Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was den Glauben stärkt - Das ist Prominenten wichtig

Wir haben prominente Frauen und Männer aus Baden-Württemberg nach ihrem Glauben gefragt. Sie haben uns erzählt, welche Bibelgeschichten, Lieder, Sprüche und Rituale für sie persönlich eine wichtige Rolle spielen, Tag für Tag.

Bibel. Glaube. Oellampe. Foto: adobe stock/ ArvaCsabaLicht auch an dunklen Tagen: Bekannte Menschen erzählen, was ihnen am Glauben wichtig ist. Foto: adobe stock/ ArvaCsaba

 

Angenommen sein

Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-WürttembergMir bedeutet die Erzählung „Jesus sieht Zachäus“ sehr viel: In Jericho übernachtet Jesus ausgerechnet beim skrupellosen Zöllner Zachäus. Das Volk ist empört! Doch Jesus sieht in Zachäus nicht einfach nur den korrupten Geldeintreiber, sondern vor allem auch den Menschen. Er nimmt den Zöllner an so wie er ist, erkennt seinen guten Willen.

Politiker werden – naturgemäß und völlig zurecht – vom Ergebnis ihrer Arbeit her bewertet. Der gute Wille, die innere Haltung, spielen hingegen keine Rolle. Die Geschichte von Zachäus macht mir daher deutlich: Als Politiker kann ich zwar vor der Geschichte und in den Augen der Wähler scheitern, aber nicht vor Gott und meinen Lieben.

Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg
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Raum für Tabuthemen

Christel Köhle-Hezinger, Professorin für Volkskunde aus Esslingen.Foto: PrivatFür mich lässt sich der Glaube nicht auf ein einzelnes Element reduzieren. Vielmehr ist er ein „Gesamtpaket“ aus vielen unterschiedlichen kindheitlichen Prägungen: die Liturgie im Gottesdienst, Rituale wie Taufen, Krippenspiel, Lieder und Bibelgeschichten. Diese Geschichten haben einen starken lebensweltlichen Bezug, weil sie mit Geburt, Taufe, Hochzeit, aber auch mit Krisen, Krankheit und Tod zu tun haben.

Besonders prägend war es für mich, nach meiner Konfirmation Drittund Viertklässlern in der Kinderkirche biblische Geschichten zu erzählen. Am Ende führten ihre Fragen immer zu den Themen Tod und Jenseits. Für Themen, die in ihren Familien tabu sind, war in der Kirche Raum.

Foto: privat

Christel Köhle-Hezinger, (emeritierte) Professorin für Volkskunde aus Esslingen

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Träger der Demokratie

Leni Breymaier, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Aalen-Heidenheim. Foto: Fionn GrosseIch habe nicht den einen Bibelspruch oder das eine Lied, das mich im Glauben stärkt. Ich bin aus hundert Gründen und einem Anlass vor vielen Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten und aus ebenso vielen Gründen und einem konkreten Anlass wieder eingetreten.

Dies deshalb, weil die Institution Kirche für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt unglaublich wichtig ist und es uns alle nicht vorwärts bringt, wenn wir den diese Demokratie tragenden Organisationen den Rücken kehren. Ich mag es, im Gottesdienst und auch sonst inbrünstig Lieder zu singen. Das hat uns in der Pandemie auch gefehlt. Ich bin dankbar für viele gute Begegnungen mit Menschen aus meiner Kirche.

Foto: Fionn Große

Leni Breymaier, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Aalen-Heidenheim

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Hilfe für jeden Tag

Gabriele Wulz, Praelatin von Ulm. Foto: privatGlaube ist Vertrauen, aber auch Klage, Bitte und Dank. Ich schöpfe sehr stark aus den Psalmen und ihrer Frömmigkeit. Durch sie lerne ich, mit Gott zu rechnen, ihn zu fragen und ihm zu danken. Es sind Worte, in denen ich Heimat finde und in denen ich mit vielen anderen zu Gott beten kann. „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“ Die Worte des 73. Psalms helfen mir – in guten, wie in schlechten Tagen.

Foto: privat

Gabriele Wulz, Prälatin von Ulm

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Freude? Jetzt erst recht!

Christoph Sonntag, Kabarettist aus Stuttgart. Foto: privat„Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Philipper 4,4): Für mich ist das die zentrale Aussage der Bibel. Ohne Freude ist alles nichts. Corona hat uns unsere Endlichkeit gezeigt. Außerdem wütet ein Krieg mitten in Europa. Wie können wir uns da noch freuen? Ich sage: Jetzt erst recht! Freude macht glücklich. Glückliche Menschen machen andere glücklich. Und wollen sie nicht niedermetzeln. Wir sollten an die Freude und an den Frieden glauben.

Foto: privat

Christoph Sonntag, Kabarettist aus Stuttgart

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Nicht hierarchisch denken

Renate Pilz, ehemalige Leiterin des Unternehmens Pilz, Ostfildern. Foto: PilzFür mich spielt die Goldene Regel eine große Rolle: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Natürlich mache ich auch Fehler. Und versuche, so gut es geht nach dieser Regel zu leben. Es ist wichtig, sich gegenseitig respektvoll zu behandeln. Wenn es zu Missverständnissen kommt, möchte ich sie sofort klären. Und obwohl es in einem Unternehmen eine Hierarchie gibt, versuche ich, allen Mitarbeitern als Mensch zu begegnen.

Foto: Pilz GmbH & Co. KG

Renate Pilz, bis 2017 Leiterin des Automatisierungstechnik-Unternehmens „Pilz“ in Ostfildern

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Einmischen in der Ukraine 

Gisela Meister-Scheufelen, Vorsitzende des Normenkontrollrats BaWue. Foto: privat„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Diese Worte von Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 durch die Nationalsozialisten hingerichtet wurde, besagen, dass Gott uns Kraft und Zuversicht gibt auch in schweren Tagen. Dietrich Bonhoeffer würde diese Botschaft jetzt sicherlich auch an die Menschen in der Ukraine senden. Er würde uns empfehlen sich einzumischen, ihnen mit Waffenlieferungen zu helfen und die Geflüchteten mit großer Solidarität aufzunehmen. Bonhoeffer steht für eine Kirche, die sich aktiv und kraftvoll für Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetzt.

Foto: privat

Gisela Meister-Scheufelen, Vorsitzende des Normenkontrollrats Baden-Württemberg

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Vater sein wie in der Bibel

Joe Crawford, Musiker, Bassist der Band PUR. Foto: privatEine der eindrücklichsten Geschichten der Bibel war für mich immer die Erzählung vom verlorenen Sohn. Ein Sohn, brav und folgsam, ein zweiter Sohn, ein „Lebemann“, der vom Regen in die Traufe rutscht und sich in der Not an sein Zuhause erinnert und reumütig zurückkehrt. Und der dann vom Vater mit offenen Armen empfangen wird. Im biblischen Kontext ist die Bedeutung sicherlich im übertragenen Sinn zu verstehen: Gott als Vater und der Mensch als der Lebemann, der nach begangenen Sünden reumütig zurückkehrt. Ich persönlich habe mich immer darum bemüht und versuche es auch heute noch, meinen Kindern ein Vater zu sein, wie er in der Geschichte beschrieben wird.

Foto: privat

Joe Crawford, Musiker, Bass-Spieler der Band „Pur“ aus Bietigheim-Bissingen

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