Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Was wir brauchen, bekommen wir“ - Familien während der Corona-Krise

Die Wohnung ist klein, die Energie der Kinder groß. Für Eltern bietet die Corona-Krise jeden Tag eine neue Herausforderung. Zwei Beispiele von Familien, die der Pandemie auf ihre Weise die Stirn bieten.

Ausflüge in die Natur sind eine Wohltat für Anna, Ferencz, Noemi, David und Daniel.  Fotos: Brigitte JähnigenKindertagesstätten geschlossen. Schulen geschlossen. Gesperrte Spielplätze, Schwimmbäder, Kinos, Theater, Freizeitanlagen. Eltern stöhnen im Homeoffice, Kinder klagen über Langeweile. David, Daniel und Noemi spielen allerdings gerade das „Corona-Spiel“. Die Geschwister springen auf dem Trampolin, ein Ball springt mit. Berührt werden darf er nicht. Denn er ist das Virus. Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Die drei kennen die Regeln ganz genau und setzen sie spielerisch um. „Die Kinder sind mittlerweise so gut informiert, dass sie fast mehr als wir Eltern über Corona wissen“, scherzt ihr Vater Ferencz.

Corona-Krise - Eine Chance für die Väter

Für seine Kinder ist der 35-Jährige der „Alleskönner und Alleswisser“. In dieser Zeit fühlt er besonders viel Verantwortung. Ferencz will seine Familie schützen und wirtschaftlich absichern, seinen Kindern aber vor allem Liebe und Aufmerksamkeit schenken. „Diese Zeit gibt uns Männern die Chance, uns mehr um unsere Rolle als Väter zu kümmern“, sagt Ferencz. Wenn seine Kinder verschiedene Corona-Spiele spielen, in die Rolle von Arzt und Patient schlüpfen, mit Stöcken gegen Viren kämpfen, weiß er, dass sie das Wichtigste verstanden haben.

David, Daniel und Noemi in Stuttgart-Sillenbuch gehen jetzt oft raus in die Natur mit ihren Eltern. Paul und seine Mitschüler in Stuttgart-Obertürkheim schreiben „Corona-Tagebuch“. Ihr pfiffiger Klassen-lehrer hat es ihnen neben den Hausaufgaben aufgetragen.

Ausflüge in die Natur sind eine Wohltat für Anna, Ferencz, Noemi, David und Daniel. Fotos: Brigitte Jähnigen

 

 

 

 

 


Kinder sind von sich aus kreativ. Doch im durchgetakteten Alltag haben viele verlernt, sich selbst zu beschäftigen. Schon in den Kindertages-stätten überbieten sich die Erzieherinnen und Erzieher mit Angeboten. Wenn jetzt manche Kinder von „Langeweile“ sprechen, erzählen sie auf Nachfrage, dass sie ihr gewohntes Leben vermissen.Die Freunde, sogar die Schule. Echte Kontakte sind durch digitale Welten nicht zu ersetzen.

„Kinder spüren genau, dass in Zeiten von Corona vieles anders ist“, sagt der Psychologe Wilfried Griebel (68). Er hat viel über Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) bei Kindern geforscht. Eltern sollten sich selbst fragen, wie sie mit ihren Ängsten umgingen. „Sie sind der Sender: Je ängstlicher sie sind, umso ängstlicher wird auch das Kind“, sagt der langjährige Mitarbeiter am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. „Sich seriös über das Virus zu informieren, ist wichtig, Angst ist ansteckend“, mahnt Griebel mit Blick auf die Vorbildrolle von Elter

Anna, die Mutter von David, Daniel und Noemi, hat keine Angst. Die schulfreien Tage von Montag bis Freitag sind in der Familie strukturiert. Vormittags werden David und Daniel von ihr unterrichtet. „Das wollte ich immer schon machen“, sagt die studierte Lehrerin. Ferencz erarbeitet am Computer Stoff, den seine aktuelle Schulung verlangt. Noemi, die Jüngste, braucht allerdings auch noch Aufmerksam-keit. Zudem arbeitet auch Anna im Homeoffice. Alles nicht so einfach.

