Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was kann ich für dich tun? - Impuls zur Predigt

Lukas 18,31.35-43 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte. Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber. Und er rief: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: „Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Er sprach: „Herr, dass ich sehen kann.“ Und Jesus sprach zu ihm: „Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

Was kann ich für dich tun?

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Estomihi: Lukas 18,31-43.

Von Regina Korn

Mit weit aufgerissenen Augen steht er da und staunt nur so über das, was er da sieht. Kees de Kort hat in seiner Kinderbibel diesen Menschen, der wieder sehen kann, gemalt. Viele, die wie ich mit seiner Kinderbibel groß geworden sind, werden dieses Bild vor Augen haben, wenn sie diese Geschichte hören. An einer anderen Stelle, im Markusevangelium, wird er mit Namen genannt: Bartimäus. Staunend steht er da. So muss es sein, wenn dieser sehnliche Wunsch erfüllt ist: „Herr, dass ich sehen kann.“

Vom Sehen, Sehen können und wieder Sehen können, erzählt diese Geschichte. Auch vom Sehen in einem tieferen Sinn. Davon, etwas zu begreifen, zu erfassen, die Dinge neu zu sehen und dadurch zu verstehen. „Mir sind die Augen aufgegangen“, sagen wir, wenn wir etwas gesehen und verstanden haben. Dann kann ich viel besser mit etwas umgehen, wenn ich weiß, warum etwas so ist und nicht anders. Und doch muss ich damit leben, dass ich manches nicht verstehen kann, dass es mir und meinen Augen verborgen bleibt, warum es so ist.

Jesus lässt sich aufhalten und tut genau das, was notwendig ist

Aber der Wunsch ist da. Der Wunsch zu sehen und zu verstehen ist bei allen Menschen da, ob sie mit ihren Augen sehen können oder nicht. Ich weiß nicht, ob jemand, der sehen kann, wirklich verstehen und nachvollziehen kann, wie groß der Wunsch sein kann,zu sehen. Wieder zu sehen, wieder laufen zu können, wieder hören zu können, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, dass dies geschieht. „Kyrie eleison“ – „Du Sohn Davids, erbarme dich meiner.“ Zweimal bittet der blinde Mensch so und lässt sich nicht aufhalten von denen, die seinen Wunsch unterbinden wollen. Die ihn davon abbringen wollen, seinen Wunsch zu leben. Warum eigentlich? Können sie nicht mit ihm hoffen? Oder wollen sie ihn nur, gut gemeint, vor möglichen Enttäuschungen bewahren?

Regina Korn ist Pfarrerin in Bad Mergentheim. Foto: Privat

Regina Korn ist Pfarrerin in Bad Mergentheim.

„Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem“, hatte Jesus zu denen gesagt, die ihm folgen. Sie sollen jetzt sehen und verstehen, dass genau dies sein Weg ist. Jesus lässt sich aufhalten. Er lässt sich bitten. Er überhört diesen einen Wunsch nicht. Er geht nicht an ihm vorüber, gerade jetzt nicht auf dem Weg hinauf nach Jerusalem. „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt“, so hatte Jesus auf die Frage Johannes des Täufers, ob er der sei, der da kommen soll, geantwortet (Lukas 7,22). Das erfüllt sich jetzt.

Jesus lässt sich aufhalten und tut genau das, was notwendig ist auf seinem Weg hinauf nach Jerusalem. „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Was brauchst du jetzt? Was kann ich für dich tun? Jesus, der Sohn Gottes, fragt danach, was ich brauche. Ich brauche es zu wünschen, zu hoffen und zu träumen. Ich brauche es, von Gott alles erbitten, erhoffen und erwarten zu dürfen. „Du bist da, wo Menschen träumen, du bist da, wo Träume sind.“ Diese Ergänzung zu dem Lied „Du bist da, wo Menschen leben“ wünscht sich einer aus unserer Gruppe, der durch einen Unfall nicht mehr alles kann, was er vorher konnte, wenn wir bei unserem Wochenende im Kloster miteinander singen. In einen solchen Gott will ich mein Vertrauen und meine Hoffnung setzen. Auf einen solchen Gott kann ich vertrauen auch auf Wegen, die ich nicht oder noch nicht sehe und verstehe.

Foto: Unsplash / Nathan DumlaoFoto: Unsplash / Nathan Dumlao

Gebet

Gott, du bist ein Gott des Lebens.

Ich atme tief ein und spüre die Sonne auf meiner Haut.

Ich sehe und ich schmecke, wie gut du es mit mir meinst.

Und ich weiß gewiss, dass du mich geschaffen hast und mich umfängst.

Dafür preise ich dich.

 

 

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