Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was mich bewegt

Was treibt junge Menschen zwischen 14 und 2o Jahren um? Welche Wünsche und Ziele haben Sie? Die 15-jährige Vivien erzählt beispielsweise davon, wie sie auch einem normalen Schultag schöne Seiten abtrotzt und dankbar wird für die kleinen Dinge des Lebens. Hier lesen Sie Viviens ganzen Bericht.

Zugvögel am Himmel verleiten die Gedanken, abzuschweifen.
 
Aus dem Fenster im Klassenzimmer beobachte ich die Scharen an Zugvögeln, die im beginnenden Frühling aus dem Süden zurückkehren. Weit oben lassen sie sich im Wind treiben. Wahrscheinlich eher unbewusst schauen sie auf die Welt aus einer Perspektive, die ich nie so erleben werde. Es wirkt so, als wissen sie immer, welchen Weg sie fliegen müssen.
Die Frage, was mich wirklich bewegt, stelle ich mir häufig. „Was bewegt mich, das zu tun, was ich gerade tue?“ Manchmal gelingt es mir kaum, mich aufzuraffen. Gedanken wie „Was bringt es mir überhaupt, das zu tun?“ oder „Was macht mir Freude?“ schwirren mir durch den Kopf und erschweren mir den Tag.

Der Weg führt mich nach innen

An anderen Tagen unterdrücke ich diese Fragen oder beantworte sie nur oberflächlich. Doch ganz in Ruhe lassen sie mich nicht. Irgendwie sind sie immer da, auch wenn ich sie vielleicht nie aktiv wahrnehme. Doch trotzdem weiß ich, dass die Fragen und die Antworten, die ich suche, mich auch an einen anderen Ort führen können.
Diese Fragen führen mich in den Kern meines Seins. Was bewegt mich in der Tiefe, was bewegt und trägt mich? Wenn ich den ganzen Lärm verstummen lasse und mich nur auf das Wichtigste konzentriere, dann finde ich die Antworten, die ich suche. Jedoch möchte ich nicht nur wissen, ich möchte spüren. Dieses Gefühl von Klarheit, was einen auf irgendeine Art erleuchtet, das ist es vielleicht, wonach ich suche.
Ich bin mir nicht bewusst, wie viele unzählige Möglichkeiten ich habe. Dann sitze ich – gelangweilt vom Leben – im Unterricht und frage mich, was mir das alles eigentlich bringt. Ich bin ein Teil von diesem System, welches mir unter anderem im Leben helfen soll, einen Sinn zu finden, einen Beruf zu finden, um etwas zur Gesellschaft beizutragen. Doch ist es das, was ich wirklich will? Ich kann mir das mehr oder weniger nicht aussuchen.
An solchen Tagen liebe ich es, mich zu bewegen, in der Natur. Ich mache einen Spaziergang – alleine oder auch mit Familie oder Freunden – im Wald, an einem See und genieße die frische Luft. Durch die Bewegung und die sich ständig verändernde Umgebung fängt ein Teil in mir an, sich auch zu bewegen. Verschlossenheit wandelt sich in Offenheit. Ich fühle mich lebendig.
Wir sind immer in Bewegung, uns wird immer etwas bewegen, auch wenn vielleicht nicht klar ist, was genau. Zu realisieren, dass Bewegung überall ist, egal ob in uns oder um uns – das ist der erste Schritt ins Leben, ein Schritt ins Sein und ins Jetzt. Die Ungewissheit zu akzeptieren, aber nicht dein Leben lenken lassen, und Antworten wie „Ich weiß es nicht“ anzuerkennen. Die Zweifel mit sich zu tragen, ohne dass sie Hauptakteure werden. Außerdem mutig und geduldig weiterzugehen, auch wenn man nicht genau weiß, wohin. Wenn ich der Spur folge, lande ich bei mir. Dafür bin ich dankbar. Momentan suche ich nicht mehr nach einem „Etwas“ – ich suche nach „etwas, das mich bewegt“.

