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Was Luther und King verbindet - Befreiung aus Bevormundung

Der eine ging mit seinen 95 Thesen in die Geschichte ein, der andere wurde durch seine Rede „I have a dream“ unsterblich: Martin Luther und Martin Luther King trennen Kontinente und Jahrhunderte, aber einiges haben sie auch gemeinsam – und das bezieht sich nicht nur auf den Namen.

Martin Luther TheologeI have a dream - Martin Luther King

Der Reformator Martin Luther (links) und der Bürgerrechtler Martin Luther King haben einiges gemeinsam.

Es fing damit an, dass der 35-jährige Prediger Michael King im Jahr 1934 zum Weltkongress der Baptisten nach Berlin fuhr und dort mit den Lehren Martin Luthers in Berührung kam, die ihn stark beeindruckten. Zurück in Atlanta, gab er sich selbst und seinem fünfjährigen Sohn Michael King junior einen neuen Vornamen: Martin Luther. Dass Martin Luther King senior den Junior auch nach Martin Luthers Lehren erzogen haben dürfte, liegt nahe.

Beide haben sie gesellschaftliche Veränderungen, ja, Umwälzungen in Gang gesetzt, der Reformator ebenso wie der Bürgerrechtler: Martin Luther befreite die Menschen aus der autoritären Bevormundung durch die Kirche – seine Übersetzung der bislang nur in Griechisch und Lateinisch vorliegenden Bibel ins Deutsche, ihre Verbreitung durch die neu entstandene Drucktechnik und die in der Folge entstandene Lesekompetenz im Volk haben auch die allgemeine Bildung und Mündigkeit der Bürger befördert. 450 Jahre später befreit Martin Luther King junior die Schwarzen, die Armen, die Benachteiligten Amerikas aus der Bevormundung durch die Tradition und Konvention; er bestärkt und befähigt sie darin, ihre Menschenwürde und ihren Anspruch auf Gleichbehandlung gegenüber dem Staat zu verteidigen.

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Neue Gedanken, neue Taten - Befreiung aus Bevormundung

1964 kommt Martin Luther King nach Berlin und hält gleich dreimal seine Rede vom amerikanischen Aufbruch als ermunterndes Beispiel: im Westen der Stadt vor 20 000 Menschen in der Waldbühne und am selben Tag auch im Osten der Stadt – erst in der Marienkirche und dann, wegen des großen Andrangs, ein zweites Mal zu nächtlicher Stunde in der Sophienkirche.

Er spricht über die Veränderungen, die er mit seinen amerikanischen Brüdern und Schwestern auf der Grundlage von Gewaltfreiheit und Liebe bewirkt hat. Er spricht vom Glauben, der es ermöglicht hat, dass sich ein einzelnes Ereignis zur lokalen Bewegung ausweitete, die auf andere Städte übergriff, von dort aus zu einer Protestbewegung im Süden wurde, die schließlich die schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten wachrüttelte und zur Befreiung aus über 400-jähriger Unterdrückung führte. Und er ermutigt auch die Deutschen auf beiden Seiten der Mauer: „Mit diesem Glauben werden wir in der Lage sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir in der Lage sein (…), zusammenzuarbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen zu leiden, zusammen für die Freiheit einzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden.“ Besonders im Osten der Stadt fanden Kings Worte großen Widerhall. Und einiges spricht dafür, dass Kings Berliner Reden im September 1964 ihn zu einem der Vordenker der friedlichen Revolution gemacht haben, die 25 Jahre später die deutsche Wiedervereinigung bewirkte. Das Wirken des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King und des weißen Reformators Martin Luther: Es ist bis heute aktuell.

Den Spuren von Martin Luther King folgt eine Leserreise des Gemeindeblatts: Vom 19. bis 29. Oktober erkunden Teilnehmer Atlanta, Savannah und Dublin im US-Bundesstaat Georgia sowie Montgomery in Alabama. Mit dabei ist Verlags-Geschäftsführer Frank Zeithammer.

Weitere Informationen unter Telefon 0711-60100-49.

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