Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was beim Abschied zählt - Sterbebegleiter raten

BLAUBEUREN – Seit 20 Jahren gibt es die Hospizgruppe Blaubeuren-Laichingen. Die 23 ehrenamtlichen Sterbebegleiter schenken schwerkranken Menschen Trost. Auf ganz unterschiedliche Weise: Mal geht es darum, eine schöne Atmosphäre zu schaffen, mal darum, zuzuhören. Der Lohn dafür sind Dankbarkeit, Respekt und Impulse für das Leben.

ehrenamtliche Sterbebegleiter, Blaubeueren-Laichingen

Sommerausflug: Auch das gehört zum Engagement in der Hospizgruppe Blaubeuren- Laichingen. In der Reihe der Sitzenden ganz links Birgit Breuer, direkt dahinter Rita Graf.
© Foto: Privat

Es sind die letzten Meter auf der Lebensstrecke eines Menschen, die Rita Graf mit Sterbenden, aber auch mit deren Angehörigen teilt. Als eine von 23 ehrenamtlichen Sterbebegleiter in der Hospizgruppe Blaubeuren-Laichingen sorgt sie für eine würdevolle Gestaltung der letzten Tage.

Wer sich dem herannahenden Tod stellen muss, hat eine der schwersten Aufgaben überhaupt zu bewältigen. Rita Graf beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen rund um den Tod. „Wenn der Tod konkret Platz im Leben eines Menschen eingenommen hat, bleibt es bis zum letzten Atemzug eine Herausforderung, ihm ins Gesicht zu sehen und die Wirklichkeit zu begreifen“, sagt sie. Dabei sei wichtig zu erkennen, was im Sterbenden vor sich gehe, wie Angehörige damit umgehen und ihn begleiten können. In jedem Lebensalter bräuchten Betroffene sowie ihnen nahestehende Menschen dabei Zuwendung – gleich welcher Religion, Nationalität oder Kultur.

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„Die Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen durch Hospizmitarbeiterinnen kann sehr hilfreich sein“, sagt Birgit Breuer, Koordinatorin der Hospizgruppe Blaubeuren-Laichingen. Manchmal reiche es einfach, nur da zu sein, wenn sich Angehörige einmal anderen Aufgaben zuwenden müssten. „Wir besuchen die Menschen in ihrer häuslichen Umgebung, aber auch im Alten- oder Pflegeheim sowie im Krankenhaus“, erklärt Birgit Breuer. „Dabei nehmen wir uns Zeit zum Gespräch, zum Zuhören, sorgen mit sanftem Licht oder einem schönen Duft für eine schöne Atmosphäre, für die richtige Temperatur und sind geduldig. Wir lesen vor, beten oder lesen auch in der Bibel.“ Jeder Mensch habe andere Bedürfnisse, doch die meisten Sterbenden verfügen in dieser Zeit über eine stärkere Sensibilität. Deswegen sei für Sterbebegleiter ein hohes Maß an Empathie notwendig, um sich so gut wie möglich auf den Sterbenden einlassen zu können.

Seit sieben Jahren begleitet Rita Graf Menschen beim Sterben und es bleibt nicht aus, dass sie manches Schicksal sehr berührt. Leicht sei Hospizarbeit keineswegs, sagt sie, aber unendlich bereichernd. „Es ist eine so wichtige Erfahrung, das glaubt kaum jemand. Dieser Dienst ist für mich viel mehr Lebens- als Sterbebegleitung.“ In diesen einzigartigen Momenten erfüllt sie kleine Wünsche, spricht mit Sterbenden und Angehörigen, streichelt Hände, hält Stille aus. „Und dann gibt es sogar Situationen, in denen man lachen kann, denn alles, was das Leben ist, ist auch das Sterben“, weiß sie aus ihrem Erfahrungsschatz. Grundsätzlich aber gehe es immer um das Wahre. Nichts wird beschönigt, nichts zurechtgelogen. Hier geht es um Trauer, Wut und Leid. Sterbende durchleben unterschiedliche Emotionen, sagt Rita Graf. Sie weden auch durch den Blick zurück ausgelöst.

Kraft zieht sie aus tiefgründigen Gesprächen mit Kolleginnen ebenso wie mit manchen Angehörigen. Immer wieder nimmt sie Impulse aus den Lebensgeschichten mit nach Hause. Ihr werden Dankbarkeit und Respekt entgegengebracht. Sie sind der Lohn und motivieren zum Weitermachen.

Vor 20 Jahren hat sich die Hospizgruppe Blaubeuren-Laichingen gegründet, wobei der Gedanke schon 1996 erstmals auftauchte. Die heute 81-jährige Brigitte Weilbach aus Blaubeuren war eine der Initiatorinnen, die Menschen in der Gemeinde unterstützen wollten. Alle Mitglieder sind ausgebildete Hospizmitarbeiterinnen, sie nehmen regelmäßig am Erfahrungsaustausch, an Fortbildungen und Supervisionen teil. „Wir arbeiten stets mit Ärzten und dem Personal von Krankenhäusern und Pflegeheimen zusammen“, sagt Birgit Breuer, die über einen Zeitungsartikel im Jahr 2005 zur Hospizgruppe kam. „Unsere Kinder wurden selbständig und ich suchte eine sinnvolle Aufgabe.“ Lebenserfahrung und Reife seien erforderlich, um diese Tätigkeit auszuüben. Denn das Lebensende, sagt sie, sei immer wieder überwältigend.


◼ Kontakt im Internet: www.hospizgruppe-blaubeuren-laichingen.de

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