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Warum wir alle gerne lachen

Worüber wir lachen – und wieso Lachen Leib und Seele wohltut: Marianne Waas-Frey mit einem Streifzug durch die weite Welt des Humors – und ein Versuch, dem Komischen auf die Schliche zu kommen

Bild: Picture-Alliance, dpa

Humor vor allem“, kam es prompt von meiner damals 18-jährigen Nichte Lara, als ich sie vor Jahren fragte, welche Eigenschaften sie von ihrem Zukünftigen erwarte. „ Also witzig soll er sein und gern lachen.“

Doch was versteht man unter Humor? Warum lachen wir so gern? In einem Satz lässt sich das nicht erklären, weil der Humor zweierlei ist: zum einen Komik in vielen Spielarten wie Witz, Satire oder Ironie, und zum anderen auch als Lebensart. Auf Komisches reagieren wir mit Lachen. Ob laut oder leise, schallend oder verhalten, verschämt oder verschmitzt – Lachen gehört zu unserem Leben, ob wir „gut zu lachen“ oder „nichts zu lachen“ haben.

17 Muskeln lassen uns lachen

Nach der wissenschaftlichen Definition des Lexikons ist Lachen „eine Modifikation der Atembewegungen, bei der die Atmung in mehreren hintereinander folgenden Stößen ausgeführt wird, während die Einatmung kontinuierlich in etwas beschleunigten Zügen erfolgt; die Gesichtsmuskeln – insgesamt 17 – werden dabei zusammengezogen, wobei eine Verbreiterung des Mundes entsteht und die Mundwinkel etwas angehoben und gleichartige Laute ausgestoßen werden, also zum Beispiel „hihihihi“ oder „hohohoho“.

Wie nüchtern wird hier eine der schönsten Formen menschlicher Kommunikation beschrieben, eine Sprache, die ohne Worte verbindet! Welches Entzücken der Eltern, wenn sie, über das Baby in der Wiege gebeugt, erstmals erleben: “Es hat gelacht!“ Wie schön, wenn die Kinder bei ihren Spielen lachen – was sie übrigens bis zu 400-mal am Tag schaffen. Wie gut eine Beziehung, wenn die Partner bei einem Zwist plötzlich zusammen lachen. Lachen ist Ausdruck des Wohlbefindens, der Sympathie, der Lebensfreude.

Auch ohne komischen Anlass

Der Kern der Komik: Die Macht der Ohnmächtigen. Was aber ist komisch? Wenn es nicht so kommt, wie man denkt. Ob im Verhalten oder Gespräch – der Witz, die Satire, die Komödie, die Comedy-Show eben von solchen Missverhältnissen oder -verständnissen.

„Anne“, sagt die Freundin, „dein Mann beklagt sich, dass er ein Hundeleben führt.“„Stimmt“, bestätigt die Freundin. „Er kommt mit dreckigen Schuhen ins Haus, macht es sich vor der Heizung bequem, knurrt herum und lauert auf sein Essen.“ Die meisten Witze sind nach diesem Muster gestrickt. Egal, ob sie Länder, Volksgruppen, Religionen, Blondinen, Berufe oder sogar die Mächtigen auf die Schippe nehmen. Dabei verstehen es viele Menschen jüdischen Glaubens mit ihrer ausgeprägten Selbstironie am besten, solche Witze zu erzählen. „Ein Jude kommt zu einem Metzger, zeigt auf einen Schinken in der Auslage und sagt: „Ich hätte gerne diesen Fisch.“ Aber das ist doch ein Schinken“, sagt der Metzger. Der Jude darauf: „Habe ich Sie gefragt, wie der Fisch heißt?“

Das 20. Jahrhundert hat mit den „Flüsterwitzen“ eine besondere Art von Witzen hervorgebracht. Die unter der Willkürherrschaft der Sowjetunion des NS -Staates und der DDR leidenden Bürger ließen mit Witzen ihrem Frust über Unterdrückung und Versorgungsengpässe freien Lauf. Die „Fragen an Radio Eriwan“ stehen für das Unbehagen an der sozialistischen Realität. In der DDR erzählte man sich: Der Staatsratsvorsitzende Honecker und der Minister für Staatssicherheit Mielke unterhalten sich über ihre Hobbys. Honecker: „Ich sammle alle Witze, die über mich im Umlauf sind.“ Darauf Mielke: „Da haben wir ja fast das gleiche Hobby. Ich sammle nämlich alle, die sie in Umlauf bringen.“

In Nazideutschland klang das so: Paul:„Was gibt es für neue Witze?“ Otto: „Sechs Monate Dachau.“ Über Witze zu lachen, war gefährlich. Denn gegen Ende des Dritten Reiches konnte schon auf das Erzählen von Hitler-Witzen als Wehrkraftzersetzung das Todesurteil stehen. Gegen den Wiener Schauspieler Fritz Muliar wurde solch ein Urteil verhängt, aber zur „Frontbewährung“ in einer Strafkompanie umgewandelt. Zum Glück überlebte er.

