Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Psalm zu Psalm - Bibelwege in Heimsheim

HEIMSHEIM (Dekanat Leonberg) – Auf der einen Seite der Stadt Stationen zu Psalmen, auf der anderen Seite Stationen zu Tieren: Gleich zwei Bibelwege hat die Kirchengemeinde Heimsheim entwickelt. Dazu kommt noch ein Bibelgarten im Stadtzentrum. Wer alles besucht, kann nicht nur etwas über das Buch der Bücher lernen, sondern auch über sich selbst.

Serie - In der Serie „Rauskommen“ stellen wir schöne, spirituelle und informative Wanderwege vor.

Teil 58: Die Bibelwege von Heimsheim.

Heimsheim - Die Stadt liegt rund 15 Kilometer südlich von Pforzheim inmitten des Heckengäus.

 

König David wartet am Friedhof. Zumindest sein Bildnis mit der Harfe, das Logo für den großen Heimsheimer Bibelweg. Auf dem Schild wird die Strecke skizziert, es wird erklärt, was ein Psalm ist – und dann kann es auch schon losgehen, rund um Heimsheim und gleichzeitig von Psalm zu Psalm.

Heimsheim ist eine Stadt der Bibel. Zumindest, was die öffentliche Präsenz des Buchs der Bücher im Ort angeht. In den vergangenen Jahren haben die Kirchengemeinde und ihr damaliger Pfarrer Christian Tsalos einiges aufgebaut. Da gibt es den großen Bibelweg mit elf Stationen, der in zweieinhalb Stunden fast in einem Rundkurs durch die Landschaft um die Stadt führt. Da gibt es auf der anderen Seite der Stadt den kleinen Bibelweg, der von Tieren der Bibel erzählt und vor allem für Familien mit Kindern geeignet ist. Und dazwischen, mitten im Stadtzentrum, gibt es auch noch einen Bibelgarten.

Aber eins nach dem anderen. Vorerst folgt der Wanderer erst einmal dem Logo mit König David. Vorbei am Friedhof und am Rande eines Wohngebiets, eine Zeitlang misstrauisch beäugt von einer grauweißen Katze. Es ist sonnig, Vögel zwitschern, zwei Spaziergänger sind mit drei Hunden unterwegs. Sonst ist niemand zu sehen.

Bald kommt die erste Station – die Info-Tafel hängt am Rande eines Neubaugebiets, unter einem „Durchfahrt verboten“-Schild. Dort steht ein Ausschnitt aus Psalm 121 („Ich schaue hoch zu den Bergen“), mitsamt Worterklärungen. Was schon hier und auch später auffällt: Die Macher des Bibelwegs verwenden die Übersetzungen der Basisbibel. Unterhalb der Bibelweg-Tafel an dieser Station hängt ein weiteres Schild: „Hier blüht es für Bienen, Hummeln & Co.“ steht darauf. Passend zum Psalm, der den Schöpfer feiert.

Ein kleines Stück weiter, nächstes „Durchfahrt verboten“-Schild, darunter die nächste Bibelweg-Tafel. Diesmal geht es um Psalm 49 und um das Thema „Geld“. Dahinter erhebt sich ein Neubaugebiet. Der Bibelweg führt nun aus Heimsheim hinaus.

Der Himmel ist strahlend blau an diesem Vormittag im Spätsommer – oder, den Temperaturen nach, eher Frühherbst. Von der Höhe hat man einen weiten Blick, es sind kaum Geräusche zu hören. Obwohl der Ort immer noch in Sichtweise ist, ist der Wanderer weitgehend allein mit sich und der Schöpfung. Und ab und an gibt es einen Impuls vom nächsten Schild des Bibelwegs. An einem Gebüsch geht es um Psalm 8 und die Menschenwürde, an einer Wegkreuzung um Psalm 139 und die Bewahrung durch Gott.