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Alles Lebende ist Bewegung

So seltsam es klingen mag, ich fühle, dass ich in Bewegung bin, dass ich lebendig bin, und meine Bewegungen harmonieren mit der Bewegung des Lebens.

Ich merke, dass diese Freiheiten, die ich mir erlauben kann, durch die Möglichkeiten, die ich als weniger wichtig betrachte, überhaupt erst möglich sind. Auch wenn die Schule ein anstrengender Teil des Alltags ist oder die Noten nicht den Erwartungen entsprechen: Wenn ich mir Mühe gebe, dann schreibe ich einen guten Abschluss und kann mir so Türen öffnen, um das tun zu können, was ich möchte. Ich kann mir einen Beruf aussuchen, der mir wirklich Spaß macht, und kann mir mit finanziellen Mitteln den Lebensstandard leisten, den ich ausleben will.

Das Ganze soll jetzt nicht oberflächlich oder materialistisch klingen. Ich bin dankbar, dass ich unter solchen Umständen geboren wurde. Wenn wir uns auf der Erde umschauen, ist überall etwas los: Kriege, Terror, Hunger, all diese Dinge, die ich noch nie miterleben musste. Ich beschäftige mich mit Luxusfragen. Dass es so ist, dafür bin ich dankbar. Diese Dankbarkeit gibt mir das Gefühl von Sinn, das mich motiviert, etwas zu bewirken.

Ich sprach mit einigen Freunden über solche Dinge, die mich bewegen. Ihnen geht es ähnlich wie mir. Der Austausch über Themen, die einen beschäftigen, ist genauso wichtig wie das eigene Nachdenken darüber. Mit solchen Gedanken ist man nicht allein, und letztlich sind es solche Dinge, die uns Menschen miteinander verbinden.


Die Bedeutung liegt in den kleinen Dingen


Rainer Maria Rilke verfasste ein Gedicht mit dem Namen „Was mich bewegt“. Ich habe es entdeckt, während ich diesen Text verfasste. Mich hat es erstaunt, dass diese Fragen schon immer existierten. Dass sich unsere Spuren bei solchen Fragen kreuzen. Jemand aus einem anderen Jahrhundert drückt etwas ganz Ähnliches aus, wie ich es hier versuche – mit etwas mehr Poesie.

Rainer Maria Rilke endet mit den folgenden Zeilen: „Es handelt sich darum, alles zu leben./Wenn man die Fragen lebt,/lebt man vielleicht allmählich,/ohne es zu merken,/eines fremden Tages/in die Antworten hinein.“

Ich finde Freude in den kleinen und einfachen Dingen. In dem Lächeln einer fremden Dame, im Regen an einem gemütlichen Sonntagmorgen, dem Besuch unserer Nachbarskatze, dem Verfärben des Laubes im Herbst und im stetigen Wandel der Dinge. Alles zirkuliert in einem Kreislauf, alles kommt irgendwie wieder, auch wenn es nahezu unwirklich scheint. Auch nach einem kalten Winter kommen die Vögel wieder zurück.


THEMA-Heft

Im THEMA-Heft „Mein Leben. Glaube – Freundschaft – Sinn“ lesen Sie Berichte, die junge Menschen geschrieben haben. Auch Viviens Beitrag ist darin enthalten. Das Heft eignet sich unter anderem als Geschenk zur Konfirmation. Sie erhalten es für 4,50 Euro (plus Versandkosten) bei: Evangelisches Gemeindeblatt, Augustenstraße 124, 70197 Stuttgart, Telefon 0711-60100-61, Fax 0711-60100-76, E-Mail: vertrieb@evanggemeindeblatt.de.

Staffelpreise ab 10 Exemplaren. Die THEMA-Hefte können Sie auch im Jahresabo erwerben: 6 Hefte im Jahr kosten 23,80 Euro (inklusive Versandkosten). Im nächsten THEMA-Heft geht es um den Mond.