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Was das Klima am meisten beeinflusst - Interview mit Johannes Küstner, Brot für die Welt

Wie umweltschonend ist die eigene Lebensweise? Eine erste Antwort gibt der „ökologische Fußabdruck“. Dabei werden Antworten zu 13 Fra-gen ausgewertet; das Ergebnis ist eine grobe Schätzung, sagt Johannes Küstner von Brot für die Welt im Interview mit Nicole Marten.

Johannes KüstnerJohannes Küstner ist sich dessen bewusst, dass der Fußabdruck-Rechner seine Grenzen hat. Selbst wenn alle Menschen überwiegend fleischlos, autolos und müllarm lebten, bräuchte es 2,1 Planeten, um die Ressourcen zu produzieren, die verbraucht werden.

(Foto: Pressebild)

 

 

 

 

 

 

 

Brot für die Welt bietet im Internet einen Test an, mit dem jeder seinen ökologischen Fußabdruck berechnen kann. Wer den Test macht, beantwortet 13 Fragen zur Ernährungsweise, zur Mobilität, zum Konsum- und zum Heizverhalten. Das Ergebnis zeigt, wie viele Planeten notwendig wären, um diese Ressourcen zu erzeugen, wenn alle Menschen auf der Welt diesen Fußabdruck hätten. Johannes Küstner ist bei Brot für die Welt Ansprechpartner für den Test.

Wenn man den Test einmal durchspielt, stellt man schnell fest, dass es in Deutschland sehr schwer ist, nur einen Planeten als Ressource zu verbrauchen.

Johannes Küstner: Das stimmt. Das gelingt in Deutschland nur ganz wenigen Menschen. Dazu müsste man beispielsweise nur noch zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, müsste auf Fleisch und Fisch verzichten, nur Biolebensmittel kaufen, nichts wegwerfen …

Also müsste man auf vieles verzichten, was Spaß macht oder notwendig ist …

Johannes Küstner: Na ja, es verringert ja nicht unbedingt die Lebensfreude, wenn man nahe bei der Arbeitsstelle wohnt.

Aber verreisen wäre schon schlecht fürs Klima, auch dann, wenn man den Zug nimmt anstelle von Auto oder Flugzeug …

Johannes Küstner: Es stimmt, in Deutschland haben wir einen Lebensstil, der es schwer macht, sich komplett umweltgerecht zu verhalten. Das ist eben auch eines der Ergebnisse aus dem Test: dass es gar nicht so einfach ist, mit eigenen Maßnahmen das Klima zu retten. Es ist zwar wichtig, dass wir uns selbst Gedanken machen, dass wir beispielsweise an Flügen, Autofahrten und Fleisch sparen. Aber wir schaffen es nur dann, nachhaltig zu leben, wenn die Politik auch die Rahmenbedingungen dafür schafft. Das heißt, dass Zugfahrten nicht teurer sein dürfen als Flüge, dass zum Beispiel die Energiewende massiv vorangetrieben, die dezentrale Energieversorgung unterstützt wird, und erneuerbare Energien konsequent eingesetzt werden.

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Das sind ja Themen, auf die Bürgerinnen und Bürger weniger Einfluss nehmen können.

Johannes Küstner: Oh doch, man kann Bürgerinitiativen gründen, man kann Politiker wählen, die zum Beispiel auch in der Kommunalpolitik etwas fürs Klima tun. In Freiburg gibt es beispielsweise einen Stadtteil, der ökologisch nachhaltig ist. Wir wollen dazu in diesem Jahr auch den Test zum „ökologischen Handabdruck“ initiieren, bei dem die Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen aufgezeigt werden.

Sie haben vorhin gesagt, es wäre doch wunderbar, in der Nähe von der Arbeit zu leben. Doch das ist für viele Menschen utopisch. Die Mietpreise in den Städten explodieren, auf dem Land gibt es weniger Arbeitsplätze …

Johannes Küstner: Der Verkehr ist die größte Herausforderung für den ländlichen Bereich, da ist Deutschland am wenigsten weit entwickelt. Auf dem Land kann man nicht auf das Auto verzichten. Hier müsste man den öffentlichen Personennahverkehr verbessern.

Beim Test werden viele Themen auch nicht abgefragt. So wird beispielsweise nicht unterschieden, ob jemand die Auto-Kilometer mit dem eigenen Fahrzeug oder mit einem Carsharing-Auto zurücklegt – oder ob jemand eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat oder mit dem E-Auto fährt …

Johannes Küstner: Der Test kann nur eine grobe Schätzung abgeben. Er soll einen Einstieg bieten ins Umweltthema und zeigen, dass Fliegen, Heizen, PKW und tierische Produkte einen großen Einfluss auf einen nachhaltigen oder weniger nachhaltigen Lebensstil haben. Außerdem funktioniert der Test nur, wenn er kurz ist: Zu viele Fragen, und die Menschen steigen aus. Mit den 13 Fragen liegen wir ganz gut, denn täglich spielen etwa 3000 Leute den Test durch – und sie lesen das Ergebnis. Zudem zeigt der Vergleich, dass längere Tests kaum eine genauere Schätzung ergeben. Denn oft sind es nur wenige Fragen, die entscheiden.

www.fussabdruck.de

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