Christliche Themen für jede Altersgruppe

Warmer Platz für Wohnungslose

HEILBRONN – Für viele Menschen, die auf der Straße leben müssen, ist der Winter eine problematische Zeit. Einige von ihnen erfrieren in diesen kalten Nächten, andere werden von Hilfsorganisationen wie der Heilbronner Aufbaugilde in deren Erfrierungsschutzprogramme aufgenommen und können dann wenigstens in warmen Räumen übernachten.


Nicht alle Obdachlose möchten in Gemeinschaftsräumen schlafen - viele übernachten lieber im Freien.
(Foto: epd-bild)


Walter Gunder mag in solchen Gemeinschaftsräumen nicht schlafen. „Ich bin ein Einzelgänger und brauche meine Ruhe“, sagt er.  Er macht lieber „Platte“ und übernachtet draußen im Freien. „Da habe ich meine Ruhe“, lautet seine Meinung. Und weil der Wohnraum in Heilbronn wie in anderen Großstädten des Landes knapp ist – im Stadt- und Landkreis Heilbronn fehlen laut einer aktuellen Studie des Prognos-Instituts 4500 Wohnungen – hat sich die Aufbaugilde für eine andere Lösung entschieden.

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Man hat mit einem Zimmereibetrieb kleine Modulhäuschen entwickelt, die von ein bis zwei Personen bewohnt werden können. Vorbilder waren dabei die in den USA erfundenen „Tiny Houses“. Sie bieten auf engstem Raum alles, was der Mensch so zum Leben braucht „Damit schaffen wir Wohnraum, der so dringend benötigt wird,“ so Hans Albrecht Finkbeiner, Geschäftsführer der Aufbaugilde Heilbronn.

Derzeit wohnt Walter Gunder in einer der Neuanschaffungen zur Probe und ist ganz glücklich in seiner neuen Bleibe. Heute hat er es sich auf dem kleinen Herd, etwas hinter dem Bett, Würstchengulasch mit Nudeln gekocht. Sein Mittagessen nimmt er normalerweise immer beim Gildetreff ein, dem Treffpunkt für Wohnungslose in Heilbronn, betrieben von der Aufbaugilde.

Steht etwas auf dem Speiseplan, was ihm nicht schmeckt, dann schaltet er den kleinen Herd in seinem neuen Heim ein und kocht selbst. Das schmeckt immer.

Teure Lebensmittel muss Walter Gunder sich dafür nicht kaufen, denn „ich bin immer freundlich zu den Leuten und deshalb geben sie mir auch immer etwas. Ich habe da meine Stellen, wo ich mal eine Wurst, mal was anderes zum Essen bekomme.“

In seinem Häuschen darf er nicht rauchen. „Aber mein Bier darf ich hier drinnen schon trinken“, sagt er augenzwinkernd. Bei dem Wohnprojekt, an dem Walter Gunder teilnimmt, handelt es sich um einen Modellversuch, der vom Spendenfonds der Diakonie in  Württemberg unterstützt wird. Die Fragestellung dabei: Eine kleine Hütte mit Dusche, Küche, Toilette auf etwa zehn Quadratmetern – ist das eine Lebensform für Menschen mit kleinem Geldbeutel?

Walter Gunder, der sich liebevoll um sein Würstchengulasch kümmert, scheint ein lebender Beweis dafür zu sein, dass das funktionieren kann. Darum will die Heilbronner Aufbaugilde ein Musterhäuschen auf der Bundesgartenschau zeigen, die dieses Jahr bekanntlich in Heilbronn stattfindet.

Vom 17. April bis 6. November zeigt sie nicht nur Blumen, sondern auch neue Wohnformen. Sie ist die erste Bundesgartenschau, die einen neuen Stadtteil begründet und in Teilen sogar bewohnt ist. Als Ausdruck eines der drängendsten Probleme der Zeit: des Mangels an Wohnraum.