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„Unsere Wohnung ist eigentlich zu klein für fünf Personen, jeder Tag ist eine Herausforderung“, sagt Anna. Deshalb freuen sich alle, wenn die Sonne scheint. Wenn sie nicht in den Garten gehen, erfor-schen die Kinder ein Tal in Wohnungsnähe. „Sie erfinden jeden Tag etwas Neues, und manchmal fallen sie ins Wasser“, lacht sie. Deshalb wurde nun im Internet für jeden ein zweites Paar Gummistiefel bestellt.

„Angst vor Corona hab ich nicht, unsere Familie hat sich auch nicht an irgendwelchen Hamsterkäufen beteiligt. Was wir brauchen, werden wir bekommen“, sagt Anna. „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“ – mit diesem Bibelvers aus Matthäus 6 ist sie groß geworden. „Der Pfarrer in meiner Heimatgemeinde war sehr überzeugend.“ Sie sei in einer armen Familie aufgewachsen, Überfluss brauche sie nicht. Und es sei sehr schön, dass sie in Stuttgart eine Kirchengemeinde gefunden habe, in der sie sich wohlfühlt.

Die Monster sind los: So sieht Paul die Situation auf seinem Tagebuch. Foto: Brigitte JähnigenDie Monster sind los: So sieht Paul die Situation auf seinem Tagebuch. Foto: Brigitte Jähnigen

„Bald ist Ostern, eigentlich verbringen wir das Fest bei unseren Eltern“, erzählt Anna. Wegen Corona ist das nicht möglich. Auch die Kinder seien traurig deswegen. „Das Zusammensein wird uns fehlen und auch der Gottesdienst“, sagt Anna. Geschenke wird es trotzdem für alle geben. Fotos und Zeichnungen der Kinder für die Großeltern sind schon abgeschickt. Egal, welche unerfreulichen Überraschungen das Leben bereithält – die als Erzieherin tätige 35-Jährige denkt immer an die Geschichte vom See Gene-zareth. „Der See tobte, die Jünger hatten Angst, aber Jesus blieb ruhig. Ich bin überzeugt, Gott schaut auf uns und beschützt uns“, sagt Anna.

Auch die Pfarrerin und mehrfache Mutter Elisabeth Jooß ist derzeit besonders gefordert. „Meine große Hoffnung ist, dass wir in dieser größten Fastenzeit der Nachkriegsgeschichte gezwungen sind, unser Leben in all seinen Dimensionen neu zu überdenken“, sagt die promovierte Theologin. Die Menschen sollten sich bewusst machen: Die Bewältigung des Klimawandels sei möglich. Solidarität sei möglich. Neue Freundschaften seien möglich, wenn es nur gewollt sei, sagt die Pfarrerin der Kirchengemeinde Stuttgart-Riedenberg.

Fünf Kinder gehören zur Familie von Elisabeth und Stefan Jooß. „Auf einen Tag zum anderen wurde ich Nachhilfelehrerin in fünf verschiedenen Klassenstufen und allen Fächern“, sagt Elisabeth Jooß. „Mittendrin“ sei sie auch bei der Nutzung sozialer Medien, müsse neue Programme installieren. Über die Pannen im Umgang mit der modernen Technik lachen sie mitunter alle gemeinsam. Musik spielt in der Familie eine wichtige Rolle. Jetzt soll ein „Corona-Album“ aufgenommen werden.

Coroana-Krise - Das Leben neu überdenken

Im Pfarrberuf sucht die Theologin nach neuen Formen der Begegnung: Dazu gehört ein Einkaufsservice für Ältere (auch für die, die nicht zur Kirchengemeinde gehören), Mutmacher auf der Internetseite und vor der Kirchentür für Spaziergänger. „Wirkliche Experten der Hoffnung aber sind die älteren Menschen, sie sind oft so viel gelassener als wir jüngeren“, sagt Jooß.

Die Osterhoffnung – das werde in diesen Tagen deutlich – sei eine Lebenshoffnung, die den Tod nicht verleugne, davon ist Elisabeth Jooß überzeugt. Die Osterhoffnung sei nicht, dass das Leben weiter-gehe wie bisher, dass Auferstehung nur Auferstehung des Alltags sein würde. Leben habe einen tieferen Sinn und eine größere Bedeutung. „Ich hoffe für unser kirchliches Leben, dass es transformiert aufersteht in anderer Kraft“, wünscht sie sich.

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