Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was ist gerecht? - Impuls zur Predigt

1. Mose 4,15-16 Aber der Herr sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände. So ging Kain hinweg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, jenseits von Eden, gegen Osten.

 

Was ist gerecht?

Impuls für den 13. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 4,1-16a.

Von Christof Messerschmidt

Christof Messerschmidt ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Lorch und Weitmars.

Foto: Privat

„Gott ist doch schuld“, sagt die Schülerin in der zehnten Klasse. Zusammen mit ihren Mitschülern hat sie die Geschichte von Kain und Abel gelesen. Sie antwortet auf die Frage: „Wer ist schuldig?“. „Ich dachte immer Gott ist gerecht. Ist doch klar, dass beide Gott gefallen wollen und Kain sich ärgert, dass Gott ihn anders behandelt. Bisher habe ich immer an Gott geglaubt, aber die Geschichte lässt mich echt an seiner Gerechtigkeit zweifeln!“

Pfarrer Christoph Messerschmidt. Foto: PrivatIst Gott schuldig an der Tat, die Kain an Abel begeht? Die Frage bewegt die ganze Klasse. „Mag sein, dass Gott ungerecht ist. Aber Kain schlägt doch Abel tot“, entgegnet eine andere Schülerin.Eine dritte Schülerin schaltet sich in die Diskussion ein. Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger lässt sie einen Stift kreisen, während sie sagt: „Ich kann den Kain voll verstehen. Mein kleiner Bruder, der nervt ohne Ende. Immer. Sobald der aufsteht, nervt der. Den würde ich manches Mal auch am liebsten so eine knallen, dass der für immer schweigt. Und meine Eltern bevorzugen den ständig. Der darf mit seinen zwölf Jahren Sachen, von denen ich damals nur träumen konnte.“

Plötzlich geht es in der Klasse um die jüngeren Geschwister und die meisten sind sich einig, dass die ganz schön anstrengend sind und oft bevorzugt werden. Aber Kains Maßnahme wird dann doch ausgeschlossen.

Manchmal würde ich Gott gerne ins Klassenzimmer holen. Er sitzt da dann am Lehrerpult und erklärt, was er sich dabei gedacht hat oder wie es ihm mit der ganzen Geschichte ging. Was würde Gott antworten auf die Fragen der Jugendlichen, die seine Gerechtigkeit anzweifeln? Die alte Geschichte öffnet auch einen Blick ins Herz Gottes.

Tatsächlich erhält Kain eine Strafe. Sein Leben wird hart und entbehrungsreich, sich zu ernähren anstrengend für ihn und seine Familie. Aber er bekommt nicht, was er verdient. Gottes Urteil ist ein Urteil zum Leben. Keine Verdammnis. Keine Verfluchung, letztlich ein Segenszeichen.

In meiner Vorstellung berührt Gott Kain. Zeichnet ihn mit dem Daumen auf die Stirn, hinterlässt irgendetwas an ihm, dass allen klar macht: „Das ist der von mir Gezeichnete. Ihr dürft ihm nichts antun.“

Gottes Urteil ist ein Urteil zum Leben

„Jetzt schlägt der seinen Bruder tot und wird noch nicht mal richtig bestraft“, ereifert sich die erste Schülerin. Fassungslos schaut sie in die Klasse. Sie erwartet Zustimmung.

Eine hat bisher nur geschwiegen, den Worten der anderen gelauscht. Die ganze Zeit hat sie aber ununterbrochen auf ihr Papier geschrieben. Jetzt steht sie auf, dreht sich zur Klasse und liest: „Du bist anders als wir. Bei uns gilt: Wer redet, ohne aufgerufen zu werden, wird ermahnt. Wer drei Mal seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, bekommt einen Strich. Wer drei Striche hat, muss nachsitzen. Wer zu viele Fünfen hat, bleibt sitzen. Wir regeln und strafen. Du bist anders als wir. Du regelst und du erhältst am Leben. Den Mörder wie den Lügner. Den Eifersüchtigen wie den Betrüger. Den Langweiler und den Streber. Die Hübsche und den Hässlichen. Wir sind gnadenlos im Umgang miteinander. Du bist anders als wir. Du hältst uns am Leben. Gott sei Dank.“

 Foto: unsplash/Ana Municio

 

Gebet

Guter Gott, manchmal verstehe ich dich nicht.

Manchmal finde ich keine Antwort auf meine Fragen.

Hilf mir, dir zu vertrauen. Immer wieder neu.

Fang du neu mit mir an. Lass mich unter deinem Schutz leben.

Erbarme dich meiner.

Amen.