Bibelweg Heimsheim. Foto: Martin JanottaFoto: Martin Janotta

An einem besonders passenden Ort aufgestellt ist die fünfte Station des Bibelwegs. Eine Gruppe Bäume, fast ein kleiner Hain, umringt die Tafel, auf der es um Psalm 36 geht, die „Quellen des Lebens“. Zwischen den schattigen Bäumen lädt eine Bank zum Sinnieren ein. Gestiftet ist sie allerdings nicht von der Kirchengemeinde, sondern von den örtlichen Landfrauen.

Nach der Überquerung einer größeren Straße geht es noch ruhiger weiter als zuvor, erst zum nächsten Schild (Psalm 71) und dann vorbei an kleinen Gärten, einer Mauer aus dem für die Region typischen roten Stein und an einem Bolzplatz, wo neben zwei Toren auch ein Kreuz steht. Die Schilder des Bibelwegs sind gut platziert, oft gerade an den Stellen, wo die Wanderer sonst rätseln würden, wo es weitergeht. So auch bei der siebten Station, die sich dem Psalm 23 widmet. Bei diesem bekanntesten aller Psalmen hätte mancher vielleicht doch gerne die vertrauten Worte Luthers gelesen. Aber auch hier folgt der Weg der Basisbibel.

Es geht eine der wenigen Steigungen des Wegs hinauf, durch ein kleines Waldstück zur achten Station (Psalm 96). Der Blick geht wieder in die Weite, eine Hütte trägt den passenden Namen „Schutzhütte an der schönen Aussicht“. Im nächsten Waldstück wartet die neunte Station (Psalm 103). Nach der zehnten Station, die sich den Engeln und Psalm 91 widmet, geht es – streckenmäßig – nur noch bergab, mit Blick auf Heimsheim, in der Mitte die Kirche und das massive, aus rotem Stein gebaute Schloss.

Genau dorthin führt der Bibelweg. Zwar ist die nominell letzte Station schon zuvor an der katholischen Kirche – Schild 11, wo es um Psalm 90 und die Lebenszeit geht – aber der eigentliche Endpunkt ist der Heimsheimer Bibelgarten. Denn hier, unweit von Kirche und Schloss, hat die Gemeinde eine kleine Oase mitten im Ort geschaffen. Mit biblischen Pflanzen, bunten Skulpturen und Bildern, kleinen Schaukästen mit biblischen Geschichten im Playmobil- oder Bibelfiguren-Format sowie einer Schaukel und vielen Bänken zum Verweilen. Ein guter Ort, um sich kurz zu stärken.

Bibelweg Heimsheim. Psalm 23. Foto: Martin Janotta

Wofür? Na, für den zweiten Bibelweg. Den mit den Tieren der Bibel. Am anderen Ende der Stadt, bei den Sportanlagen, geht er los. Teilweise überlappend mit dem vorbeilaufenden Hugenotten- und Waldenserpfad. Kürzer und landschaftlich weniger abwechslungsreich als der große Bibelweg, aber voller spannender Infos ist der kleine Bibelweg. Schlange, Hahn, Heuschrecke, Rabe, Löwe, Walfisch, Taube, Esel, Kuh, Schaf – alle sind hier versammelt, zumindest auf den Schildern, die Kühe als einzige auch real. An jedem Schild gibt es nicht nur Wissenswertes zu den Tieren und der jeweiligen Bibelgeschichte, sondern auch eine Frage zum Weiterdenken. „Wem kannst du helfen?“, steht beim Esel und dem barmherzigen Samariter. „Hast du auch einen Ort, der wie eine sichere Arche ist?“, heißt es bei der Taube und der Noah-Geschichte. Und „Hast du dich schonmal verloren gefühlt? Gab es jemand, der dich gefunden hat?“, lautet die Frage auf dem Schild zum Gleichnis vom verlorenen Schaf. Fragen, bei denen es sich nicht nur für Kinder lohnt, darüber nachzudenken. □

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Die Bibelwege in Heimsheim sind frei begehbar, auch der Bibelgarten ist frei zugänglich. Beide Strecken verlaufen auf asphaltierten Wegen. Der große Bibelweg mit den Psalmen ist in rund zweieinhalb Stunden begangen, der kleine Bibelweg mit den Tieren in etwa 45 Minuten. Mehr unter www.bibelweg.de