Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Träumen und Taten - Weltgebetstag der Frauen

Beim Weltgebetstag am 6. März steht Simbabwe im Mittelpunkt. Karin Schmauder war mit einer Reisegruppe vor Ort. Sie hat dort zusammen mit anderen deutschen Frauen einige Gemeinden und Projekte besucht, die von kirchlichen Trägern unterstützt werden.

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Leticia hat ein Modelabel gegründet. Foto: Karin Schmauder

Es sind die Begegnungen mit den Menschen in Simbabwe, die Karin Schmauder bewegen. Auch Monate nach ihrer Reise in das afrikanische Land. Gogo beispielsweise, eine 67-jährige Frau, die sieben Aids- und Sozialwaisen in ihre große runde Hütte aufgenommen hat und mit ihnen dort gemeinsam wohnt. In der Mitte ist die Küche, nebenan steht noch eine kleine Schlafhütte mit einem Doppelbett, daneben ein kleiner Schrank, ein Fahrrad. Dort schlafen sie zu acht. Aber für Gogo istes selbstverständlich, dass sie den Kindern und Jugendlichen ein Zuhause bietet. Wie sie das finanziert? Zwei Monate im Jahr geht sie schilfartiges Gras schneiden. Dieses verkauft sie an Menschen, die damit die Dächer ihrer Hütten decken.

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Gogo mit Waisenkindern. Patenkind Joline (ganz rechts) möchte Managerin werden. Foto: Karin Schmauder

Dass es so viele Sozialwaisen gibt, lässt sich auf ein Phänomen zurückführen: „Viele Eltern gehen nach Südafrika, um dort zu arbeiten. Sie lassen nichts zurück, und man weiß auch gar nicht, ob die Eltern je wieder nach Simbabwe zurückkehren“, sagt Karin Schmauder.

Auch ihre afrikanische Patentochter Joline (11) lebt bei Gogo auf dem Land. Schmauder hat sie danach gefragt, was sie denn später mal beruflich machen möchte. „Managerin“, kam da prompt zurück. Und genau das ist es, was Karin Schmauder so liebt an den Menschen im Weltgebetstags-Land. „Sie haben Ziele, Wünsche und Träume. Und sie sind motiviert, diese auch umzusetzen“, sagt Schmauder. Sicher gebe es ebenso Menschen, die ohne Ziele lebten, aber sie habe auf ihrer Reise eben viele kennengelernt, die Träume haben.

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Aus wenig wird etwas gemacht

Wie beispielsweise die jungen Mütter bis zum Alter von 25, die in Bulawayo, einer Stadt im Südwesten,  eine Koch-Ausbildung machen. Sie haben nebenher auch Bibelunterricht und nach drei Monaten schließt sich ein Betriebspraktikum von einem halben Jahr an. Zum Abschluss müssen sie eine Prüfung ablegen. Die kostet Geld, das viele der Schülerinnen gar nicht haben. An dieser Stelle springt die Hilfsorganisation „precious life“ ein. Und so träumt so manche der Frauen davon, irgendwann vielleicht sogar ein eigenes Restaurant eröffnen zu können.

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Catering Schülerinnen bei der Arbeit. Foto: Karin Schmauder

„Simbabwe ist auf der einen Seite ein unwahrscheinlich reiches Land“, sagt Karin Schmauder. Es ist beispielsweise reich an Bodenschätzen. Doch andererseits ist es auch sehr arm: So liegt die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent. „Wenn ich an das Armenviertel in Harare denke, da könnte ich noch heute heulen“, sagt Schmauder. In all dem Elend hat sie allerdings gerade dort Hoffnung entdeckt: „Die Leute machen aus Nichts noch Etwas. Zum Beispiel Flipflops aus Autoreifen.“ Die meisten Menschen ließen sich einfach nicht unterkriegen.

Sich nicht unterkriegen zu lassen ist das eine, rechtliche Voraussetzungen und gesellschaftliche Traditionen das andere. Besonders für Frauen auf dem Land sei es nicht einfach, ein selbstbestimmtes Leben zu leben. Denn traditionell seien gerade die Frauen auf dem Land dazu verpflichtet, sich um Haus, Hof und Garten zu kümmern. Ihre Männer gehen in die Nachbarländer oder nach Südafrika zum Arbeiten und haben dort meist noch eine andere Frau; ab und zu lassen sie sich zu Hause blicken. Oder auch nicht. Die Hausarbeiten, Feuerholz machen, Wasser beschaffen, kochen, sind ohnehin Frauenarbeit. Wenn sich die Frauen mit Korbflechterei oder anderen Tätigkeiten etwas hinzu verdienen, geht das Geld automatisch an den Ehemann. Es gibt keine gesetzliche Güterregelung, „den Frauen gehören die Kochtöpfe“, sagt Karin Schmauder.

