Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was am Bischofsamt reizt - Drei Kandidaten im Fokus

So viele Gäste hat Heidrun Lieb selten. Vor wenigen Tagen begrüßte die Moderatorin von „Alpha & Omega“ die drei Kandidaten für das Amt des Landesbischofs. Der Dreh fand im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart statt – 27 Minuten und 30 Sekunden auf einen Rutsch.

Alle im Blick: Eine der Kameras ist auf die drei Kandidierenden und Moderatorin Heidrun Lieb gerichtet. Foto: Julian RettigAlle im Blick: Eine der Kameras ist auf die drei Kandidierenden und Moderatorin Heidrun Lieb gerichtet. Foto: Julian Rettig

Für einen Freitagmittag herrscht im Ökumenischen Medienladen in Stuttgart ungewöhnlicher Trubel: Fünf Männer von „Regio TV“ bauen ihre Technik auf. Schwarze Tücher teilen den Raum, der von großen Scheinwerfern ausgeleuchtet wird. Kameras sind auf vier Stühle gerichtet. Gleich wird hier die „Alpha & Omega“-Sendung zur Bischofswahl aufgezeichnet. Mit seinen Bücherwänden bietet der helle Medienladen ein stimmungsvolles Ambiente.

Viola Schrenk, Gottfried Heinzmann und Ernst-Wilhelm Gohl werden sich am 17. März in der Landessynode zur Wahl stellen. Heute Nachmittag stellen sie sich dem Fernsehpublikum und den Fragen von Moderatorin Heidrun Lieb. Redakteurin Juliane Eberwein vom Evangelischen Medienhaus hat sich mit ihren Kollegen überlegt, welche Themen die Zuschauerinnen und Zuschauer im Vorfeld der Bischofswahl besonders interessieren könnten. Schließlich wird die Bischöfin oder der Bischof zehn Jahre lang die Geschicke der Landeskirche in Württemberg mitbestimmen.

„Alpha & Omega“ wird aufgezeichnet, aber unter Live-Bedingungen. „27:30“ zeigt die große Uhr, die im Blickfeld von Heidrun Lieb steht. 27 Minuten und 30 Sekunden haben die Moderatorin und ihre Gäste Zeit. Bevor es losgeht, gibt Regisseur Jörg Wegner noch ein paar Tipps, damit alle sich gut in Szene setzen: zu demjenigen blicken, der gerade spricht, sich aber nicht zu sehr auf dem Drehstuhl bewegen und auch nur Wasser trinken, wenn man nicht an der Reihe ist.

„Geht’s Ihnen gut?“, fragt Heidrun Lieb ihre Gäste vor Beginn der Aufzeichnung. Und dann legt sie los. Zügig formuliert sie Frage um Frage, reihum, so dass jeder der drei etwa gleich viel Redezeit erhält. Denn schließlich soll das Fernsehpublikum einen Eindruck von der Persönlichkeit und den Positionen der Kandidierenden bekommen.

Wie wollen sie die gesellschaftliche Spaltung überwinden? Wie halten sie es mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare? Worum wollen sie sich als Bischöfin oder Bischof besonders kümmern? Wie lassen sich junge Menschen einbinden? Und schließlich: „Blicken wir zehn Jahre nach vorne: Was wollen Sie erreicht haben?“ Heidrun Lieb kann in der kurzen Zeit viele Themen anreißen, denn Ernst-Wilhelm Gohl, Viola Schrenk und Gottfried Heinzmann antworten kurz und prägnant. Was sie antworten, ist in „Alpha & Omega“ zu sehen.

◼ Die Sendung ist am 26. Februar um 15.30 auf Regio TV zu sehen und auf www.kirchenfernsehen.de

 

Viola Schrenk, Ernst-Wilhelm Gohl und Gottfried Heinzmann stellen sich am 17. März zur Wahl. Sie möchten Landesbischof oder Landesbischöfin werden. Das Gemeindeblatt hat ihnen einige Fragen gestellt, die sie in dieser und den folgenden beiden Ausgaben beantworten

Ernst Wilhelm Gohl. Foto: PressebildErnst-Wilhelm Gohl

Was reizt Sie am Bischofsamt?

Dasselbe wie auch sonst im Pfarrdienst: Die Weitergabe des Evangeliums in Wort und Tat. Pfarrdienst bedeutet öffentliche Wortverkündigung – das hat eine seelsorgerliche Dimension, aber ebenso eine gesellschaftlich-öffentliche. Im Ulmer Kirchenbezirk, wo ich seit 16 Jahren als Dekan Verantwortung trage, bilden sich viele dieser Themen ab: Ländlicher Raum, demographischer Wandel, zunehmende Individualisierung, das Miteinander in der Ökumene und der Dialog der Religionen. Ich erlebe, dass Veränderungen nicht bedrohlich sein müssen. Eine Kirche in der Tradition der Reformation geht solche Veränderungsprozesse zuversichtlich an. Dazu will ich beitragen.

