können. Auch was ein Organismus alles aushalten und wie gut er, etwa nach einer Chemotherapie, regenerieren kann, beeindruckt ihn immer wieder aufs Neue.

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Optimismus und Ehrfurcht - Raum für Wunder lassen

Für die physiologischen und pathologischen Abläufe des menschlichen Körpers hat sich der Filderstädter schon früh interessiert. Vor allem das Thema Blutbildung hat es ihm schon in jungen Jahren angetan. Trotzdem lag sein Berufswunsch als kleiner Junge im Bereich der Naturwissenschaft. „Damals wollte ich noch Physiker werden“, sagt er. Und das, obwohl der Arzt aus einer medizinisch geprägten Familie stammt: Die Schwester ist Krankenschwester, der Bruder arbeitet in der Pharmaindustrie und sein Vater war bis zur Pension Musterungsarzt.

Nach dem Abitur bewarb sich Jens Winter-Emden in Betriebswirtschaftslehre und in Medizin um einen Studienplatz. Für Letzteres bekam er eine Zusage. Dass es mit dem Arztberuf geklappt hat, darüber ist der Vater einer Tochter dankbar. Am meisten Freude bereitet es ihm, den Patienten auf seine Therapie vorzubereiten, diesem die Angst vor der Behandlung zu nehmen. „Wir müssen motivieren, ohne feste Zusagen zu machen. Und immer Raum für wirkliche Wunder lassen.“

Solche Wunderheilungen oder auch „Spontanremissionen“, wie es im medizinischen Fachjargon heißt, hat Winter-Emden selbst schon erlebt. Der Mediziner erinnert sich etwa an einen Patienten, dessen gesamter Körper von einem Lymphom befallen war. Alle Vorbereitungen für eine Chemotherapie waren getroffen. Doch innerhalb weniger Monate waren die Tumoren, die das Lymphgewebe befallen hatten, plötzlich verschwunden. Ein Fall, der Winter-Emden nachhaltig beeindruckt hat. „Jeder, der in der Medizin arbeitet, hofft auf so etwas“, sagt er.

Foto: Pulicdomain Pictures / Pixaby

Der Patient habe sich nach der bitteren Anfangsdiagnose keinen Behandlungen unterzogen, sondern lediglich verstärkt auf seine Ernährung geachtet – und sich mit seiner zerstrittenen Familie versöhnt. „Er dachte, dass er bald stirbt, und hat sich mit den Angehörigen ausgesprochen.“ Spontanheilungen wie diese seien schwierig zu erforschen, sagt Winter-Emden. Für den gläubigen Christen ist es wichtig, „solche unerwartet positiven Heilungsverläufe einfach anzunehmen“.

Der Glaube spielt in seinem Stationsalltag eine wichtige Rolle, Jens Winter-Emden schließt immer wieder Patienten in seine Gebete mit ein. Konkret um Heilung zu bitten hält er allerdings für unangemessen, „da würde ich ja immer jemanden ausschließen“. Doch er wünscht sich, „dass die Menschen die Stärke finden, ihre Situation zu ertragen, oder sich für einen für sie stimmigen Therapieweg entscheiden“.

Kleine Wunder, sagt er, seien auch mit guten Patientengesprächen zu erreichen. „Es ist erwiesen, dass man schon mit einem Lächeln positiven Einfluss auf den Gesundheitszustand nehmen kann.“ Auch für Angehörige sei es tröstlich, „dass es noch andere, weiche Faktoren gibt, die die Genesung mit beeinflussen können“.

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