Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Hohenlohe nach Malawi - Entwicklungshelfer bei Coworkers

PFEDELBACH (Dekanat Öhringen) – „Es war eigentlich nicht geplant, wieder ins Ausland zu gehen“, erzählt Tobias Barth. Doch die Gelegenheit wollte sich der 39-Jährige nicht entgehen lassen. Nach sechs Jahren im beschaulichen Hohenlohe und einem sicheren Job in der Verwaltung zieht es den Bauingenieur als Entwicklungshelfer wieder in die weite Welt.

Tobias und Jessica Barth mit Kindern. Foto: PrivatTobias und Jessica Barth mit ihren 5 gemeinsamen Kindern. Foto: Privat

Die Familie macht einen großen Schritt: Tobias Barth geht gemeinsam mit seiner Frau Jessica und den fünf Kindern Ende August von Pfedelbach-Oberohrn für drei Jahre nach Nkhoma in Malawi. Dort wird er am Ausbau eines Krankenhauses mitarbeiten – als einer von 70 deutschen Entwicklungshelferinnen und -helfern der christlichen Entwicklungshilfeorganisation „Coworkers“. Barth bringt einige Auslandserfahrung mit: Schon nach dem Abitur ging der Pfarrersohn aus dem Stuttgarter Raum nach Uganda, um dort beim Brunnenbau zu helfen. Nach dem Studium folgten Projekte auf den Philippinen und im Tschad. Drei der fünf Kinder, im Alter zwischen zwei und zehn Jahren, kamen im Ausland zur Welt. Zur Geburt des vierten Kindes kam die Familie 2015 zurück nach Deutschland, kaufte ein Haus und wurde „sesshaft“.

Aber als die Organisation „Coworkers“, mit der Barth bereits einen seiner früheren Auslandseinsätze absolviert hatte, Anfang des Jahres 2021 kurzfristig einen Bauingenieur suchte, überlegten er und seine Frau nicht lange: Der Reiz dieser einmaligen Chance und die Möglichkeit, dabei zu helfen, dass Menschen Zugang zu medizinischer Grundversorgung erhalten, überwogen das beschauliche und sichere Leben in der süddeutschen Provinz.

„Ich habe auch hier eine sinnvolle Aufgabe“, sagt Tobias Barth. „Aber das, was ich tue, ist nicht so an den Grundbedürfnissen der Menschen dran wie in anderen Teilen der Welt. Lärm – das ist mein Thema gewesen – ist nervig und schwierig. Aber verglichen mit Lebensverhältnissen etwa in Manila oder eben in Malawi sind das Luxusprobleme.“

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Der ostafrikanische Staat Malawi ist etwa ein Drittel so groß wie Deutschland und hat rund 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Tobias Barth wird im Nkhoma Mission Hospital tätig sein, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Lilongwe entfernt. Die Ursprünge des Krankenhauses gehen auf missionarische Tätigkeiten in der Krankenpflege im Jahr 1889 zurück.

1914 wurde das erste Krankenhaus in Nkhoma errichtet und stetig erweitert. Heute hat es 250 Betten und wird von der Presbyterianischen Kirche betrieben. Aktuell wird das Krankenhaus von der Organisation PAACS (Pan-African Academy of Christian Surgeons, dt. Panafrikanische Akademie Christlicher Chirurgen) zu einem Lehrkrankenhaus ausgeweitet.

Hier sollen Chirurgen nach US-amerikanischem Standard ausgebildet werden. „Es gibt einen großen Mangel an Fachärzten in ganz Afrika“, sagt Tobias Barth. Nun wird er daran mitarbeiten, diesen Missstand zu beheben.

Als Bauleiter wird Tobias Barth dafür verantwortlich sein, das bereits bestehende Krankenhaus um einen Neubau für das Ausbildungsprogramm zu erweitern. Zu seinen Aufgaben wird auch gehören, die Stromversorgung des Krankenhauses sicherzustellen – mit dem Bau einer Wasserturbine und Solarpaneelen. Vor Ort wird er mit lokalen Unternehmen und Handwerkern zusammenarbeiten. Hier wird auch der gegenseitige Wissenstransfer eine wichtige Rolle spielen, damit der Bau langfristig von Ortskräften instandgehalten und gewartet werden kann. „Bei der gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen werde ich selbst sicherlich auch einiges lernen“, ist sich Tobias Barth sicher. In jedem Fall wird er seine Sprachkenntnisse erweitern. „Wir wollen die dortige Sprache Chichewa erlernen“, erzählt er. Bis die Kenntnisse perfektioniert sind, kann sich die Familie auf Englisch verständigen, der Amtssprache Malawis. Im Tschad erlernten er und seine Ehefrau bereits Französisch und ein wenig Tschad-Arabisch.

Die Kinder werden von Jessica Barth im Homeschooling nach dem Programm der Deutschen Fernschule, einer von ehemaligen Missionaren gegründeten Organisation, unterrichtet werden. Damit habe man während Corona schon gute Erfahrungen sammeln können, erklärt der Vater. Er kann den Umständen der vergangenen Monate so etwas Gutes abgewinnen.

Seine Motivation schöpft Barth auch aus seinem Glauben: Er spricht vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter, vom „Nicht daran Vorbeigehen“. Seine früheren Auslandsaufenthalte haben ihm deutlich vor Augen geführt, wie groß die Unterschiede im alltäglichen Leben in verschiedenen Teilen der Welt sind. Er habe ein gutes Elternhaus gehabt, immer genug zu essen, konnte zur Schule gehen und eine Ausbildung machen – für westliche Verhältnisse scheinbare Selbstverständlichkeiten. „Ich sehe mich als privilegiert an und möchte dieses Privileg nutzen, um etwas daraus zu machen“, sagt er bestimmt.

◼ Informationen zum Projekt bei Familie Barth, E-Mail Diebarthfamilie(at)gmail.com