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Was Hoffnung macht - Interview mit Barbara Pachl-Eberhart, Autorin und Krankenhausclown

Was bedeutet Hoffnung – vor allem in Corona-Zeiten? Auf die Suche nach Antworten haben sich mehrere Menschen in einer Schriftenreihe zur Pandemie begeben – auch Barbara Pachl-Eberhart. Die Autorin, die selbst in ihrem Leben harte Schicksalsschläge verkraften musste, hat ein Essay zum Thema „Hoffnung“ verfasst. Franciska Bohl hat sie zu ihren Gedanken befragt.

Hoffnung. Foto: Lina Trochez/ UnsplashSich selbst und jedem Tag eine neue Chance geben: Auch das kann Hoffnung bedeuten. Foto: Lina Trochez/ Unsplash

 

Was hat Sie dazu inspiriert, ein Essay zum Thema „Hoffnung“ für die Schriftenreihe zur Pandemie zu verfassen?

Barbara Pachl-Eberhart: Manchmal hat man als Autorin das Glück, für ein Thema angefragt zu werden. In diesem Fall war das so, und ich habe es als Aufruf gesehen, mich zu fragen: Wie sieht es denn wirklich mit mir und meiner Hoffnung aus? Lebt sie noch? Trägt sie noch? Ich war dankbar, das schreibend erkunden zu dürfen.

Mit dem Thema Hoffnung beschäftigt man sich oft erst dann, wenn es etwas gibt, was einen verzagen lässt. Was macht Ihnen derzeit Angst?

Barbara Pachl-Eberhart: Ich glaube, ich bin kein untypischer Mensch, wenn ich sage, dass ich mit schlechten Nachrichten besser umgehen kann als mit Ungewissheit und vager Bedrohung. Was mir Sorge bereitet, ist das, was sich gerade so deutlich zeigt: Dass die Systeme, nach denen unsere Gesellschaft derzeit funktioniert, so schnell an ihre Grenzen geraten. Und dass so viel Energie in Entzweiung und Streit fließt, statt in gemeinsames Nachdenken und Visionen.

Sie stellen sich selbst die Frage, welche Gründe es geben kann, allen schlechten Nachrichten zum Trotz optimistisch zu sein. Haben Sie eine Antwort darauf gefunden?

Barbara Pachl-Eberhart: Meine Antwort lautet, dass Optimismus nicht das Ergebnis von guten Nachrichten sein sollte, sondern eine Haltung, die wir allgemein dem Leben entgegenbringen. Egal, wie schlecht die Nachrichten von gestern oder heute sind.

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Auf was kann man in unruhigen Zeiten wie diesen Ihrer Meinung nach vertrauen?

Barbara Pachl-Eberhart: Zum Beispiel darauf, dass der Mensch an Problemen wachsen kann. Darauf vertraue ich aus Erfahrung. Und dass Gott sei Dank nicht alles in unserer Hand liegt. Auf all das will ich vertrauen.

Benötigt man, um hoffen zu können, eine gewisse Naivität?

Barbara Pachl-Eberhart: Wenn Naivität die Fähigkeit bezeichnet, dem Leben und den Menschen und auch sich selbst jeden Tag eine wirklich neue Chance zu geben, wenn sie bedeutet, dass man das Ergebnis der inneren Hochrechnungen nicht für die einzig mögliche Wahrheit hält, dann ja.

Sie erleben, wie viele andere Menschen auch, Corona als „Wendezeit“ und hatten sich, bei aller Unsicherheit, auch eine „Welle des Erwachens“ erhofft, in der sich neue Utopien entwickeln werden. Ist von dieser Hoffnung noch etwas geblieben?

Barbara Pachl-Eberhart ,Autorin. Foto: Pressebild/ Nina GoldnaglFür Barbara Pachl-Eberhart spielt Dankbarkeit eine wichtige Rolle, um Altes hinter sich lassen zu können. Foto: Pressebild/ Nina Goldnagl

Barbara Pachl-Eberhart: Derzeit dominiert eher die Verunsicherung. Da ist viel Misstrauen, viel Angst. In diesem Zustand lässt es sich noch nicht gut visionieren. Aber ich glaube, es ist nicht schlecht, dass wir das blinde Vertrauen in Vieles, was wir für selbstverständlich und unersetzbar gehalten haben, verloren geht. Wandel gedeiht besser auf dem Boden der Verunsicherung als auf dem Boden des allzu Gewissen.

Sie beschreiben in Ihrem Essay, dass Wut oft eine Art Vorstufe zur Hoffnung sein kann. Kann im Gegenzug Dankbarkeit helfen, nach einer Enttäuschung neue Hoffnung zu fassen?

Barbara Pachl-Eberhart: Ich habe einmal in einem Buch über das Gedächtnis gelesen, dass das Hirnareal, das sich beim Erinnern aktiviert, quasi dasselbe ist wie das, das sich bei Zukunftsgedanken aktiviert. Insofern hilft uns das dankbare Erinnern ganz sicher dabei, positiv in die Zukunft zu schauen.

Ein persönliches Ende der Welt haben Sie nach dem Tod Ihres Mannes und Ihrer beiden Kinder erlebt. Und die Erfahrung gemacht, dass es auch nach dem Ende weitergehen kann. Was haben Sie für sich aus dieser Zeit mitgenommen – und was hat Ihnen damals Hoffnung gemacht?

Barbara Pachl-Eberhart: Das Wichtigste, was mich damals getragen hat und bis heute trägt, ist dieses: Das, was wir „Ende“ nennen, ist kein absolutes Ende. Meine Familie ist tot, aber nicht weg. Es gibt sie noch, für mich. Unsere Beziehung hat sich verändert, aber sie ist stark und voll Liebe. Was zu Ende geht, macht Platz für Neues. Das, worum es wirklich geht, im tiefsten Sinn, geht nie vorbei.

 

Zur Person

Barbara Pachl-Eberhart war Musikerin und Krankenhausclown. Im Jahr 2008 kamen ihr Mann und ihre Kinder bei einem Unfall ums Leben. 2010 veröffentlichte sie ihr Buch „Vier minus drei: Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand“. Heute schreibt sie als Kolumnistin über kleine Wunder und ih-

ren „Alltag mit Sommersprossen“ und hat ihr fünftes Buch herausgebracht: „Chopin besucht Vivaldi und in der Bucht von Venedig schwimmen Delfine“. Gleichzeitig ist sie Schreibpädagogin sowie „Mutter zweier Engel und einer quietschlebendigen dreijährigen Tochter“. Internet: www.meinlieblingsleben.at

In der 14-teiligen Schriftenreihe „Die Pandemie – was wir verlieren/was wir gewinnen“ befassen sich Autorinnen und Autoren wie Barbara Pachl-Eberhart, Muhammad Yunus und Petra Bock mit Werten, die in der Krise verloren gehen, aber auch Chancen für eine bessere Welt bieten können.

Die Schriften können für 4,89 Euro von der Internetseite www.remedium-verlag.de heruntergeladen werden.

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