Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was Schönheit in der Bibel heißt

Du bist schön! – Sieben Wochen ohne Runtermachen“ heißt das diesjährige Motto der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. Das Motto ist biblisch. Schönheit kommt öfter in der Bibel vor als man denkt. Dabei geht es sowohl um äußere Schönheit als auch um Schönheit im übertragenen Sinn. 


Schönheit kann aber auch die ganze Person umfassen. Saul, später der erste König Israels, fällt als jung und stattlich auf, schöner und einen Kopf größer als alle anderen jungen Männer in Israel. Die Faszination wächst: David „ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön gestaltet, und der Herr ist mit ihm“ (1. Samuel 16,18). Er ist musikalisch, tapfer, sportlich, kämpferisch und klug. Und David sieht nicht nur gut aus. Gott steht David bei.

Eine Frau einer belagerten Stadt setzt klug ihre körperliche Schönheit ein, um einen General zu besiegen. Geschlechterkampf als listige Notwehr. Sie zog ihre Witwenkleider aus, legte das dunkle Trauerkleid ab, nahm ein Bad und salbte sich mit bestem Öl. Sie brachte ihr Haar in Ordnung und schmückte es mit einem Stirnband. Dann zog sie das Kleid an, das sie immer bei festlichen Anlässen getragen hatte, als ihr Mann Manasse noch lebte. Sie nahm Sandalen an die Füße und legte ihren ganzen Schmuck an: Fußkettchen und Armreifen, Ringe und Ohrgehänge. Sie wollte schön sein, um die Männer zu blenden, die ihr begegnen würden. Mode, Schmuck, Parfum. Im Buch Judith (Kapitel 10) wird Judiths Schönheit als weibliche List gegenüber Besatzungstruppen beschrieben. Judith gegen Holofernes ist das weibliche Pendant zu David gegen Goliath: Schwach überwindet stark mit Gottes Hilfe! Was wäre äußerliche Schönheit ohne Charakter? Sie bedeutet nichts. Lieblich und schön sein ist nichts; eine Frau, die den Herrn fürchtet, soll man loben (Sprüche 31,30). Anmut und Schönheit sind vergänglich und kein Grund, eine Frau zu rühmen; aber wenn sie den Herrn ernst nimmt, dann verdient sie Lob. „Ein goldener Ring im Rüssel einer Wildsau? So ist eine schöne Frau ohne Benehmen!“ (Sprüche 11,22)

„Du bist schön! – Sieben Wochen ohne Runtermachen“, so lautet das diesjährige Motto der Evangelischen Fastenaktion „7 Wochen Ohne“. Über drei Millionen Menschen wollen sich jährlich damit aus der Tretmühle ihrer Alltagsroutine bringen lassen, wollen sieben Wochen lang bewusst eine neue Perspektive einnehmen, um spielerisch entdecken, worauf es im Leben ankommt.

„Du bist schön!“ Was oberflächlich betrachtet wie der Werbeslogan einer Kosmetikserie aussehen mag, ist in Wirklichkeit ein fast unbekanntes Bibelzitat. Der Satz „Du bist schön!“ kommt sechs Mal im Hohenlied vor. Das Hohelied, dem König Salomo gewidmet, beginnt mit dem Motiv des Kusses. Das gleiche zärtliche Bild wie in der Paradieserzählung, wo Gott dem Menschen Leben eingehaucht hat und der Mensch zum lebenden Wesen wurde, wörtlich: zu einer lebendigen Seele.

„Mein Freund ist mein, und ich bin sein“ (6,3). Sie preist ihn, und er preist sie. Das Hohelied ist erotische Lyrik in der Bibel. Es gehört zu den schönsten Liebesgedichten der Weltliteratur. Für manche ist das Hohelied das umstrittenste Buch der Bibel. Peinlich, sagen manche, unanständig. Aber wieso steht das Hohelied eigentlich in der Bibel?

Es war vor allem Rabbi Akiba (um 100), der es zu den Heiligen Schriften rechnete. Zwei Liebende preisen gegenseitig die Schönheit des anderen. Um es biblisch zu sagen: Sie genießen, dass „Gott den Menschen zu seinem Bilde schuf, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und er schuf sie als Mann und Frau“. Wo Menschen sich lieben, bilden sie Gottes Wesen ab.

Das Hohelied lässt sich auch in einem tieferen Sinn lesen und verstehen, als Dokument der Liebe zwischen Gott und seinem Volk Israel. Schildert das erste Testament Gott und Israel als Liebesverhältnis, kritisieren Propheten auch umgekehrt den Abfall, das sich Abkehren von Gott in der Metaphorik des Fremdgehens und der käuflichen Liebe, mit aller Drastik, wie Hesekiels Kritik in Hesekiel 16. Und der Bund, das Einswerden mit Gott, liebt Hochzeitsbilder.

Rabbi Akibas Argumente überzeugten. Später haben Kirchenväter diese kollektive Interpretation des Hohenliedes individualisiert verstanden und übertragen auf das Liebesverhältnis zwischen dem Bräutigam Christus und der anima, der Seele eines oder einer einzelnen Gläubigen. Und wieder eine gemeinschaftliche Interpretation: Kirche als Braut Christi. Seit dem Mittelalter beflügelte so das Hohelied Schmuck in Kirchen und Kathedralen, Malerei und Musik, diese mystische Sicht ließ das Andachtsbild der Antonia in Bad Teinach entstehen. Bis hin zu dem genialen, einmaligen Bildprogramm am Straßburger Münster mit den allegorischen Figuren Ecclesia und Synagoga als den beiden Bräuten rechts und links von Salomo-Christus, der am Südquerhaus-Portal in der Mitte thront. Dieser Streit von Kirche gegen Judentum ist aufgehoben.

Liebe macht blind, wird immer wieder gesagt. Das ist Unfug. Jeder weiß, dass man vor lauter Ego eine eingeschränkte Wahrnehmung bekommen kann. Solch ein Ego hat mit Liebe nichts zu tun. Liebe macht in Wahrheit sehend, für die Schönheit, die Gott in einen anderen Menschen gelegt hat. Das Hohelied darf man Menschen nicht vorenthalten, es ist eine Heilige Schrift. Rabbi Akibas gute Argumente haben in der Antike Gott sei Dank gefruchtet. „Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe“ wird später im Neuen Testament zu lesen sein (1. Johannesbrief 4,8).

Fasten im biblischen Sinn bedeutet, mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen. Dies schließt auch den Umgang der Menschen untereinander mit ein. Dabei sollen wir nicht fragen, was das „Du bist schön!“-Fasten für uns bringt, sondern wie wir am sinnvollsten die uns übertragene Verantwortung für die Schöpfung und die Geschöpfe wahrnehmen können.

Liebe macht sehend und Schönheit entsteht im Auge des Betrachters. Wenn es überhaupt so etwas wie ein christliches Schönheitsideal gäbe, dann wäre es dieser Blick von Verliebten, von liebenden Menschen. Darum: „Du bist schön! – Sieben Wochen ohne Runtermachen.“ Den anderen nicht. Und sich selbst genauso nicht.


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