Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Gott berufen - Impuls zur Predigt

Jeremia 1,4-8 Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

 

Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis: Jeremia 1,4-10.

Von Christina Beck


Christina Beck ist Pfarrerin in Ludwigsburg-Oßweil. Foto: Privat

 

Christina Beck ist Pfarrerin in Ludwigsburg-Oßweil. Foto: Privat

Als Propheten bezeichnen wir Menschen, die in schweren Zeiten Klartext reden. Solche Leute können ganz schön unbequem sein. In der Bibel werden sie von Gott meistens dazu aufgefordert, Dinge an- und auszusprechen, vor denen andere Menschen am liebsten die Augen verschließen würden oder die sogar sprachlos machen. Die Aufgabe des Propheten ist es, sein Gegenüber wachzurütteln und Möglichkeiten aufzuzeigen: Schaut her – das will Gott wirklich für seine Welt.

Propheten nahmen und nehmen nicht deswegen eine ungemein wichtige Rolle in der Geschichte des Glaubens ein, weil sie die Zukunft voraussagen. Sondern weil sie auf die Pflicht zum Guten hinweisen. Auf die Verantwortung jedes Einzelnen gegenüber Gott und seiner Schöpfung.

Doch was braucht es, um ein Prophet zu sein? In der Beschreibung der Berufung des Jeremia ist klar die Rede davon, dass er schon vor seiner Geburt zum Prophetenamt ausgesondert wurde. Also zu einer Zeit, als seine Fähigkeiten und Unfähigkeiten maximal in der Vorstellung seiner Eltern definiert waren, nicht aber in der dann (durch das reale Leben ausgeprägten) Persönlichkeit des Jeremia. Seine Identität als Prophet wird also nicht durch etwas definiert, das seinem Selbstverständnis oder dem Bild, das andere von ihm haben, entspricht, sondern allein durch die Berufung von Gott her: „Ich bin bei dir!“ Er hat Jeremia berufen. Er will ihn und er will ihn genau so, wie er ist. Und diese Zusage begleitet den Propheten in den Herausforderungen und Schwierigkeiten, vor die er in seinem Amt gestellt wird. Deshalb korrigiert Gott als Erstes gleich einmal die Selbsteinschätzung des Jeremia. Der muss die Kraft nicht in sich selbst finden, er bekommt sie von Gott.

Der Prophet soll andere wachrütteln

Vielleicht hätte sich der ein oder andere in den vergangenen Wochen und Monaten einen Propheten oder eine Prophetin nach der Gestalt des Jeremia gewünscht, der mit der Klarheit und Vollmacht Gottes auftritt. Oft habe ich in letzter Zeit gelesen oder gehört, die Kirche habe sich in der Zeit des Lockdowns kleingemacht oder sogar geschwiegen. Wer oder was ist denn bitte „die Kirche“? Unser Selbstverständnis als evangelische Kirche lebt vom Gedanken des Priestertums aller Gläubigen – nicht davon, dass es ein für alle sicht- und hörbares Sprachrohr gibt, das für „Kirche“ im Gesamten steht. Jeder Christenmensch soll auf die Pflicht zum Guten hinweisen. Und die Kraft dafür bekommt er von Gott.

Tatsache ist, dass auch Jeremia damals nicht viele „Follower“ hatte und nicht viele seinen Worten Gehör geschenkt haben.

Der Predigttext macht uns klar, was möglich ist, nämlich das Prophetentum aller Gläubigen. Es geht darum, von Gott zu reden, inmitten meines sozialen Umfelds und vor allem inmitten meiner Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Letztere sagen nämlich viel mehr darüber aus, woraus ich lebe – aus Gott.

Bergwiese. Foto: Antonio Rossi/UnsplashFoto: Antonio Rossi/Unsplash

 

Gebet

Gott voller Liebe, du hast mich wunderbar gemacht. Hilf mir, in meinen Schwächen deine Kraft zu erkennen.

Hilf mir, mich erkennen zu geben mit dem, was du in mich legst.

Segne mein Tun und Reden.

Amen.


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