Foto: Pressebild

Was wollen Sie als Bischof oder Bischöfin zuerst angehen?

Angesichts des starken Gegenwinds, dem sich die Kirchen gegenwärtig ausgesetzt sehen, müssen wir klare Antworten formulieren und gerade die distanzierten Kirchenmitglieder überzeugen, warum es wichtig und gut ist, in der Kirche zu sein. Viele Bereiche der Landeskirche kenne ich gut. Ich weiß, was die Gemeinden und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden derzeit beschäftigt. Wir haben einen guten Austausch unter den Kirchenbezirken. Von meiner Arbeit in der Landessynode kenne ich die Themen und Prozesse, die auf dieser Ebene aktuell laufen. Konkret würde ich mir schnell einen Überblick über die Aufgaben im Oberkirchenrat verschaffen und mit den Mitarbeitenden dort ins Gespräch kommen.

 

Gottfried Heinzmann Foto: Pressebild Sylvia BechleGottfried Heinzmann

Was reizt Sie am Bischofsamt?

Ich bin in unsere Landeskirche hineingewachsen und in ihr groß geworden. Als Kind und Jugendlicher, als ehrenamtlicher Mitarbeiter und dann als Pfarrer. Die Vielfalt des kirchlichen Lebens habe ich kennen und lieben gelernt. Es reizt mich, unsere Kirche an verantwortlicher Stelle mitzugestalten. Dafür bringe ich Leitungserfahrung aus wesentlichen Bereichen der Kirche mit. Ich will als Landesbischof meinen Teil dazu beitragen, gemeinsam mit anderen nach vorne zu denken und Kirche der Zukunft zu entwickeln. Dabei treibt mich die Frage um, wie wir in diesen Zeiten Freude, Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen können. Weil wir das weitergeben, was wir im Glauben an Jesus Christus erleben.

Gottfried Heinzmann Foto: Pressebild Sylvia Bechle

Was wollen Sie als Bischof oder Bischöfin zuerst angehen?

Wie sieht Kirche nach Corona aus? Das wird wohl die erste Herausforderung sein. Ich möchte Mut machen, dass wir die innovativen Ideen aus der Corona-Zeit weiterentwickeln. Ich bin begeistert, welche neuen, kreativen Wege für Verkündigung und Seelsorge gefunden wurden. Gleichzeitig spüren wir, was fehlt. Kirche lebt von Beziehungen. Sobald Begegnungen uneingeschränkt möglich sind, sollten wir eine Begegnungs-Initiative starten, Feste feiern, das Miteinander suchen, im Gemeinwesen präsent sein. Das ist mir auch persönlich wichtig: in Beziehung kommen mit Ehren- und Hauptamtlichen, mit Verantwortungsträgern in Politik und Gesellschaft. Dabei hören, was für Erwartungen da sind. Im Dialog sein.

 

Viola Schrenk. Foto: Ludmilla Panyak, PressbildViola Schenk

Was reizt Sie am Bischofsamt?

Ich bin sehr gerne Pfarrerin, und letztlich ist eine Bischöfin nichts anderes als eine Pfarrerin auf kirchenleitender Ebene. Mit meiner Kompetenz in Verkündigung, Bildung, Seelsorge und Leitung will ich auf gesamtkirchlicher Ebene hilfreiche und weiterführende Impulse geben. Ich möchte dazu beitragen, dass wir vor Ort gute Arbeit leisten und zugleich in weiten Horizonten denken und handeln. Ökumene und weltweite Christenheit liegen mir besonders am Herzen, deshalb war ich während der 15. Landessynode sehr gerne Vorsitzende des Ausschusses Mission, Ökumene, Entwicklung. Wir sind Teil einer christlichen Weltgemeinschaft. Das sollten wir als Landeskirche auf allen Ebenen mitdenken und leben.

Viola Schrenk. Foto: Ludmilla Panyak, Pressbild

Was wollen Sie als Bischof oder Bischöfin zuerst angehen?

Als erstes werde ich genau hinschauen, was die Gemeinden umtreibt und auch die Herausforderungen für die Kirchenbezirke wahrnehmen. Mit den Dezernaten des Oberkirchenrats und größeren kirchlichen Werken werde ich intensiv im Gespräch sein. Besonderes Augenmerk will ich auf die Wunden legen, die Corona geschlagen hat. Vertrauen in Kirche ist erschüttert und enttäuscht worden. Zugleich sind mit großem persönlichem Einsatz in unserer Kirche viele kreative Projekte – in Präsenz oder digital – und solidarische Initiativen entstanden. Diese sind ein guter Ausgangspunkt für künftige kirchliche Arbeit und unseren Umgang mit Krisen – innerhalb und außerhalb der Kirche.

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