Humor hat kein Verfallsdatum

Gute Witze halten sich oft über Generationen hinweg, weil sie in immer neuer Verkleidung daherkommen. Manch eine pfiffige Pointe, die ich schon aus der Jugend kannte, ist mir später in Häschen-, Irren- und Ostfriesenwitzen wieder begegnet. Akteure und Tatort wechselten – der Kern, die überraschende Wendung blieb. Gute Komik hat eben kein Verfallsdatum: Der Kult-Sketch „Dinner for one“, seit fünf Jahrzehnten am Silvesterabend ein „Muss“, zeigt es. Und auch Komödien oder Schwänke aus längst vergangener Zeit wirken noch. Über Shakespeares heitere Stücke wird weiter herzlich gelacht. Oder über den Komiker, der sein Publikum so begrüßte: „Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen!“ Seine Wortspielereien und -verdrehungen begeistern nach wie vor: „Fährt der alte Lord fort, fährt er nur im Ford fort...“ oder „Zähne hoch, beiß dich doch zusammen!“ Immer noch erzielen Loriots Sketche in den TV-Programmen hohe Einschaltquoten. Der Meister der Situationskomik – „Komisch ist alles, was scheitert“ –. hat sich im Alltag umgesehen, die Leute scharf beobachtet: die Unversöhnlichen: „Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht“, die Begriffsstutzigen: „Sie haben da etwas“, die Emanzipierten „Da hab ich was Eigenes. Da hab ich mein Jodel-Diplom.“ Wer bei all dem nicht lachen kann, braucht wohl eine Therapie.

Allen Ernstes: Lach-Therapie nützt!

Es gibt diese in der Tat. Längst haben Mediziner und Psychologen festgestellt, dass Lachen gesund ist. Es soll das Immunsystem aktivieren, Schmerzen lindern, den Stoffwechsel anregen und die Leistungsfähigkeit steigern. Und natürlich tut es auch der Psyche gut. Deshalb gibt es inzwischen auch Lachtherapien und Lachclubs. Da wird dann neben Atemgymnastik und Entspannungstechnik künstliches Lachen geübt, so lange, bis es von selbst zum echten Lachen wird. Und weiter wird geübt und geübt. Danach gilt dann: Täglich mehrmals lachen, damit das körperliche und seelische Wohlbefinden anhält.

Und wenn es aber mit oder ohne Therapie doch nicht zum Lachen reicht, dann versuche man es einmal mit einem Lächeln, der kleinen Schwester des Lachens. Wie wohltuend, wenn im Stau aus dem Auto nebenan ein Lächeln herüberkommt, das “Mahlzeit!“ des Kollegen von einem Lächeln begleitet wird oder die Kassiererin im Supermarkt kurz lächelnd zu uns hoch schaut. Lächeln verbindet, bringt Wärme in den Alltag, verscheucht sein Grau. Charly Chaplin hat schon recht: „Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag.“

Wie die Lebenskraft des Lachens hilft

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Der Satz des Schriftstellers Otto Julius Bierbaum, längst zum Sprichwort geworden, meint den Humor als Lebensart, ja Lebenskunst. Doch solcher Humor ist nicht jedem gegeben – man muss ein bisschen weise dafür sein, loslassen können, sich selbst nicht zu sehr ernst nehmen. Aus dieser Haltung wächst die Kraft, gegen die Widrigkeiten des Lebens, gegen Angst, Bedrohung und Leid ein Lächeln, ein Lachen zu setzen. Drastisch zeigt sich das im Galgenhumor: Der Henker begleitet einen Verurteilten zum Galgen. Es stürmt und regnet in Strömen. Da sagt der Verurteilte zum Henker: „Sie tun mir leid! Sie müssen bei diesem Wetter auch noch zurückgehen.“ Liebenswürdiger erklärt Wilhelm Busch den Humor. Der Melancholiker, der Generationen mit seinen Gedichten und Geschichten zum Lachen brachte und bringt, lässt den „Vogel auf dem Leim“ angesichts der tödlichen Gefahr durch den nahenden Kater einfach „lustig pfeifen wie zuvor.“ (siehe unten).

Übrigens: Nach Jahren habe ich meine dann längst verheiratete Nichte Lara gefragt, ob ihr Mann denn auch Humor habe. Strahlend erwiderte sie: Wir lachen gern und oft zusammen!“ Welch ein schöner Beweis für eine geglückte Beziehung!

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

– Wilhelm Busch –

Humor des Glaubens:

Selig sind die Lachenden