Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von guten Mächten getragen

FREIBERG (Dekanat Ludwigsburg) – Der Freiberger Pfarrer Andreas Bührer von der Amandus-Gemeinde ist zu Fuß nach Rom marschiert – auf seinem persönlichen Pilgerweg der Hoffnung. Nun ist er zurück von seinem 75-tägigen Abenteuer. Auf das hatte sich der evangelische Theologe eingelassen, um ein Zeichen zu setzen und für die Ökumene zu werben. 


Ging zu Fuß ins katholische Rom: der evangelische Pfarrer Andreas Bührer. (Foto: Werner Kuhnle)

Das blütenweiße Armband aus der Pilgerherberge in Valpromaro, das Andreas Bührer immer noch an seinem rechten Handgelenk trägt, ist mehr als nur eine Erinnerung an 75 Tage, an denen das Leben einem anderen Takt gefolgt ist. Es steht auch für die prägende Erfahrung, die der Freiberger Pfarrer auf seinem erlebnisreichen und mitunter recht schmerzhaften Marsch gemacht hat.

Zu Fuß nach Rom. Knapp 1600 Kilometer. Mit einem elf Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken. Begonnen hat das Abenteuer für Andreas Bührer am 6. Juni, einem heißen Sommertag, an dem er von seinem Pfarrhaus losgelaufen ist. In Stuttgart begegnete er Zehntausenden anderer Pilger, die allerdings den Schlussgottesdienst des Stuttgarter Kirchentags auf dem Cannstatter Wasen zum Ziel hatten. „Ich wollte den Schwung des Kirchentags mitnehmen“, erzählt der 50-Jährige.

Seit Jahren schon setzt sich der evangelische Theologe für die Ökumene ein, den Dialog zwischen den christlichen Konfessionen. So sind in Freiberg durch seine Initiative das geteilte Brot und der gemeinsame Kelch zwischen Katholiken und Protestanten immer vertrauter geworden. Um ein Zeichen zu setzen und für die Ökumene zu werben, hat Bührer sich nun den Pilgermarsch erdacht, auf dem er am liebsten von katholischen, orthodoxen oder anderen Geistlichen begleitet worden wäre. „Die Begeisterung fürs Pilgern ist aber offenbar leider nicht bei allen so ausgeprägt wie bei mir“, sagt er.

Ganz alleine laufen musste er freilich dennoch nicht, immer wieder fanden sich auf den einzelnen Etappen neben seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern verschiedenste Begleiter, mit denen er gute und auch kontroverse Gespräche geführt hat. Das Thema war meist vorgegeben, weil der Pfarrer das Motto seiner Mission zuvor auf zwei grüne T-Shirts hatte drucken lassen und so auf der Brust stets bei sich trug: „Pilgerweg der Hoffnung. Jesus lädt alle an einen Tisch.“

Um seine Botschaft auch an offizieller Stelle vortragen zu können, hatte der Pfarrer zudem Begegnungen mit katholischen Würdenträgern vereinbart, im Bistum Rottenburg beispielsweise, in St. Gallen und natürlich im Vatikan selbst. Da wie dort sei er auf viel Verständnis für sein Anliegen gestoßen, erzählt er. So habe ihm in Rom etwa Monsignore Gomez als enger Berater des Papstes auseinandergesetzt, was die römische-katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil alles in diese Richtung unternommen habe. Die Kirchenspaltung sei wie eine Wunde, die langsam zuheilen muss, habe ihm der kolumbianische Geistliche mit auf den Weg gegeben.

Und dann gab es noch jene Begegnungen, die weder planbar noch erklärbar sind. Einmal habe er sich mit dick geschwollenem Knöchel verlaufen, sei zufällig vor einer Kirche gelandet, von einem Belgier in dessen Haus zum Essen eingeladen und von dessen Frau behandelt worden, einer gelernten Krankenschwester. Ganz ähnlich erging es ihm in Valpromaro, einem kleinen Dörfchen, das er mit letzter Kraft und kaputtem Fuß erreichte. An einer Herberge wurde er unvermittelt von zwei Frauen hereingewunken, die Essen auf dem Herd stehen hatten und sich rührend um ihn kümmerten. „In den meisten Herbergen war niemand, in dieser schon, als ich Hilfe gebraucht habe, nicht mehr konnte“, sagt der Pfarrer, für den solche Begegnungen zu jenen Momenten auf seinem 75-tägigen Marsch nach Rom gehören, an denen er von guten Mächten wunderbar getragen wurde.

Auch deshalb trägt er das blütenweiße Armband aus Valpromaro noch immer. Es steht für eine außergewöhnliche Erfahrung, so wie der Pilgerpass voller Stempel und das Testimonium aus dem Vatikan. Zu den Erinnerungsstücken gehört auch eine Einladung zur Generalaudienz bei Papst Franziskus, die er aber verpasst hat, weil er nach schwerem Gewitter zu spät am Petersdom ankam. „Womöglich ein protestantisches Gewitter“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Vieles ist anders gekommen, als erwartet, dafür aber besser, als geplant.“