Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Mut und Trost erzählen

STUTTGART – Spielerisch und doch tiefgründig vom Glauben und der Bibel erzählen, das ist der Anspruch des Bibliorama, des Bibelmuseums. Am besten lässt es sich mit einer Führung erkunden. Traudl Reichert ist als ehrenamtliche Führerin von Anfang an dabei.


Traudl Reichert (Foto: Werner Kuhnle)

„Na, was meint Ihr, wo sind wir hier?“ fragt Traudl Reichert in die Runde. Vor ihr sitzen im Halbkreis zwölf Kinder auf Hockern, auch ein paar wenige Erwachsene sind unter den Zuhörern. Woraus die Wände wohl sind? „Heu?“, „Sand?“, „Stoff?“ kommt es mehr fragend von den Kindern zurück. Reichert schüttelt den Kopf und lächelt „Nicht ganz“, sagt sie. „Fell“ ruft einer in die Runde. „Ja genau“, antwortet Reichert. „Die Wände sind aus Fellen von Schafen, wir sind in einem ganz besonderen Zelt“, erklärt sie. Denn oben sieht man den Sternenhimmel. Wer wohl in diesem Zelt wohnt? Diesmal sind die Kinder schnell: „Sara und Abraham“, ruft ein Junge. „Toll, woher weißt du das?“ Das war einfach: „Steht ja an der Wand.“ „Na, wer lesen kann, ist auch hier klar im Vorteil“, kommentiert Reichert, lacht und schlüpft abwechselnd in die Rollen von Abraham und Sara. 

An diesem Samstagnachmittag sind im Bibliorama drei Führungen zur selben Zeit. Denn die Kirchengemeinde Bisingen aus dem Dekanat Balingen hat ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitsamt Familien zu einem Ausflug eingeladen. In dem kleinen Museum muss ein bisschen jongliert werden, um drei Führungen unterzubringen, die Besucher wollen die Erklärungen ja auch verstehen können. Doch damit haben Traudl Reichert und ihre ehrenamtlichen Kollegen Erfahrung. So ist eine Gruppe in einem Nebenraum, während die beiden anderen möglichst weit voneinander entfernt stehen oder sitzen. 

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Traudl Reichert ist im Bibliorama tätig, seit es das Museum gibt, also seit 2015. Für den Ruhestand suchte sie nach einer Aufgabe und fand sie hier. Reichert besuchte einen Kurs, in dem die Museumsführer geschult wurden und entwickelte selbst Rundgänge. Am liebsten geleitet sie, die ehemalige Lehrerin, Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung. Jungen Leuten nahezubringen, was für Christen wichtig ist, und „dass die Bibel etwas mit uns und unserem Leben heute zu tun hat“, ist ihre Motivation. Auch will sie vermitteln, welchen Trost und welche Ermutigung die biblischen Geschichten bereithalten.

Die unterschiedlichen Gruppen reagieren ganz verschieden auf das Museum. Viele sind begeistert. Aber: „Ich hatte auch schon Theologiestudenten da, für die war das Bibliorama ein besserer Spielplatz und zu oberflächlich“, erzählt Traudl Reichert. „Klar, kann man das so sehen“, gibt sie zu. Doch was brauchen die Menschen heute, fragt sie. „Die meisten sind keine Bibelkenner. Hier kann man Impulse für den Glauben setzen“, sagt Reichert. 

Ihr gefällt, dass sie selbst bestimmen kann, wie viele Termine sie in der Woche hat. Mittlerweile ist sie gar nicht mehr so häufig im Museum. Denn sie arbeitet nun auch konzeptionell an neuen Führungen, beispielsweise einer für Kindergottesdienst-Kinder oder auch eine spezielle zu den Psalmen. Traudl Reichert liebt den Austausch mit den anderen Museumsführern. Die treffen sich alle sechs Wochen, bekommen selbst immer wieder Fortbildungen und machen auch mal Ausflüge zusammen. Am Schönsten aber ist es für Traudl Reichert, wenn ihr Kinder zum Abschluss einer Führung sagen, was sie zu Hause vom Bibliorama erzählen werden. „Da kommt so viel zurück“, sagt sie, und ihre Augen strahlen dabei.

Ende März startet ein neuer Kurs für Museumsführer. Informationen unter Telefon 0711-229363-484