Meist zahlten die Frauen für den Lebensunterhalt, die Männer die Vermögensgegenstände. Was im Falle der Scheidung durchaus bedeutet, dass die Frauen fast nichts mehr besitzen. Hinzu kommt, dass es neben den beiden gesetzlich festgelegten Formen der Ehe – der polygamen und der monogamen – auch die rechtlich nicht bindende traditionelle Form der Ehe gibt. Letztere wird nicht registriert, stattdessen wird ein Brautpreis gezahlt. Weil diese Form der Ehe gar nicht gesetzlich geregelt ist, können die Frauen auch vor Gericht nichts einfordern.

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Karin Schmauder mit Schülerinnen aus Bulawayo. Foto: Karin Schmauder

In der Stadt sei das Leben für Frauen freier, hat Karin Schmauder beobachtet. Wenn es ihnen gelingt, eine Arbeit zu finden, haben sie mehr Möglichkeiten, arbeiten als Lehrerinnen oder sind im Krankenhaus tätig. Aber das mit dem Job ist so eine Sache, denn viele Frauen finden keinen. Da kommen Selfmade-Frauen wie Leticia gerade recht. Sie hat ein eigenes Modelabel gegründet, näht zusammen mit einem Schneider und einer Schneiderin neben selbst entworfener Mode auch Hotelund Schuluniformen. Dafür müsse sie hart arbeiten, aber sie sei glücklich, hat sie Karin Schmauder erzählt.

Auch Patricia, eine Frau vom Land, hat ihren Weg gefunden. Sie stellt aus Kräutern Kosmetik, Pflegeprodukte oder Tees her, gibt Kurse zur Seifenherstellung oder dazu, was man mit Kräutern alles so anstellen kann. Zusammen mit ihrem Mann will sie eine eigene Firma gründen.

Ein ganz anderes Thema ist die medizinische Versorgung im Land. „Die Krankenhäuser besitzen fast kein Material. Die Menschen müssen es selbst mitbringen“, sagt Karin Schmauder. Beispielsweise so einfache Dinge wie Verbandsmaterial.

Insgesamt gehe es im Land nicht gerade bergauf, sondern eher bergab. Die Inflation steigt. Dass sich unter dem Präsidenten Emmerson Mnangagwa, seit 2017 Nachfolger von Robert Mugabe, etwas ändert, glauben die wenigsten der Menschen, die Karin Schmauder in Simbabwe getroffen hat. Darum versuchten die Menschen, sich selbst zu helfen, auch wenn sie kaum Mittel dazu haben.

Harare, Hauptstadt Zimbabwe, Foto: Karin Schmauder

Simbabwe, Hauptstadt Harare. Foto: Karin Schmauder

Beispielsweise auf der „Friendship Bench“, der Bank der Freundschaft. Ein Projekt in der Hauptstadt Harare, auf dem Gelände einer ehemaligen Botschaft. In einem Raum sind entlang der Wand Bänke aufgestellt. Frauen treffen sich dort nicht nur zum Reden, sondern auch zum gemeinsamen Häkeln. Das Material: Bänder aus Audio-Kassetten oder Plastikstreifen. Daraus werden Handtaschen. Es gibt einen Garten, in dem die Frauen Gemüse für den Verkauf anbauen. Geleitet wird das Projekt von Frauen, die extra dafür ausgebildet wurden, zuzuhören und andere Menschen zu beraten.

Und nicht zuletzt sind die Kirchen zu nennen als Orte der Hoffnung. Hier wird nicht nur gemeinsam Gottesdienst gefeiert, sondern meist auch noch zusammen gegessen. Die Männer stehen am Grill, die Frauen kochen, die Kinder spielen. Die Hoffnung, sie lebt.

Information

„Steh auf und geh“, so lautet das Motto des Weltgebetstags am 6. März 2020

Frauen aus Simbabwe haben den Bibeltext aus Johannes 5 ausgelegt. Bei der Heilung eines Kranken sagt Jesus zu diesem: „Steh auf! Nimm deine Matte und geh!“

Über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg engagieren sich Frauen seit über 100 Jahren für den Weltgebetstag. In der Esslinger Franziskanerkirche ist vom 1. bis 13. März eine Ausstellung mit zeitgenössischen Skulpturen aus Simbabwe zu sehen. Montags bis samstags ist die Ausstellung von 10 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr.

Den Weltgebetstag finden Sie im Internet:weltgebetstag.de

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